Remshalden

Kommentar: Ein Wahlsieg der Vernunft

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© ZVW/Sarah Utz

Ein deutlicher Sieg für Reinhard Molt – dieses Wahlergebnis kommt wenig überraschend. Der 53-Jährige hatte in diesem Wahlkampf ganz einfach keinen richtigen Gegner – leider, muss man sagen, denn Molt wurde so nicht wirklich herausgefordert und konnte mehr oder weniger ein Standardprogramm abspulen, ohne beißen zu müssen.

Reinhard Molt war von Anfang an Top-Favorit. Er war den Remshaldenern von zwölf Jahren als Technischer Beigeordneter in der Gemeinde bestens bekannt und hat offenbar keinen allzu schlechten Eindruck hinterlassen. Er war der einzige Kandidat, der Erfahrung in einer Kommunalverwaltung vorweisen konnte. Und er war unheimlich fleißig in Remshalden unterwegs, um für sich zu werben.

Das war es, was dem einzigen ernsthaften Mitbewerber fehlte, um Molt wirklich noch gefährlich werden zu können. Klaus Schäufele entschied sich zu spät zu seiner Kandidatur und verpasste damit den rechtzeitigen Einstieg in den Wahlkampf. Er musste von null anfangen, weil ihn keiner kannte, der Vorsprung von Reinhard Molt in dieser Hinsicht war uneinholbar. Dass Schäufele dennoch fast 20 Prozent holte, ist beachtlich. Es ist ein Indiz dafür, dass bei vielen Wählern der Wunsch groß war, dass eben nicht der Kandidat aus dem sogenannten Establishment, aus den bekannten Verwaltungskreisen, Bürgermeister wird, sondern jemand, der von außen kommt und vielleicht alternative Ansätze hat. Dass er diese wirklich bietet und auch das Zeug hat, sie wirklich umzusetzen, dafür hätte Klaus Schäufele allerdings den Beweis erst noch antreten müssen. Insofern hat sich die Mehrheit der Wähler doch für die sichere Variante entschieden.

Überhaupt kann man sagen: Dieses Ergebnis ist ein erfreulicher Sieg der Vernunft. Über Dauerkandidatin Fridi Miller muss man nicht reden. Aber Thomas Hornauer, der Exzentriker aus Plüderhausen, erhielt nur neun Stimmen mehr als sie, nämlich 42, also nicht einmal ein Prozent.

Und Axel Fischer? Nachdem er vor fünf Jahren gegen Stefan Breiter etwas mehr als 17 Prozent holte, kommt er jetzt noch auf 6,24 Prozent, das sind 341 Stimmen. Die Wellen, die das Thema „Reichsbürger“ geschlagen hat, seine Äußerungen, die BRD sei kein souveräner Staat, sondern „ferngesteuert aus Zion“ und das Finanzamt keine offizielle Behörde, seine gockelhaften Auftritte – das hat nicht alle davon abgehalten, ihn zu unterstützen. Der 45-Jährige ist ein Remshaldener, viele kennen ihn und es gibt trotz allem nicht wenige, die seine unkonventionelle Art schätzen, die im totalen Kontrast zu einem wie Reinhard Molt steht.

Eine Beobachtung haben am Ende des Wahlabends jedoch viele gemacht: dass keiner von den Verlieren sich im Rathaus zeigte, um dem Sieger zu gratulieren oder sich noch mal den Wählern zu zeigen, das zeugt nicht gerade von einem Gefühl für Anstand und ist ein Hinweis darauf, dass die anderen Kandidaten ungeeignet für das Amt waren.