Remshalden

Freundschaft, die Hürden überwindet: Remshalden und Gournay-en-Bray

Partnerschaft
Die damaligen Bürgermeister Winfried Kübler und Alain Carment unterschreiben die Partnerschaftsurkunden. © Gemeinde Remshalden

Diese Freundschaft ist etwas ganz Besonderes. Sie überwand mit ihrer Gründung Ende der 80er Jahre einen großen Schmerz, den so mancher Bewohner Gournay-en-Brays im Nachgang des Zweiten Weltkriegs noch spürte, wenn er an die Deutschen dachte. Immerhin: Im Juni 1940 hatten deutsche Flieger die kleine Stadt in der Normandie bombardiert.

Dem Feuer fiel damals die gesamte Innenstadt zum Opfer, etliche Menschen kamen ums Leben. Die deutschen Truppen besetzten die Stadt und blieben bis zum 30. August 1944. Nur langsam gelang danach der mühsame Wiederaufbau.

Die Spuren saßen tief

Die Spuren des Angriffes und der Besatzungszeit saßen tief, weshalb es etliche Jahre dauerte, bis aus einer ersten Kontaktaufnahme Anfang der 80er Jahre eine echte Städtepartnerschaft entstehen konnte. Sie entstand aus dem festen Willen von Menschen, die einfach mal machten, Kontakt suchten und begannen, nicht mehr ohne den jeweils anderen Part sein zu wollen.

Aber von vorne: Eines Tages im Jahr 1981 las Winfried Kübler, damals als Remshaldens Bürgermeister, in der Mitgliederzeitung des Gemeindetages, dass die Stadt Gournay-en-Bray eine deutsche Partnerstadt suchte. Darauf legte er, als er sommers auf dem Weg in die Urlaubsfrische der Bretagne war, einen kleinen Zwischenstopp in dem kleinen Städtchen rund 90 Kilometer nordwestlich von Paris ein. Dort machte er Gilbert Versluys ausfindig, der damals für die kleine Anzeige verantwortlich war.

Freundschaft begann ganz klein

Dieser entpuppte sich als der Leiter der Tourismusagentur, die damals nicht gerade überrannt wurde. Nur wenige Besucher verirrten sich noch in das Städtchen. „Deshalb hatte er auch Zeit, solche Anzeigen in die Zeitung zu setzen“, erzählt Kübler heute lächelnd, während er das Foto dessen damaliger Arbeitsstelle betrachtet.

Ungefähr zeitgleich hatte Dagmar Korn, damals Elftklässlerin, eine kleine Anzeige gelesen: Remshalden suchte in den Schorndorfer Nachrichten nach Interessenten an einer Partnerschaft mit einer französischen Stadt.

Und da sie in der Schule bald ihre mündliche Französischprüfung ablegen musste, aber vor allen Dingen schriftlich konjugieren konnte, war schnell Kontakt mit dem Remshaldener Rathaus aufgenommen. Die Idee: Das Mädchen sollte im Sommer ein paar Wochen nach Frankreich, ihr aktives Französisch aufpolieren und sich so auf die anstehende Prüfung vorbereiten.

Partnerschaft mit langer Geschichte

Und genau so kam es. Dagmar Korn konnte einen Ferienjob bei jenem Leiter des Fremdenverkehrsamtes machen und war so beinahe die Vorreiterin des ersten Schüleraustausches zwischen Remshalden und Gournay-en-Bray. Die lange Geschichte, kurz erzählt, geht so weiter: Die Französischprüfung lief bestens, lange blieb Dagmar Korn mit der Familie in Kontakt, das Collège Rollon in Gournay und die Realschule Remshalden (damals noch Ernst-Heinkel-Realschule) starteten Anfang der 80er Jahre mit organisierten Schüleraustauschen.

So richtig offiziell wollte oder vielmehr konnte die Partnerschaft zunächst aber nicht werden, weil der damals amtierende Bürgermeister in Gournay-en-Bray nicht über das Trauma des Krieges hinwegkommen konnte. Erst als sein Amtsnachfolger Alain Carment, ein begeisterter Europäer, antrat, konnte die Freundschaft, die inzwischen schon längst zwischen den Bürgern entstanden war, offiziell werden. Und so unterzeichneten er und Winfried Kübler im Jahr 1989 die Partnerschaftsurkunden.

Schüleraustausch bis heute wichtig

Bis heute bildet der jährliche Schüleraustausch den Schwerpunkt der partnerschaftlichen Beziehungen zwischen den Kommunen. Zudem führen Vereine aus Gournay-en-Bray und Remshalden Austauschprogramme in Verbindung mit sportlichen Wettbewerben und musikalischen Darbietungen durch. Häufige Besuche gibt’s zum St.-Clair-Fest (Gournay) und zum Remshaldener Straßenfest.

Und dann gibt es da noch diese wertvollen persönlichen Beziehungen. Margret Single strahlt über das ganze Gesicht, wenn sie von ihren Freunden aus Frankreich spricht. Häufig fehlten die Vokabeln, aber der unbedingte Wunsch zur Freundschaft sowie die Verständigung mit Händen und Füßen machten jeden Abend mit den Freunden aus der Partnerstadt zu etwas Besonderem.

Partnerschaft in die Zukunft gerichtet

Die Besatzungszeit werde dabei nicht besonders häufig thematisiert. Oft habe man das Gefühl, die französischen Freunde wollten die Remshaldener nicht damit belasten. „Die Partnerschaft ist mehr nach vorne gerichtet“, erklärt Dagmar Korn, die heute die Erste Vorsitzende des Remshaldener Partnerschaftskomitees ist.

Indes beleuchtete eine jüngst entstandene Ausstellung auf französischer Seite jenen Teil der Geschichte ehrlich. Und im Museum Remshalden ist anlässlich des Jubiläums derzeit eine wirklich informative Ausstellung zur Partnerschaft unter der Überschrift „begegnen - verbinden - ensemble“, zu sehen. Irmgard Fischer hat sie zusammen mit Renate Winkelbach und dem Partnerschaftskomitee ausgearbeitet.

Freunde besuchen sich eifrig gegenseitig

Auch Bürgermeister Reinhard Molt ist von der Partnerschaft begeistert. Sein Sohn hat bis heute Kontakt zu einem Austauschpartner, immer wieder wurden Praktikanten in der Gemeindeverwaltung untergebracht. Und Anja Werner, die seitens der Verwaltung für die Partnerschaft zuständig ist, hat ihr Herz längst an Gournay-en-Bray und seine Bewohner verloren.

Wichtige Veranstaltungen der Gemeinden werden wechselseitig mit viel Freude begleitet, und nun wird rückwirkend das 33. Jubiläum gefeiert. Mit einem offiziellen Festakt für geladene Gäste. Immerhin 50 Gäste aus Gournay reisen mit ihrem Bürgermeister am Wochenende an. Auch Vertreter der erzgebirgischen Partnergemeinde Elterlein und der englischen Partnerstadt Gournays sind mit dabei.

Zudem lädt der HGV auf Samstag, 1. Oktober, auf den Reinhold-Maier-Platz in Grunbach zur Partnerschaftshocketse mit schwäbischen Köstlichkeiten, Musik und der Möglichkeit zur Begegnung mit den Freunden aus Gournay-en-Bray ein.

Diese Freundschaft ist etwas ganz Besonderes. Sie überwand mit ihrer Gründung Ende der 80er Jahre einen großen Schmerz, den so mancher Bewohner Gournay-en-Brays im Nachgang des Zweiten Weltkriegs noch spürte, wenn er an die Deutschen dachte. Immerhin: Im Juni 1940 hatten deutsche Flieger die kleine Stadt in der Normandie bombardiert.

Dem Feuer fiel damals die gesamte Innenstadt zum Opfer, etliche Menschen kamen ums Leben. Die deutschen Truppen besetzten die Stadt und blieben bis zum

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