Remshalden

Hundekotbeutel werden oft falsch entsorgt - das bereitet viel Ärger und belastet die Natur

Hundekotbeutel Hundekot Wiese Wegrand entsorgt symbol symbolbild symbolfoto
Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Wer ab und an spazieren geht, kennt sie, die bunten Tütchen, die an allen möglichen und unmöglichen Stellen liegen, baumeln, treiben. Und seit etliche Familien sich in der Corona-Zeit einen Hund angeschafft haben, hat sich die Problematik weiter verschärft: Hundekotbeutel werden wild entsorgt – in die Natur geworfen, bei überfüllten Mülleimern einfach obenauf gestapelt, sogar in Gärten oder auf Kirchvorplätzen - zuletzt wohl auch am Türgriff des Rohrbronner Kirchleins - wurden sie schon gesichtet, wie zuletzt im Rahmen einer Remshaldener Gemeinderatssitzung berichtet wurde.

Rund zehn Millionen Hunde gibt es in Deutschland. 713 Hunde sind alleine in Remshalden erfasst. Jeder von ihnen produziert pro Tag im Schnitt rund 300 Gramm Häufchen. Das muss ja irgendwo hin. Und da sich Hunde nicht trainieren lassen, sich an einem Hundeklo zu erleichtern, müssen ihre Besitzer täglich dreimal raus. Wer’s richtig macht, packt die Hinterlassenschaften seines vierbeinigen Freundes anschließend in ein Tütchen und entsorgt das entweder in einem öffentlichen Mülleimer oder eben im heimischen Restmüll.

Säckchenpyramiden auf Mülleimern

Sind die öffentlichen Mülleimer überfüllt oder hat jemand einen zusammengefalteten Pizzakarton über dem sonst leeren Eimer quer hineingesteckt, rauscht die Kooperationsbereitschaft vieler Hundebesitzer in den Keller. Statt das Tütchen bis zum nächsten Eimer oder zur heimischen Restmülltonne zu tragen, stapelten viele, so berichtet es Bauhofleiter Roland Aisslinger, lieber geradezu kunstvolle Säckchenpyramiden auf öffentlichen Mülleimern. Werden die dann irgendwann zu hoch, purzele alles hinunter und sammle sich neben dem entsprechenden Mülleimer. „Dann sammeln wir das alles ein und bringen es in den Restmüll-Container der Gemeinde“.

Als in der jüngsten Gemeinderatssitzung im Gremium überlegt wurde, ob nicht einfach mehr Mülleimer angeschafft werden könnten, um das Problem zu lösen, war seitens der Gemeinde recht klar, dass dies keine Option darstelle. Schließlich koste jeder neue Mülleimer nicht nur in der Anschaffung Geld. Viel mehr ins Gewicht falle die Wartung und die regelmäßige Leerung. 150 Mülleimer betreut die Gemeinde Remshalden derzeit schon, 15 davon sind außerdem mit Hundetütenspendern ausgestattet. Diese stehen vor allen Dingen an den Ortsausgängen, so dass die Hundehalter einen Beutel für ihren Hund mit ins Grüne hinaus nehmen können und nach dem Spaziergang gefüllt wieder abladen können. Einmal pro Woche werde jeder Mülleimer mindestens geleert, berichtet Aisslinger. Die häufig frequentierten, so am Bürgerpark und einige im Ortskern, werden sogar täglich entleert. Um das zu leisten, sei jeden Tag ein Mitarbeiter im Einsatz. „Und trotzdem sind manche am Abend wieder vollgestopft und wir bekommen deshalb Fotos von Bürgern geschickt“, berichtet Aisslinger.

Hundekotbeutel sind selbst ein Problem

Zwei Zehn-Kubik-Container voll mit eingesammeltem Restmüll bringen die Kollegen pro Monat zur Deponie nach Kottweil. Von dort aus wird er weiter zur Müllverbrennungsanlage geschafft. Dort werden auch die zahlreichen Hunde-Plastiktüten mit Inhalt „thermisch behandelt“. Bei der Beseitigung des einen Müllproblems (des Hundekotes) schafft man also ein weiteres, die Hundekotbeutel. Rund 45 Tage dauert es laut Studien, bis Hundekot sich zur Hälfte zersetzt hat. Die Plastiktüten, in die die Stinkbomben verpackt werden, halten dagegen erheblich länger. Bleiben die Tüten in der Natur liegen, gelangt Mikroplastik in die Natur. Tatsächlich haben findige Hersteller längst auch biologisch abbaubare Tütchen entwickelt. Die sind aber natürlich teurer als die herkömmlichen und deshalb weniger häufig im Einsatz. Im Gespräch gewesen seien solche Beutel in Remshalden durchaus schon einmal, weiß Aisslinger, „das muss aber auch finanziell abbildbar sein“, findet er.

Allerdings - der Leiter des Remshaldener Bauhofs weiß, dass ein ganz großer Teil der ausgegebenen Hundekottüten (rund 10 000 Stück im Vierteljahr) eben nicht in oder wenigstens neben einem Mülleimer landet, sondern auf der Wiese, auf dem Feld, in den Weinbergen. Und dort sorgen sie zu weiterem Ärger. Immerhin müssen dann private Anlieger die Beutel entsorgen. Aus der gezahlten Hundesteuer (pro Hund jährlich 125 Euro, der Zweithund kostet 250 Euro) können Hundehalter übrigens keine Dienstleistungsansprüche in Form von Kotbeseitigung oder Ähnlichem ableiten.

Hundekot ins Gesicht geschleudert

Noch viel schlimmer als gestapelte oder liegengebliebene Tütchen findet Bauhofleiter Roland Aisslinger aber die Hundehaufen, die von den Tierhaltern gar nicht weggeräumt werden, die unverpackt einfach dort liegenbleiben, wo der Hund sie abgesetzt hat. Gerade beim Mähen der Grünstreifen entlang von Spazierwegen mit sogenannten Freischneidern seien solche Haufen ein Problem. Nicht gerade selten hätten seine Mitarbeiter die Hinterlassenschaften der Hunde beim Mähen nämlich ins Gesicht geschleudert bekommen, weshalb sie alle inzwischen mit Schutzvisieren arbeiten. „Das hat sich schnell durchgesetzt.“

Wer ab und an spazieren geht, kennt sie, die bunten Tütchen, die an allen möglichen und unmöglichen Stellen liegen, baumeln, treiben. Und seit etliche Familien sich in der Corona-Zeit einen Hund angeschafft haben, hat sich die Problematik weiter verschärft: Hundekotbeutel werden wild entsorgt – in die Natur geworfen, bei überfüllten Mülleimern einfach obenauf gestapelt, sogar in Gärten oder auf Kirchvorplätzen - zuletzt wohl auch am Türgriff des Rohrbronner Kirchleins - wurden sie schon

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