Remshalden

Integrationsmanager in Remshalden: Jedem einzelnen Geflüchteten helfen

Integrationsbeauftragte
Die beiden Integrationsbeauftragten der Gemeinde Remshalden: Mohammad Alhasan (l.) und Külliki Luna Nell (r.). © Ralph Steinemann Pressefoto

Alle Hände voll zu tun haben die Remshaldener Integrationsmanager inzwischen. Noch recht neu ist das Team am Start, aber die Ukraine-Krise hat kein langsames Einarbeiten zugelassen. Immerhin: Mehr als 80 ukrainische Familien sind derzeit in Remshalden untergekommen, elf von ihnen wohnen in Unterkünften der Gemeinde.

Dazu leben aber noch weitere rund 100 Geflüchtete in gemeindeeigenen Unterkünften. Sie und auch diejenigen, die längst in privaten Unterkünften angekommen sind, brauchen immer wieder die Unterstützung der hauptamtlichen Mitarbeiter.

Das sind derzeit die Integrationsbeauftragte Külliki Luna Nell, die mit 80 Prozent Stellenumfang angestellt ist. Dazu kommt Integrationsmanager Mohammad Alhasan mit 100 Prozent Arbeitskraft und Jutta Horbach, die an dreieinhalb Stunden pro Woche mitarbeitet. Gemeinsam ist das Team die zentrale Anlauf-, Beratungs- und Koordinierungsstelle für Geflüchtete in Remshalden.

„Alle sollen die Hilfe erhalten, die sie benötigen“

Ihr Ziel ist der Aufbau und die Weiterentwicklung des Integrationsnetzwerkes sowie die Fortführung des kommunalen Integrationsplans. Außerdem berichtet das Team der Kommune regelmäßig über seine Arbeit und die Hürden, mit denen die vor Ort untergekommenen Geflüchteten zu kämpfen haben. Zudem nehmen sie an regionalen und überregionalen Foren teil, regen neue Konzepte, Projekte und Maßnahmen an und begleiten sie.

Auf diese Weise sei auch der Anstoß gegeben worden, aus dem sich am Ende die Interimsschule für ukrainische Schülerinnen und Schüler und das Austausch-Café beim TV Hebsack entwickelt hatten. 

Individuelle Integrationspläne

Vor allem Alhasan ist für die Begleitung und die zeitintensive Unterstützung der Einzelfälle da. Gemeinsam mit seinen Klientinnen und Klienten analysiert er deren aktuelle Lage, benennt ihre Fähigkeiten und ihre Zukunftsziele. Auf dieser Grundlage erstellen sie gemeinsam Integrationspläne, die helfen sollen, diese Ziele zu erreichen.

Oft gehe es ganz grundsätzlich um Fragen des Aufenthaltsrechts, um die Möglichkeit Geld zu verdienen, wie Asylleistungen in Anspruch genommen werden können, wie überhaupt ein Bankkonto eröffnet werden kann oder wo eine private Wohnung gefunden werden kann.

Team inzwischen gut etabliert

Bürgermeister Reinhard Molt unterstrich im Rahmen der Sitzung, wie dankbar er über die gute Arbeit des inzwischen gut etablierten Teams sei. Gemeinderat Jürgen-Werner Wochinger (CDU) und Gemeinderätin Ursula Zeeb (ALi) wollten wissen, wo aktuell die Probleme in der Integrationsarbeit liegen würden.

Külliki Luna Nell bestätigte, dass es durchaus einige schwierigere Fälle gäbe. Grundsätzlich aber machten ihnen eher strukturelle beziehungsweise bürokratische Hürden die Arbeit schwer. Teils sei es Geflüchteten über Jahre hinweg unmöglich, den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu finden.

Vorbereitungsklasse an dere Grundschule

Immerhin: Für geflüchtete Kinder gibt es nun auch eine Vorbereitungsklasse an einer Grundschule in Remshalden. Angesichts der großen Anzahl von geflüchteten Familien, die sich derzeit in Remshalden aufhalten, konnte diese nun eröffnet werden. Hier können Kinder sämtlicher Klassenstufen die für die Schule notwendigen, sprachlichen Grundlagen erlernen.

Schülerinnen und Schüler, die schon weiter fortgeschritten sind, können in Schorndorf an einer Vorbereitungsklasse für höhere Altersstufen teilnehmen.

Später: Einzug in Regelklassen

Tatsächlich aber gebe es auch, so Bürgermeister Reinhard Molt auf Nachfrage von Gemeinderätin Sigrid Pressel (FW/FDP), vereinzelt Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine, die bereits in den Regelklassen mitlernten und teils in Mathematik oder Geografie geradezu unterfordert seien.

Möglich sei das vor allen Dingen mit jenen Schülerinnen und Schülern, deren Englischkenntnisse ausreichten, um am Fachunterricht teilzunehmen. Die meisten Kinder und Jugendlichen allerdings bräuchten tatsächlich zunächst Unterricht in der deutschen Sprache, um danach den Regelunterricht besuchen zu können. Daher stünde die Vorbereitungsklasse Schülerinnen und Schülern aller Klassenstufen offen.

Grenzwertig: „Flüchtlinge für umsonst schaffen zu lassen.“

Viele bevorzugten derzeit allerdings die Interimsschule in Hebsack, weil sie dort Online-Unterricht aus der Ukraine erhalten, den sie für die Abschlussprüfungen in diesem Monat noch brauchen, ergänzte hierzu Külliki Luna Nell.

Gemeinderätin Zeeb ergänzte in diesem Zusammenhang, dass sie es für ein großes Problem halte, dass Anna Husak, die selbst aus der Ukraine geflüchtet ist und nun die Hebsacker Interimsschule federführend leitet, keinerlei offizielle Bezahlung erhalte.

„Flüchtlinge für umsonst schaffen zu lassen, das halte ich für grenzwertig.“ Dies, zumal die Ukrainerin mit dem Unterricht für die geflüchteten Schülerinnen und Schüler eine Aufgabe übernehme, die eigentlich staatlich garantiert sei. Nur einen Zuschuss des Sportvereines und Spenden erhalte sie aktuell.

Dessen Möglichkeiten seien aber auch begrenzt. Bürgermeister Molt konnte hier anmerken, dass man verwaltungsintern bereits prüfe, wie hier weitere Unterstützung möglich werden könnte.

Gemeindeverwaltung will Angebote bündeln und koordinieren

Um der aktuellen kommunalen Herausforderungen der Ukraine-Krise Herr zu werden, treffe man sich auf Verwaltungsseite außerdem regelmäßig, um die Fragen der Unterbringung, Versorgung und Bildung zu klären. So sehr er das private Engagement auch schätze, so sehr halte er es für notwendig, dass es professionell begleitet werde, um Überlastungen zu vermeiden.

Und so bemühe man sich aktuell, wie Erster Beigeordneter Markus Motschenbacher erklärte, alle Akteure an einen Tisch zu bekommen, um die in Remshalden angelaufenen Hilfen zu bündeln und zu koordinieren. Gemeinsam wolle man auch herausfinden, welche Geflüchteten sich an welcher Stelle im Berufsleben einbringen könnten. „Dazu müssen wir abfragen, was der Einzelne an Fähigkeiten mitbringt und wo es entsprechende Tätigkeiten gibt.“ Schließlich wollten viele Geflüchtete arbeiten.

Alle Hände voll zu tun haben die Remshaldener Integrationsmanager inzwischen. Noch recht neu ist das Team am Start, aber die Ukraine-Krise hat kein langsames Einarbeiten zugelassen. Immerhin: Mehr als 80 ukrainische Familien sind derzeit in Remshalden untergekommen, elf von ihnen wohnen in Unterkünften der Gemeinde.

Dazu leben aber noch weitere rund 100 Geflüchtete in gemeindeeigenen Unterkünften. Sie und auch diejenigen, die längst in privaten Unterkünften angekommen sind, brauchen

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