Remshalden

Kinderbetreuung: Die schwierige Platzsuche einer Mutter aus Remshalden

Kita Stöhrerweg
Einen Betreuungsplatz für Kinder zu finden, ist oft nicht einfach. © ALEXANDRA PALMIZI

Seit etwa einem Dreivierteljahr beschäftigt sich Agnes Klingler nun damit, wie sie die Betreuung für ihr Kind organisieren kann, wenn sie ab nächster Woche wieder arbeiten geht. Einen Platz im Kindergarten bekam die Mutter aus Remshalden nicht, es herrscht Platzmangel. Weil sie schon wusste, dass es mit Plätzen für unter drei Jahre alte Kinder schwierig werden könnte, sah sie sich frühzeitig nach einer Tagesmutter um und wurde auch fündig. Die Übernahme der Kosten durch das Jugendamt gestaltete sich aber kompliziert. Sie ist enttäuscht von der mangelnden Unterstützung von Eltern, die arbeiten wollen, und hat darüber mit uns gesprochen.

Der Remshaldenerin geht es nicht darum, Stimmung gegen bestimmte Personen oder Ämter zu machen. Sie möchte stattdessen einen Scheinwerfer darauf richten, wie schwierig das aktuelle System es jungen Eltern - und oft besonders Müttern - macht, wieder ins Berufsleben einzusteigen. „Wenn man zu Hause bleibt, ist man der Depp“, findet sie. Es sei ein Grundsatzproblem: Wer längere Zeit nicht arbeitet, bekommt später weniger Rente, verdient in dieser Zeit nichts und kann natürlich auch keine Karrieresprünge machen. Entscheide man sich aber dafür, zu arbeiten, dann würden einem bei der Organisation der Kinderbetreuung Steine in den Weg gelegt.

Kein Kitaplatz und Betreuungsstunden, die nicht bezuschusst werden

„Erst einmal gab es keinen Kitaplatz“, sagt Agnes Klingler. Sie verstehe natürlich, dass es zurzeit einen Fachkräftemangel gebe, ist allerdings auch der Meinung, dass in diesem Bereich mehr Geld für gute Arbeit investiert werden müsste, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. „Dann haben wir aber eine Tagesmutter gefunden“, so die Mutter weiter. Eine, die zum Kind passt und die an vier Tagen die Woche eine Betreuung anbot, insgesamt 28 Stunden.

Das würde für Agnes Klingler, die plant, erst einmal mit etwa 30 Prozent wieder in ihren Beruf einzusteigen, gut passen. Außerdem meint sie: „In der derzeitigen Situation ist es klar, dass so ein Platz schnell weg ist, wenn man ihn nicht so annimmt wie angeboten.“ Schließlich seien auch Tagesmütter nicht einfach zu finden, viele hätten sich in der Pandemie umorientiert. Zu ihrem Unverständnis musste sie aber feststellen: So viel Betreuungszeit wird nicht öffentlich bezuschusst. Für die Zeit, die über die 20 Stunden hinausgeht, die auch Eltern, die nicht arbeiten gehen, zustehen, muss die Familie selber aufkommen, wenn sie das Angebot annehmen will.

Landratsamt erklärt rechtliche Lage

Die Pressestelle des Landratsamts erklärt den Hintergrund zur rechtlichen Situation der Mutter: Für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres besteht ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz.

Der zeitliche Umfang des Rechtsanspruchs für die Betreuung der Kinder liegt allerdings bei maximal vier Stunden täglich an fünf Tagen. Darüber hinaus wird die Kindertagespflege öffentlich bezuschusst, wenn die Eltern einen individuellen Bedarf geltend machen können, der zum Beispiel durch Berufstätigkeit erfüllt wird. Der Bedarf bemisst sich dann durch die Arbeitszeit plus Fahrzeit, bei einem Fall wie bei Agnes Klingler liege dieser also rechtlich unter den 20 Stunden pro Woche, da sie mit 30 Prozent wieder in den Beruf einsteigen wird.

„Bei Berufstätigkeit kann das Kind für den vollen zeitlichen Umfang der Berufstätigkeit betreut werden. Unabhängig davon, ob der zeitliche Umfang täglich vier Stunden überschreitet“, sagt das Landratsamt weiter. „Liegt der zeitliche Umfang der Berufstätigkeit unter 20 Stunden pro Woche, kann im Rahmen des Rechtsanspruchs des Kindes auf Wunsch der Eltern auf 20 Stunden aufgestockt werden, das Kind an diesen Tagen jedoch nicht länger als vier Stunden betreut werden.“

Landkreis zahlt mehr als empfohlen

Dem Amt ist es zudem wichtig, zu betonen: Die auf selbstständiger Basis arbeitenden Tagespflegepersonen haben einen Anspruch auf die Übernahme der Hälfte der Beträge für die Kranken- und Pflegeversicherung und Rentenversicherung sowie auf die volle Übernahme der Beiträge für die Unfallversicherung.

Im Rems-Murr-Kreis gebe es sogar eine Sonderregelung, die in Baden-Württemberg einzigartig sei: Wird das Kind nicht betreut, zum Beispiel wegen Krankheit oder einem Urlaub der Tagespflegeperson oder des Kindes, wird das Pflegegeld in voller Höhe weiterbezahlt, sofern die Grenze von zwölf Wochen pro Jahr nicht überschritten wird.

Diese Regelung gehe weit über die Empfehlung des Landes von vier Wochen hinaus und zeige die große Wertschätzung des Landkreises gegenüber den Tagespflegepersonen. Auch bei Kindern über drei Jahren bezahle der Kreis mehr Geld an die Tageseltern, als er eigentlich müsste.

Warum stehen Eltern, die zu Hause bleiben, nicht auch mehr Stunden zu?

„Rechtlich ist das alles richtig“, sagt Agnes Klingler. Bei der Berechnung der ihrem Kind zustehenden öffentlich bezuschussten Betreuungszeit habe niemand einen Fehler gemacht. „Es ist einfach unzufriedenstellend“, sagt sie aber trotzdem zum derzeitigen System. „Ich finde, dass der Beruf der Hausfrau und Mutter mehr Anerkennung verdient. Gleichzeitig sollten einem, wenn man arbeiten gehen möchte, aber nicht so viele Steine in den Weg gelegt werden.“

Ihr erschließt sich nicht, warum arbeitenden Eltern grundsätzlich erst einmal weniger Stunden zustehen als Eltern, die zu Hause bleiben, auch wenn diese noch auf dieselbe Anzahl aufgestockt werden könnten. Zusätzlich hinterfragt sie, warum Eltern, die nicht arbeiten gehen, nicht ebenso mehr Stunden zustehen.

Belastung auch für Mütter zu Hause hoch

„Dies wird rechtlich mit dem Kindeswohl begründet, ist für mich dennoch schwierig nachvollziehbar, da die Belastung auch zu Hause für Mütter immens hoch ist“, sagt sie dazu. Sie sei dankbar dafür, überhaupt Unterstützung zu erhalten, wünscht sich aber, dass der Wiedereinstieg in den Beruf leichter wäre – und dass die Kommunen die Personalplanung vorausschauender angehen, damit die Suche nach einer Kinderbetreuung für Eltern nicht so viel Zeit in Anspruch nehme.

„Ich bin ja nicht die Einzige, der es so geht“, sagt sie. Sie sei sich sicher, dass es in ihrem Umfeld immer noch Mütter gebe, die keine Betreuung organisieren konnten und nun überlegen, ob sie überhaupt wieder arbeiten gehen können.

Seit etwa einem Dreivierteljahr beschäftigt sich Agnes Klingler nun damit, wie sie die Betreuung für ihr Kind organisieren kann, wenn sie ab nächster Woche wieder arbeiten geht. Einen Platz im Kindergarten bekam die Mutter aus Remshalden nicht, es herrscht Platzmangel. Weil sie schon wusste, dass es mit Plätzen für unter drei Jahre alte Kinder schwierig werden könnte, sah sie sich frühzeitig nach einer Tagesmutter um und wurde auch fündig. Die Übernahme der Kosten durch das Jugendamt

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