Remshalden

Lehrer-iPads in Remshalden: Sind die Folgekosten zu hoch?

Schultechnik
Rund 50 neue Tablets für Remshaldener Schulen dank Fördergeldern des Landes - wer zahlt die Wartung? © Benjamin Büttner

So langsam wird’s allen glasklar. Auch das Schuljahr 2021/22 wird wohl noch von Corona überschattet sein. Stationäre Luftfilteranlagen können nicht mehr rechtzeitig beschafft werden, der Impfschutz-Wall rund um die Kinder ist nicht hoch genug und die Delta-Variante greift um sich. Weitere Schulschließungen im Herbst gelten inzwischen als wahrscheinlich, wenn nicht doch noch ein pandemisches Wunder geschieht. Der Bedarf an digitalen Geräten zur Sicherstellung des Fernunterrichtes wird wohl weiter groß sein.

Auch um dem gerecht zu werden, hat der Remshaldener Gemeinderat zuletzt beschlossen, die Fördergelder des Landes abzurufen, um für Lehrkräfte der Realschule 29 weitere Tablets, in diesem Fall iPads, inklusive Zubehör anzuschaffen. Insgesamt rund 31 400 Euro gibt’s dafür aus den Landes-Förderprogrammen „Leihgeräte für Lehrkräfte“ und „Unterstützung der Schulen“. Der Gemeinde entstehen keine Investitionskosten für die Geräte, allerdings muss für die zusätzlichen Geräte der System-Support und eine regelmäßige Gebühr für die Benutzeraccounts gezahlt werden. Die Kosten dafür werden auf sieben Euro pro Lehrkraft, pro Monat geschätzt. Die übernimmt das Land nicht.

Wer bestellt, soll auch warten?

Zusätzlich informierte Bürgermeister Reinhard Molt in diesem Zusammenhang, dass zusätzliche 11 467 Euro Fördergelder für Tablets an der Grundschule Geradstetten ausgegeben wurden. Weitere zwölf Geräte wurden für die Grundschule Grunbach angeschafft. Insgesamt flossen dafür rund 24 000 Euro. Beide Investitionen wurden mittels einer Eilentscheidung Molts umgesetzt, sonst wären die Fristen zur Abrufung der entsprechenden Fördermittel verstrichen. Es entstehen ähnliche Support-Folgekosten wie bei den Lehrertablets.

Jürgen Werner Wochinger (CDU) sah die Sache kritisch: „Mich wundert es, dass die Gemeinde für die Lehrer-Tablets zuständig ist.“ Zwar sei man als Kommune Schulträger, die Lehrer aber seien ja Beschäftigte des Landes. Bürgermeister Reinhard Molt warb für einen anderen Blickwinkel: Man statte mit dem geförderten Investment ja auch die Schulen aus und ermögliche diesen so eine leichtere Umsetzung des Distanzunterrichts sowie eine einfachere Unterrichtsvorbereitung. Die Betreuung von Hard- und Software muss noch endgültig geklärt werden, sei aber wohl bis dahin Aufgabe der IT-Abteilung der Gemeinde.

Lehrer kümmert sich mit knappem Stundenkontingent um Tablets

Was die Schüler-Tablets betrifft, gibt es an jeder Schule bislang einen Lehrer, der vom Land ein gewisses Stundenkontingent zugewiesen bekommen hat, in dem er sich um die Geräte kümmern kann. Hauptamtsleiterin Christine Kullen erklärte auf telefonische Nachfrage allerdings, dass diese Kontingente bei weitem nicht ausreichten, die Lehrer auch deshalb immer in engem Kontakt mit dem IT-Beauftragten der Gemeinde im Austausch arbeiteten. Ein weiterer, hoher Arbeitsaufwand ergebe sich zuletzt durch die häufig kurzfristigen Ausschreibungen der Digital-Förderprogramme des Landes. In kurzer Zeit müssen die Kommunen die Ausschreibungen und Vergaben abwickeln, damit die Geräte schnell geliefert werden und die Rechnungen einsehbar sind.

Im Fall der Grundschul-Tablets müssen sie bis zum 31. Juli vorliegen, damit die Landes-Fördergelder überhaupt fließen. Das sei ein hoher zeitlicher Druck, der dadurch erhöht werde, dass die Lieferzeiten für Tablets angesichts des hohen Bedarfs in der Pandemie-Zeit teils recht lang sind. Und sind die Tablets erst vor Ort, müssten sie eingerichtet werden, mit den entsprechenden Empfängern müssten Nutzungsvereinbarungen getroffen werden, die Programme gewartet werden.

Mehrbelastung für ITler der Gemeinde

Noch-Gemeinderat Wolfgang Läpple (CDU) machte in der Gemeinderatssitzung zusätzlich darauf aufmerksam, dass die Aufgabe, die Tablets zu betreuen, für den IT-Verantwortlichen der Gemeinde eine enorme Mehrbelastung werden könne. Der entsprechende Kollege wisse angesichts der vielen Förderprogramme ja kaum noch, wo er anfangen und aufhören sollte, was die Wartung der unterschiedlichsten Geräte betreffe. Bürgermeister Reinhard Molt gab aber zu bedenken, dass es sich dennoch lohne, die Tablets mit dem Geld aus den Förderprogrammen anzuschaffen, es handle sich um einmalige Chancen. Nehme man diese jetzt nicht wahr, seien die Gelder weg. Aber natürlich müsse sich das Land auch Gedanken über die Folgekosten machen, auch das sei klar.

Auch Gemeinderätin Ursula Zeeb (ALi) begrüßte die Förderung des Landes, mochte aber auch noch einmal darauf hinweisen, dass man für die Digitalisierung der Schulen eben nicht nur Geräte, sondern auch Personal brauche. Und das findet sie „hat nicht die Kommune zu stellen, sondern das Land.“

Unterschiedliche Tablets erhöhen Pflegeaufwand

Weitere Kritik gab’s im Rahmen der Diskussion aber auch dahingehend, dass nicht für alle Remshaldener Schulen die gleichen Tablets angeschafft wurden. Mal sind’s iPads, mal Android-Geräte. Dass die Schulen mit mehr Tablets ausgestattet werden müssten, sei vollständig klar, befand dazu Gemeinderat Dr. Uli Hasert. Die Anschaffung von Geräten unterschiedlicher Hersteller mit verschiedenen Programmen aber hält er für ungut. „Der Pflegeaufwand wird so erheblich größer“, kritisierte er.

Hauptamtsleiterin Kullen erklärte hierzu, dass die Entscheidungen für die verschiedenen Tablets im Gespräch mit den Lehrkräften vor Ort gefallen seien. In den unterschiedlichen Schulen hätte sich eben bereits die Arbeit mit den entsprechenden Geräten etabliert, hier umzustellen sei schwierig. Weshalb auch Bürgermeister Molt erklärte, dass er das Land durchaus in der Pflicht sehe, zeitnah Stellen zu fördern, um die zusätzlich anfallenden Wartungsarbeiten zu übernehmen. Solche IT-Stellen müsse es genauso geben wie jene von Lehrern und Polizisten.

So langsam wird’s allen glasklar. Auch das Schuljahr 2021/22 wird wohl noch von Corona überschattet sein. Stationäre Luftfilteranlagen können nicht mehr rechtzeitig beschafft werden, der Impfschutz-Wall rund um die Kinder ist nicht hoch genug und die Delta-Variante greift um sich. Weitere Schulschließungen im Herbst gelten inzwischen als wahrscheinlich, wenn nicht doch noch ein pandemisches Wunder geschieht. Der Bedarf an digitalen Geräten zur Sicherstellung des Fernunterrichtes wird wohl

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