Remshalden

Gesprächsgruppe für Pflegende Angehörige in Remshalden: Lieber reden, bevor’s knallt

Selbsthilfegruppe für Betreuuende Angehörige
Gitta Klein, Elisabeth Scharnagel-Schmidt und Edeltraud Egle-Illg mögen gerne Pflegenden weiterhelfen. © Alexandra Palmizi

Einkaufen gehen, einen Arzttermin wahrnehmen, mit einer Freundin einen Kaffee trinken gehen. Hört sich an wie das Stillen ganz normaler Grundbedürfnisse? Wie etwas, das immer möglich sein muss? Ist aber nicht immer so. Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt, kann über seine Zeit nicht mehr frei verfügen. Sind die zu Pflegenden gar dementiell erkrankt oder schon sehr schwach, muss einfach immer jemand da sein, der achtgibt. Das Ergebnis: Die Angehörigen rutschen in eine nie dagewesene Einsamkeit. Sind angewiesen auf Besuche von Bekannten und Freunden. Der Besuch des unterstützenden Pflegedienstes wird geradezu zum gesellschaftlichen Höhepunkt des Tages. Und die Corona-Pandemie hat das alles nur verschärft.

Einmal versprochen: In guten wie in schlechten Zeiten

Die Belastung ist immens. Körperlich wie seelisch. Viele Pflegende fühlen Wut, fühlen sich ausgenutzt, eingesperrt, beraubt um die eigene Freiheit. Nicht selten sind die zu pflegenden Personen aggressiv, verändern ihre Persönlichkeit. Es ist eine Last. Wer pflegt, muss viel aushalten. Hinzu kommt: Viele Pflegende sind auch schon betagt, auch ihre Zeit läuft. Statt sie noch ausnutzen zu können, sehen sie sich gezwungen, um Heim, Herd und Krankenbett zu kreisen. Schließlich haben sie’s einmal versprochen: In guten wie in schlechten Zeiten.

Wenn die Wut sich auftürmt

Sozialpädagogin Edeltraud Egle-Illg weiß: „Dass da auch negative Gefühle aufkommen, ist ganz klar.“ Wenn die Wut sich auftürmt und das Kommando übernimmt, wird mancher Pflegende gar handgreiflich. Dann wird vielleicht der Arm zu fest gepackt, mit dem Waschlappen zu schnell übers Gesicht gerubbelt. Leicht wird es noch viel schlimmer.

Damit der Ärger, der Frust sich gar nicht so weit aufstauen können, haben Gitta Klein und Edeltraud Egle-Illg schon 2018 die Gesprächsgruppe für pflegende Angehörige ins Leben gerufen. Jetzt nehmen sie nach Corona wieder ihre Arbeit auf, zusammen mit Elisabeth Scharnagel-Schwarz, die selbst Sozialpädagogin ist und einst auch Teilnehmerin der Gruppe war, als sie ihren Mann pflegte.

Auftanken und sich austauschen

Jeden dritten Freitag im Monat trifft sich die Gruppe nun um 15 Uhr im Paul-Gerhard-Haus an der Grunbacher Wiesenstraße (eine Anmeldung ist nicht nötig), um Zeit miteinander zu verbringen. Gemeinsam mit der Pädagogin tanken die Gruppenteilnehmer auf. Ganz bewusst sind nicht nur Remshaldener eingeladen. Wer Bedarf hat und in den umliegenden Gemeinden wohnt, ist ebenso willkommen in dem Kreis.

Raus aus dem Hamsterrad

Hier ist Raum, Ruhe und Offenheit – da hinein können sie berichten, von ihren Erlebnissen in der Pflege, von ihren Herausforderungen, von den Kämpfen, dem schlechten Gewissen und der Trauer. Von der Trauer über das Verlieren des gemeinsamen, aktiven Lebens mit der geliebten Person. Auch von der Trauer über das langsame Verschwinden des geliebten Menschen. Und dabei erfahren sie etwas Kostbares: Sie sind nicht alleine in diesem teils düsteren Hamsterrad, alle Gefühle sind nicht nur normal, sie sind erlaubt.

Info

Es wird jeweils um die Einhaltung der aktuellen Corona-Regeln gebeten. Wer eine Betreuung für seinen Angehörigen braucht, kann sich unter0 71 51/70 34 04 melden.

Einkaufen gehen, einen Arzttermin wahrnehmen, mit einer Freundin einen Kaffee trinken gehen. Hört sich an wie das Stillen ganz normaler Grundbedürfnisse? Wie etwas, das immer möglich sein muss? Ist aber nicht immer so. Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt, kann über seine Zeit nicht mehr frei verfügen. Sind die zu Pflegenden gar dementiell erkrankt oder schon sehr schwach, muss einfach immer jemand da sein, der achtgibt. Das Ergebnis: Die Angehörigen rutschen in eine nie dagewesene

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