Remshalden

Kandidat Klaus Schäufele im Gespräch

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Klaus Schäufele (56) will Bürgermeister werden: „Das A und O ist die Bürgernähe.“ © Petra Erhardt

Remshalden. Er kam kurz vor Bewerbungsschluss praktisch aus dem Nichts. Klaus Schäufele hatte niemand auf der Rechnung. Sein Entschluss zur Kandidatur war am Ende auch spontan, aber nicht überstürzt, sondern wohlüberlegt. Der Architekt wohnt seit fast 20 Jahren in Buoch, ist im Verein Windenergie Remshalden aktiv und will jetzt die Chance nutzen, sein Lebensumfeld maßgeblich mitzugestalten.

Im Video: Bürgermeisterkandidat Klaus Schäufele im Gespräch.

Mit seiner Kandidatur hat Klaus Schäufele alle überrascht. Diskutiert hat er den Schritt nur mit seiner Familie und sonst zu niemandem ein Wort gesagt über die Gedanken, die er mit sich herumtrug. Am Ende traf er die Entscheidung am letzten möglichen Tag vor Bewerbungsschluss. Mit 56 Jahren ist er damit ein Spätberufener, er ist kommunalpolitisch zuvor noch nie in Erscheinung getreten. „Eigentlich hatte ich es nie vor“, sagt er. Aber da seien immer wieder Situationen gewesen, in denen er sich über bestimmte Dinge geärgert habe. Zum Beispiel, als mal wieder die Busverbindung von Buoch ins Tal schlechter wurde, weil einzelne Fahrten gestrichen wurden.

Die Anbindung des Ortsteils auf der Höhe, und generell Konzepte zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs, sind Themen, mit denen Schäufele in den Wahlkampf geht. Er selbst ist mit seiner Familie 1999 aus Stuttgart nach Buoch gezogen. „Damals waren hier die Grundstückspreise noch bezahlbar gegenüber Stuttgart“, sagt er. Und: Gerade mit kleinen Kindern lebe es sich in Buoch sehr gut. Heute sind die Kinder erwachsen oder fast erwachsen. Die beiden Töchter, 22 und 20 Jahre alt, studieren in Berlin und Amsterdam, der 17-jährige Sohn besucht die Schule in Winnenden.

Leere Busse und andere schlechte Zeichen

Mit zunehmendem Alter sei es den Kindern auf dem Dorf in Buoch zu eng geworden, berichtet Klaus Schäufele. In gewisser Weise sei das wohl normal, sagt er, findet aber dennoch: „Das ist ein schlechtes Zeichen für eine Gemeinde, wenn die Jugend sagt: Besser man geht hier weg.“ Ob das im Tal in Grunbach oder Geradstetten anders sei, wisse er nicht, aber von seinen Kindern habe er das so mitbekommen: dass das Zugehörigkeitsgefühl fehlt.

Die Buslinien seien inzwischen so ausgedünnt, dass die Verbindung nach Winnenden besser sei als nach Grunbach. Klar sei es ein Problem, wenn der Bus meist leer fahre. „Aber es ist falsch, dann das Angebot ganz wegzunehmen“, so Schäufele. „Da muss man über alternative Konzepte nachdenken.“ Er denkt an Modelle wie den Rufbus, der in Schorndorf an den Wochenenden gerade getestet wird, oder an eine E-Bike-Station mit Leihrädern.

Seine Fortbewegungsmittel der Wahl sind Fahrrad und Bahn

Selbst ist Klaus Schäufele kaum mit dem Auto unterwegs, sondern pendelt mit dem Fahrrad oder der S-Bahn nach Bad Cannstatt zur Arbeit bei einem Tochterunternehmen des Baukonzerns Strabag. Bei seiner Arbeit, erklärt er, gehe es um Gebäude-Bewirtschaftung, zum Beispiel Konzepte und Strategien für die Immobilien von Unternehmen zu entwickeln. „Es geht um eine vernünftige Bestandsaufnahme und ein entsprechendes Konzept“, sagt er. Wo lohnt es sich noch, Geld reinzustecken, miete ich noch etwas Neues an? Auch für Kommunen sei er dabei schon tätig gewesen, denn auch für diese sei es wichtig, den Bestand ihrer Immobilien gut zu verwalten und zu nutzen. Es mache keinen Sinn, an einer Ecke etwas zu machen, weil man dafür irgendeine Nutzung habe, sagt er. „Ich bin der Meinung, dass man ein Gesamtkonzept braucht.“ Kurzfristig gedachte Aktionen könnten am Ende teuer werden.

Ein umfassendes Konzept muss in Klaus Schäufeles Augen auch her, wenn es um die Entwicklung der Teilorte geht: „Anstatt sich über eine Neue Mitte zu unterhalten, die gar keine Mitte werden kann, ohne das andere abzuwerten.“ Viel eher müsse man das Problem anpacken, dass Geradstetten und Grunbach sich zu „Straßendurchgangsdörfern“ entwickeln würden.

Klimaschutz und Energie: "Da gibt es noch ein großes Potenzial"

Mehr tun sollte die Gemeinde auch im Hinblick auf die Thema Klimaschutz und Energie, ist er überzeugt. Als Mitglied des Vereins Windenergie Remshalden (WER) sei ihm das wichtig. „Wenn man dem Klimaproblem der Welt Herr werden will, dann muss man im Kleinen anfangen“, sagt er. Remshalden sei da noch nicht so gut aufgestellt, obwohl mit dem Remstalwerk ein Anfang gemacht worden sei. „Da gibt es noch ein großes Potenzial.“

„Ich bin kein Verwaltungsprofi“, stellt Schäufele fest. Aber eine Gemeindeverwaltung sieht er in vieler Hinsicht als „ganz normalen Wirtschaftsbetrieb“ – mit Besonderheiten: „Das A und O ist in meinen Augen die Bürgernähe.“ Bürgerbeteiligung gebe es in Remshalden bisher viel zu wenig. Und wenn, dann nicht sinnvoll umgesetzt. Zum Beispiel habe man die Bürger befragt, ob sie Tempo 30 auf der Grunbacher Ortsdurchfahrt wollen. Die Mehrheit votierte mit Nein. Niemand habe jedoch vorher das Für und Wider mit den Bürgern diskutiert. So bringe eine Beteiligung nichts: Wenn man den Bürgern eine Frage hinwerfe, und sie sollen einfach Ja oder Nein sagen.

Bürgermeister ist ein 24-Stunden-Job

Mit seiner Kandidatur geht es Klaus Schäufele darum, sein direktes Umfeld mitzugestalten. Deswegen würde er sich auch nicht woanders als Bürgermeister bewerben, sagt er. Lange seien bei ihm Familie, Haus und Beruf ganz vorne gestanden, ein Engagement im Gemeinderat als zeitaufwendiges Ehrenamt sei deswegen nicht infrage gekommen für ihn. „Aber immer mit der Unzufriedenheit: Eigentlich müsste man sich doch mal engagieren. Das mache ich jetzt.“ Er habe lange gezögert, die Chance nach dem Weggang von Amtsinhaber Stefan Breiter zu ergreifen, weil er wisse: Bürgermeister, das ist ein Job, der einen 24 Stunden an sieben Tagen die Woche fordere. „Da muss man sich überlegen: Will man das oder nicht?“ Diesen Entschluss habe er nun für sich getroffen: Er will.


Zur Person

Klaus Schäufele ist 1961 in Nellingen auf den Fildern geboren. Er hat in Stuttgart Schlosser gelernt und in diesem Beruf einige Jahre gearbeitet. Danach studierte er in Stuttgart Architektur.

Mit seiner Frau Ursula Mosesku hat er zwei Töchter (22 und 20 Jahre) und einen Sohn (17). Seit 1999 lebt die Familie in Buoch, wo sie ein altes Bauernhaus kauften und weitgehend in Eigenarbeit umbauten. Ursula Mosesku ist studierte Modedesignerin und arbeitet als Kunstlehrerin an der Musik- und Kunstschule Winnenden.

Kontakt zu Klaus Schäufele kann man ab Mitte der kommenden Woche aufnehmen unter 07151/2704853, per E-Mail an kontakt@klauschäufele.de oder unter www.klausschäufele.de. Er kündigt an, er wolle sich „möglichst viel in der Öffentlichkeit zeigen“, hat aber derzeit keine eigenen festen Wahlkampftermine. Dafür sei die Entscheidung für die Kandidatur dann doch zu spontan gefallen.

Die Wahl

In Remshalden wird am Sonntag, 6. Mai, gewählt. Es gibt außer Klaus Schäufele vier weitere Bewerber: Thomas Hornauer.

Amtsinhaber Stefan Breiter hat sich wegbeworben. Er ist seit 1. April Finanzbürgermeister in Freiburg.

Am Dienstag, 17. April, findet um 19 Uhr die Bewerbervorstellung der Gemeinde in der Jahnhalle in Grunbach statt. Am Montag, 23. April, um 19 Uhr stehen die Kandidaten bei der Podiumsdiskussion des Zeitungsverlags Waiblingen Rede und Antwort.