Remshalden

Großprojekt Radschnellweg: Die bevorzugte Route durch Remshalden sorgt für Diskussion

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Stadtradeln: Strampeln fürs Klima. © pixabay.com

Den Radverkehr für längere Distanzen attraktiv machen, CO2 und Staus reduzieren und die Gesundheit fördern – das sind die Ziele von Radschnellverbindungen. Im Remstal soll in der Zukunft zwischen Fellbach und Schorndorf eine solche Verbindung entstehen. Aktuell befassen sich die Verantwortlichen damit, welche Linienführung dafür Sinn macht. Auch in Remshalden wurden mehrere Möglichkeiten geprüft. Die vom Landratsamt und vom zuständigen Ingenieurbüro favorisierte Trasse löste bei ihrer Vorstellung im Gemeinderat eine rege Diskussion aus.

So sieht das erste Konzept aus: Aus Richtung Weinstadt kommend würde der Radschnellweg über die Uferstraße in den Ort führen. Abbiegen müssten die Radfahrer dann in die Bahnhofstraße und von dort in die Kanalstraße. Danach könnte an der B 29 entlanggeradelt werden, vorbei am Weingut Häfner, bis die Rems überquert werden müsste. Vorbei am Freibad im Stegwiesenweg, könnte der Radschnellweg dann in den bestehenden Remstalradweg übergehen.

Fahrradstraße würde den Verkehr im Gewerbegebiet neu ordnen

Im Bereich Uferstraße/Bahnhofstraße/Kanalstraße sieht das Konzept es vor, die Einrichtung einer Fahrradstraße zu prüfen. Auf dieser wären zwar auch Autos und Lkw erlaubt, Fahrräder hätten aber Vorrang. Dafür würden - je nachdem wie der Weg letztendlich umgesetzt würde - auch Parkplätze wegfallen, was einige Gemeinderäte kritisch sahen. Ein weiterer brisanter Punkt in der oben vorgestellten Variante entstünde an der Ecke Unterer Wasen/Badstraße beziehungsweise Badstraße/Stegwiesenweg. Auch hier muss geprüft werden, welche Maßnahmen sinnvoll wären, um dem Radschnellweg und den anderen Verkehrsteilnehmern gerecht zu werden.

„Ich finde es eigentlich super, dass das Thema überhaupt mal in den Vordergrund rückt, aber ich sehe es kritisch“, stieß Klaus Schäufele von der Alternativen Liste die Diskussion über das Projekt im Gemeinderat an. Der geplante Radschnellweg komme ihm an manchen Stellen eher wie ein Rad-Wander-Weg vor. Unverständlich war für ihn, dass die geplante Trasse rechte Winkel beinhaltet. „Warum kann man nicht auf der B 29 eine Spur für Leichtfahrzeuge schaffen, die dann durch den Tunnel direkt nach Stuttgart führt?“, fragte er leicht überspitzt, um zu verdeutlichen, wie ein richtiger Radschnellweg seiner Meinung nach aussehen könnte.

Eine Spur auf der B 29 für Radfahrer?

„Die Trasse wie aufgezeichnet führt immer entlang bestehender Wege“, antwortete die anwesende Radwegekoordinatorin des Landratsamts, Karen Fischer. „Wenn sie ausgebaut wird, wird sie auch anders trassiert.“ Ein Ziel dabei wäre es, möglichst viele rechte Winkel zu beseitigen. In Remshalden könne man den Radschnellweg bis auf die zwei besprochenen Engstellen befahren, ohne anhalten zu müssen.

Eine Spur der B 29 wegzunehmen hielt sie aus verschiedenen Gründen für einen Wunschgedanken. Julia Domko, zuständige Projektleiterin beim beauftragten Ingenieurbüro, ergänzte: „An der B 29 fehlt der Anschluss.“ Die Trasse führe bewusst an Wohn- und Arbeitsgebieten entlang, um sie auch für Menschen, die momentan noch nicht radfahren, attraktiv zu machen. Darüber hinaus sei die Lärm- und Abgasbelastung auf der B 29 so hoch, dass sicher viele Radfahrer nicht dort fahren wollen würden.

Keine grundsätzliche Kritik am Projekt

„Eine kritische Auseinandersetzung damit bedeutet nicht, dass wir gegen das Projekt und die Stärkung des Radverkehrs an sich sind“, betonte die ALi-Fraktionsvorsitzende Ursula Zeeb, sagte aber auch: „Wir werden kein CO2 einsparen, indem wir zusätzlich Trassen durchs Remstal schlagen fürs Rad, wenn wir nicht gleichzeitig den Autoverkehr zurückschrauben.“

Die Vorstellung, dass der Radschnellweg mit dem Remstalradweg gebündelt werden soll, löse bei ihr Horror aus, weil sie schon jetzt Horrorstorys von querenden Hunden, landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Autos von Leuten höre, die den bestehenden Radweg zum Pendeln nutzen. „Wie Sie ausschließen wollen, dass das auf dem Radschnellweg nicht passiert und die Konflikte nicht zunehmen, ist mir völlig schleierhaft“, sagte sie.

Freizeitfahrer und Arbeitspendler nutzen den Weg unterschiedlich

„Die Freizeit- und Alltagsnutzung entzerrt sich automatisch aufgrund der Zeiten, in denen die Menschen unterwegs sind“, antwortete Julia Domko. „Außerdem wird der Weg im Vergleich zu heute ja ausgebaut und sie haben zukünftig eine Trennung von Fahrrad- und Fußverkehr.“ Das führe dazu, dass die Situation sich für alle Verkehrsteilnehmer verbessert. Eine ähnliche Antwort gab sie auf die Bedenken von ALi-Rat Lennard Volk, der befürchtete, dass sich die verschiedenen Verkehrsteilnehmer auf Höhe des Freibads in die Quere kommen würden. „Wir gehen an die Stelle ran und ordnen neu, so dass alle Verkehre, die dort unterwegs sind, besser ans Ziel kommen“, sagte Julia Domko dazu.

„Wir freuen uns natürlich über die Planung, weil wir auch denken, dass der Radverkehr gestärkt werden muss“, sagte der BWV-Gemeinderat Andreas Bauer. „Ich pendele seit sieben Jahren von Grunbach nach Waiblingen und kann feststellen, dass die Fahrradpendler deutlich zugenommen haben.“ Er befürwortete eine Trennung von Fahrradfahrern und Fußgängern.

„Wir finden sehr schön, dass man das übergeordnet plant und nicht von kommunaler Grenze bis zu kommunaler Grenze“, sagte Bürgermeister Reinhard Molt zu dem Projekt. Die Verwaltung bevorzugt ebenso die vom Landratsamt und vom Planungsbüro favorisierte Variante.

Den Radverkehr für längere Distanzen attraktiv machen, CO2 und Staus reduzieren und die Gesundheit fördern – das sind die Ziele von Radschnellverbindungen. Im Remstal soll in der Zukunft zwischen Fellbach und Schorndorf eine solche Verbindung entstehen. Aktuell befassen sich die Verantwortlichen damit, welche Linienführung dafür Sinn macht. Auch in Remshalden wurden mehrere Möglichkeiten geprüft. Die vom Landratsamt und vom zuständigen Ingenieurbüro favorisierte Trasse löste bei ihrer

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