Remshalden

Impfaktion mehrerer Firmen im "Lamm" in Hebsack: Wie es dazu kam

Impfen im Lamm
Bevor geimpft wird, werden die jeweiligen Mitarbeiter beraten. © Gabriel Habermann

Hier die Frühstücksflocken in großen, verschlossenen Gläsern, dort der Impfstoff von Biontech in kleinen Ampullen - das hat das „Lamm“ in Hebsack noch nicht erlebt.

Wo am Vormittag Hotelgäste das Frühstücksei gelöffelt haben, stehen einige Stunden später Gäste wegen eines „Stoffs“ an, der nicht mit dem Löffel, sondern mit der Spritze verabreicht wird: Mitarbeiter der in Hebsack ansässigen Firma Palmer Bleche und des Hotels und Gasthofs „Lamm“ erhalten den Impfstoff Biontech. „Es spricht mehr dafür als dagegen“, sagt Vertriebsmitarbeiter Michael Martin. Corona kam der Firma schlagartig sehr nah: „Wir hatten drei Infizierte in diesem Jahr, einer mit schwerem Verlauf, der Impfdruck ist gestiegen“, sagt Geschäftsführer Bernd Palmer. Wie und wo angesteckt, niemand wisse es. Was sicher sei: „Bis auf den ersten Mitarbeiter, dem es inzwischen wieder gut geht, konnten die zwei weiteren Kollegen dank der Tests, die wir seit Anfang März anbieten, herausgefischt werden.“

97 Prozent der Mitarbeiter nutzen das Impfangebot

Sein Betriebsarzt habe in Aussicht gestellt, über seine Gemeinschaftspraxis Arbeitsmedizin-Fellbach Impfstoff bestellen zu können. „Zuerst war ich skeptisch, ob sich eine Impfaktion für ein paar Hansel lohnt“, so Palmer. Er habe die Anzahl der Impfwilligen im eigenen Unternehmen aber unterschätzt. Die Quote sei „fantastisch“, 97 Prozent der Mitarbeiter nutzen das Impfangebot. Darunter eine Sekretärin, die sagt, sie möchte unbegrenzt wieder ausgehen können. „Wenn ich dafür die Impfung überall brauche, dann mache ich es.“

„Wir möchten beitragen, unsere Mitarbeiter und Gäste zu schützen“

Auch im „Lamm“ kommen einige Mitarbeiter zum Zuge. 35 aus ihrem Team hätten sich bei ihr gemeldet, so Inhaberin Sylvia Polinski. Einige seien schon einmal mit Astrazeneca geimpft und bekommen jetzt die Zweitimpfung mit Biontech. „Unsere Gäste müssen sich an die 3 Gs halten, wir müssen es nicht, das darf nicht sein“, meint die Gastwirtin. „Wir möchten beitragen, unsere Mitarbeiter und Gäste zu schützen.“ Bei ihnen im Frühstücksraum erhalten nun insgesamt 72 Personen den Wirkstoff des Herstellers Biontech/Pfizer. Nach dem Start am vergangenen Freitag mit 24 Geimpften folgen zwei weitere Termine.

Sämtliche Impfzentren abtelefoniert und auf Ende Juni vertröstet

„Alles okay, ich vertraue meinem Körper“, sagt derweil der Kollege Michael Martin nach der Impfung. „Ich war schon viel unterwegs in der Welt, wurde mehrmals geimpft und hatte nie Probleme“, winkt er ab und zeigt seinen mit etlichen Aufklebern bestückten gelben Impfausweis. „Wer hätte gedacht, dass der einmal so wichtig werden würde, fast so wichtig wie der Personalausweis.“ Nach ihm lässt sich seine Frau vom Notfallsanitäter Martin Großmann piksen. Da ein angemeldeter Kollege von Palmer kurzfristig abgesagt habe und keine weiteren Mitarbeiter auf der Warteliste standen, sei sie reingerutscht. Auch sie hat keinen Bammel: „Ich freue mich und bin erleichtert, weil ich in meinem Beruf mit vielen Menschen in Kontakt komme.“ Sie ist Restaurantkauffrau und tätig bei einem Feinkost-Handel. Auf eigene Faust habe es mit dem Impfen nicht geklappt. „Habe sämtliche Impfzentren abtelefoniert, wurde aber auf Ende Juni vertröstet.“

„Ich lasse mich impfen, um meine Großeltern wiederzusehen“

Als Nächstes geht die Auszubildende des „Lamms“ rein. Die angehende Hotelfachfrau hat den Frühstücksraum noch nie so gesehen: Sie tischt mit den Kollegen hier normalerweise ein reichhaltiges Frühstücksbuffet auf. Heute aber sieht alles sehr medizinisch aus: Auf einem Tisch liegen Spritzen, Nadeln, Laborflaschen aus Plastik mit Flüssigkeiten, Tupfer und Handschuhe. Auch sechs Auszubildende kommen zum Zuge, eine von ihnen ist eine 17-Jährige, die nicht möchte, dass ihr Name in der Zeitung steht. „Ich lasse mich impfen, um meine Großeltern wiederzusehen“, sagt sie. Eineinhalb Jahre hätten sie sich nicht sehen können - „nur im Video manchmal“. Ihre Sehnsucht sei groß, ihre Vorsicht ebenso. Beide Großeltern seien zwar geimpft, aber ihr ist wohler, wenn auch sie einen Schutz hat. „In zwei Wochen fahre ich mit dem Zug dann zu ihnen“, erzählt sie.

Sie hört aufmerksam zu, als ihr Betriebsarzt Codagnone den Ablauf erklärt, auf mögliche Nebenwirkungen eingeht und ihr nahelegt, sich am Tag nach der Impfung zu schonen. Sie nickt, schiebt ihren Impfpass über die Tischplatte. Ihr Vater ist dabei und unterschreibt die Einwilligungserklärung, weil sie minderjährig ist.

Der Arzt führt alle Aufnahmegespräche, prüft Impfpass und Personalien, geht den Aufklärungsbogen durch, lässt sich den Anamnesebogen unterschreiben und tippt viel in seinen PC. „Ich melde jede Impfung tagaktuell und anonymisiert dem Robert-Koch-Institut.“ Diese Meldung könne aktuell nicht jeder Betriebsarzt durchführen. „Viele haben noch keine Anbindung, sie warten noch auf eine Software und melden dann ihre Zahlen gesammelt nach.“

Hier die Frühstücksflocken in großen, verschlossenen Gläsern, dort der Impfstoff von Biontech in kleinen Ampullen - das hat das „Lamm“ in Hebsack noch nicht erlebt.

Wo am Vormittag Hotelgäste das Frühstücksei gelöffelt haben, stehen einige Stunden später Gäste wegen eines „Stoffs“ an, der nicht mit dem Löffel, sondern mit der Spritze verabreicht wird: Mitarbeiter der in Hebsack ansässigen Firma Palmer Bleche und des Hotels und Gasthofs „Lamm“ erhalten den Impfstoff Biontech. „Es

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