Remshalden

Jugend und Familien, Verkehr und Gewerbe

Kandidatenvorstellung
Sie wollen überzeugt werden: Die Remshaldener lauschen der Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten. © Palmizi / ZVW

Remshalden. Es gab viele Themen am Dienstagabend, jeder Kandidat hatte seine eigenen, andere hatten alle oder mehrere auf der Liste oder sie wiederholten sich in den Bürgerfragen. Ein Überblick über einige der Schwerpunkte.

Auffallend war, wie sehr sich fast alle Bewerber des Themas Kinder, Jugend und Familie annahmen. Bei Reinhard Molt kreisten fast alle Punkte seines Wahlprogramms irgendwie um diesen Komplex. So will er zum Beispiel eine „geeignete Form der Jugendbeteiligung“ wie einen Jugendgemeinderat, Wohnraum für Familien oder auch Mehrgenerationenwohnen schaffen, er will Spiel- und Bolzplätze erhalten, die Hausaufgabenbetreuung ausbauen und die Ganztagesangebote an den Grundschulen fördern.

Auch Axel Fischer stellte die Jugendarbeit als zentralen Punkt auf seiner Agenda heraus.: „Ich finde, Remshalden fehlt seit langem, dass man die Jugendlichen mit attraktiven Angeboten unterstützt.“ Als Beispiele nannte er eine „Boulderhalle“ oder einen „gescheiten Skatepark“. Thomas Hornauer hat den Ausbau der Ganztagesbetreuung für Kinder auf dem Zettel, außerdem, wie auch fast alle anderen Kandidaten, das Stichwort „bezahlbaren Wohnraum“ für Familien. Und Klaus Schäufele denkt vor allem auch an die Jugend, wenn es um Mobilität geht. Nicht nur, aber auch für die jungen Leute müssten die Verbindungen der öffentlichen Verkehrsmittel zwischen den Ortsteilen besser werden, zum Beispiel nachts durch mehr Ruftaxis, so seine Überzeugung.

Mobilität, Verkehr und Lärm

Ein großer Themenblock, der sich durch den Abend zog und Gegenstand mehrerer Bürgerfragen: die Schlagworte Mobilität und Verkehr, letzterer auch in seinen negativen Ausprägungen.

Klaus Schäufele meinte zum innerörtlichen Nahverkehr: Bei diesem Thema werde er „ganz hohe Prioritäten setzen“. Für ihn sei die Gleichung „Je schlechter das Angebot, desto schlechter die Nachfrage.“ Er meint: „Es muss doch nicht wie vor 50 Jahren ein Bus, egal ob voll oder leer, hin- und herfahren – es gibt doch innovativere Lösungen.“

Reinhard Molt will ein „ganzheitliches Mobilitätskonzept“ erstellen. Wenn es um mehr Busfahrten gehe, dann müsse das die Kommune finanziell schultern. „Das muss geprüft werden. Das wird ein wichtiges Thema sein.“ Tesla-Fahrer Thomas Hornauer denkt vor allem in die Zukunft: „Für unsere Infrastruktur würde ich heute schon nichts mehr mit Benzin anschaffen, sondern alles auf Elektro umstellen.“ Er bringt zudem den Begriff „Smartcity“ ins Spiel und eine „Mitfahr-App“ im Sinne einer lokalen Mitfahrzentrale.

Thema Lärm und B 29

Den Verkehr auf der B 29 und den Lärm, der davon ausgeht, hatten mehrfache Nachfragen aus der Bürgerschaft zum Thema. Reinhard Molt verwies darauf, dass Versuche einer Temporeduzierung bereits gescheitert seien. Er rechne sich allerdings bei der grün-schwarzen Landesregierung Chancen aus, etwas in dieser Richtung zu bewegen. Thomas Hornauer sieht in zu starken Temporeduzierungen eher die Gefahr von noch mehr Staus. Klaus Schäufele stellt die „Überlastung der Verkehrssysteme in der Region“ als eine Tatsache fest, die durch das ungebremste Wirtschaftswachstum schwer in die andere Richtung zu steuern sei. Wichtig sei, an den „Rändern“, wozu er Remshalden zählt, das Nahverkehrsangebot zu stärken.

Axel Fischer hat zum Thema Lärmschutz eine ganz eigene Idee. Er habe schon früher gesagt: „Wir machen einen Erdwall, das ist die beste Masse, die den Lärm weghält.“ Diesen Vorschlag verband er mit einer anderen Idee, die er schon vor fünf Jahren im Wahlkampf eingebracht hatte: Wenn man an einer Stelle etwas wegbaggere, um den Erdwall aufzuschütten, und es regne, „dann haben wir schon einen See“. Eine Liegewiese mit Strandcafé, ein zentrales Naherholungsgebiet, würde Remshalden mehr aufwerten, als die Neue Mitte zuzubetonieren.

Neue Mitte

Thomas Hornauer will, „dass die Neue Mitte zügig vollendet und belebt wird“. Dazu müsse man Unternehmer finden, die dort ein Geschäft betreiben wollen. „Da werde ich für uns kreative Lösungen finden.“ Klaus Schäufele sieht das Thema differenziert: „Die historischen Ortskerne dürfen wir nicht vernachlässigen – unabhängig von einer sogenannten Neuen Mitte, von der noch keiner weiß, wann sie kommen wird und ob und wie sie überhaupt sinnvoll ist.“ Reinhard Molt sieht in der Neuen Mitte ein Projekt mit den „Elementen Wohnen, Verweilen, Aufenthalt und Versorgung“, will aber zugleich auch die historischen Ortskerne stärken und sanieren.

Finanzen und Gewerbe

Schon fast als Running Gag ging ein Fragesteller bei jedem Kandidaten auf Schulden und angespannte Haushaltslage ein. Wie wollen die Kandidaten das lösen? Klaus Schäufele durch Bestandsaufnahmen und „exakte Analysen“ sowie daraus „gut durchdachte Konzepte“. Reinhard Molt sieht unter anderem das Wachstum bei den Einwohnern als eine Möglichkeit, weil es mehr Schlüsselzuweisungen in Form von Finanzmitteln bringe. Und auch er redet von „konzeptionellen Leitideen“ und davon, Themen zu priorisieren. Thomas Hornauer sieht sich als Experten, um „Geldverschwendung“ aufzudecken und zu unterbinden. Er sieht außerdem in der Ansiedlung von Unternehmen eine Stütze für den Haushalt. Auch Axel Fischer denkt in diese Richtung, die Gemeinde müsse offener werden für Unternehmensansiedlungen, mit der Besonderheit: „Wir müssen Richtung E-Commerce gehen.“

Bürgerbeteiligung

In Sachen Bürgerbeteiligung will Reinhard Molt ein Format unter dem Titel „Verwaltung vor Ort“ einrichten und die Bürger auch davon abgesehen mehr mitbestimmen lassen, ihre Meinung bei wichtigen Themen in Bürgerversammlungen einholen und mit ihnen diskutieren. Klaus Schäufele nannte konkret als „Paradebeispiel“ für die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung die ab Juli bevorstehende Sperrung der Grunbacher Ortsdurchfahrt für sechs Monate. So etwas könne doch „durchaus im Vorfeld mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert werden. Dafür erhielt Schäufele Applaus.