Remshalden

Lockdown in Kitas und Schulen: Nur wenige Eltern glauben, dass ab 10. Januar wieder geöffnet ist

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In manchen Kindergärten ist derzeit nich viel los in der Notbetreuung. © Benjamin Büttner

Den Übergang in den Lockdown hat Alexandra Nick als sehr turbulent erlebt. Denn an der Plüderhäuser Hohbergschule wurde am Montag eine Erzieherin in der Ganztagesbetreuung als Kontaktperson 1 identifiziert. Weil dort Kinder aus allen Stufen betreut werden, mussten viele Schüler in vorsorgliche Quarantäne. Auch das Kind von Alexandra Nick. Bis alle Eltern darüber informiert waren, verging jedoch einige Zeit. Erst gegen Abend war dann klar: Die Ferien beginnen für die Betroffenen bereits am Dienstag.

Vorsorgliche Quarantäne noch vor dem Lockdown

Im Waldkindergarten, wo die Plüderhäuserin im Elternbeirat ist, war am Dienstag noch Normalbetrieb. Dort durfte ihr jüngeres Kind am Dienstag noch ein letztes Mal hin, bevor der harte Lockdown begann. Alle Eltern wurden hierüber per E-Mail informiert und haben Unterlagen für die Anmeldung zur Notbetreuung erhalten. Nick glaubt allerdings nicht, dass diese noch viele in Anspruch nehmen werden – „um die Kontakte zu reduzieren, und weil viele schon Urlaub haben“. Wer einen Platz benötigt, kann diesen bei der Gemeinde beantragen. Anders als im ersten Lockdown muss der Beruf nicht systemrelevant sein, es genügt ein schriftlicher Nachweis des Arbeitgebers, dass dort beide Elternteile unabkömmlich sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Tätigkeit auch im Home-Office ausgeübt werden kann. So wird es auch in den meisten anderen Kommunen gehandhabt, die über die Ausgestaltung dieser Regelung selbst entscheiden dürfen.

Home Office: Nur Krücke und Notlösung

Dass ab dem 10. Januar die Kindergärten und Schulen wieder normal geöffnet sind, daran glaubt sie indes nicht. „Die wenigsten gehen davon aus, dass wir dann ganz normal weitermachen.“ Eine schwierige Situation für alle, die kein Home-Office machen können. Und selbst für die, denen diese Möglichkeit offensteht, wird es schwierig. „Da kann man nicht effektiv arbeiten“, so ihre Erfahrung aus dem ersten Lockdown. „Das ist nur eine Krücke und eine Notlösung, nichts, was auf Monate so weiterlaufen kann. Das ist für alle frustrierend.“ Mit ihrem Mann wird sie sich den Tag aufteilen: Sie geht vormittags ins Büro und ihr Mann arbeitet nachmittags im Keller. Und zwischendrin werden sie das große Kind unterrichten. „Beim digitalen Unterricht sind wir maßlos hinterher“, kritisiert sie. Was aus ihrer Sicht auch optimiert werden müsste, ist die Kommunikation zwischen den Einrichtungen. „Wichtig ist, dass man klar und schnell kommuniziert.“ Denn die Nerven bei vielen Eltern liegen ohnehin blank. „Das ist ein Pulverfass.“

Herausforderung Home-Schooling und das Auf und Ab als Belastung

„Die Stimmung ist bei vielen Eltern getrübt“, sagt auch Nicole Krötz aus dem Rudersberger Ortsteil Asperglen. Sie ist Elternbeirat im örtlichen Kindergarten und kann den Frust gut verstehen. Weil sie ohnehin von zu Hause arbeitet, ist die Situation für sie zwar eine Herausforderung, aber machbar. Hart sei dieser zweite Lockdown besonders für alle, die nicht ins Home-Office gehen können, findet sie. Ihr großes Kind besucht seit diesem Jahr die Schule. Wie das Home-Schooling klappen wird, da ist Krötz schon gespannt, denn auch sie glaubt nicht, dass am 10. Januar die Schulen und Kindergärten wieder öffnen. „Das wird verlängert bis in den März“, glaubt sie.

Notbetreuung: Rudersberg verzichtet auf Arbeitgeber-Nachweis

Was sie persönlich als belastend empfindet, ist das große Auf und Ab. Sie findet: „Es wäre sinnvoller gewesen, den zweiten Lockdown schon früher zu verhängen.“ Dann wäre an Weihnachten mehr möglich gewesen und den Geschäften jetzt nicht das Vorweihnachtsgeschäft verhagelt worden. Insgesamt empfindet sie diese Zeit als „schon sehr einschneidend, da werden wir noch lange darüber reden.“ Trotzdem bleibt die Asperglenerin optimistisch – und ist voll des Lobes über die Arbeit des Kindergartens in diesem schwierigen Jahr. „Das hat super geklappt mit den Erzieherinnen, wir wollen uns dafür im Namen der Kinder und Eltern bedanken.“ Ab heute wird auch dort auf Notbetreuung umgestellt. Drei Familien haben Bedarf angemeldet. Anders als in den meisten anderen Kommunen ist dafür kein Nachweis des Arbeitgebers notwendig. „Wir wollen das möglichst unbürokratisch regeln und vertrauen auf die Einzelnen, dass nur die das nutzen, die es brauchen“, sagt Hauptamtsleiter Achim Laidig.

In Urbach haben (Stand Dienstagmittag) laut Bürgermeisterin Martina Fehrlen 20 Familien ihr Kind für die Notbetreuung im Kindergarten angemeldet. „Wir weisen darauf hin, dass es schon sinnvoll wäre, die Kinder zu Hause zu betreuen, da der Sinn und Zweck der Schließung ja nicht war, dass danach alle in die Notbetreuung kommen“, sagt Martina Fehrlen.

Erfreulich: Notbetreuung auch bei Home-Office möglich

„Die aktuelle Stimmung bei den Eltern ist relativ gefasst“, sagt Tamara Kar, Gesamtelternbeiratsvorsitzende der kommunalen Kindergärten in Urbach und Elternbeirätin in der Wittumschule. „Es war eine bundesweite Entscheidung, mit der viele gerechnet haben und die bei den meisten auf Verständnis stößt.“ Sie sei seit Sonntagabend mit vielen Eltern im Gespräch. „Da wurde innerhalb der Familien besprochen, wer wann zu Hause bleiben und die Kinder betreuen kann“, so Kar.

Erfreulich findet sie, dass nun auch Eltern im Home-Office einen Anspruch auf die Notbetreuung haben. „Das ist familienfreundlicher gestaltet als im Frühjahr“, sagt die Mutter. Mit ihrem dreijährigen Sohn sei die Arbeit im Home-Office auch nicht möglich gewesen. „Und so ging es vielen Elternteilen“, weiß Tamara Kar. Trotzdem orientierten sich viele Eltern an dem Appell, die Notbetreuung wirklich nur, wenn es dringend notwendig ist, in Anspruch zu nehmen.

Wünschenswert: Ein Plan für die Zeit nach dem 10. Januar

„Es besteht definitiv rundweg die Angst von Elternteilen, dass ab dem 11. Januar nicht normal aufgemacht wird“, hat Tamara Kar trotz der momentan gefassten Stimmung den Eindruck. Die Eltern fragten sich, wie es mit der Betreuung im neuen Jahr weitergehe. „Sie sind fast reihum realistisch und gehen davon aus, dass wir ab dem 11. Januar nicht zum normalen Betrieb übergehen“, berichtet Tamara Kar. „Es wäre wünschenswert, wenn es dafür schon jetzt einen Plan gäbe.“

Stimmung nicht ganz so dramatisch wie beim ersten Lockdown

Über mehr Planungssicherheit würde sich auch Patricia Kilian, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Grundschule Grunbach, freuen. „Man hätte sich schon im Sommer Gedanken machen können, was im Herbst und Winter passiert“, sagt sie. Ansonsten findet sie aber, dass die Verantwortlichen „einen super Job“ machen. „Wir haben ja jetzt schon ein bisschen Übung mit dem Thema Lockdown“, sagt sie über die Stimmung der Grundschuleltern. „Das Stimmungsbild ist nicht ganz so dramatisch wie beim ersten Lockdown, als von heute auf morgen alles zugemacht wurde und man das noch gar nicht kannte.“ Sie kenne nur ein Paar, das die Notbetreuung in Anspruch nehmen müsse, alle anderen versuchten, die Betreuung zu Hause zu organisieren. „Die Ferien und der flexible Start in die Ferien waren ja schon geplant“, so Kilian. „Die meisten sagen, sie müssen jetzt noch die eine Woche zusätzlich planen.“

Erleichtert werde die Planung, weil die Kinder nun Ferien haben und auch einmal spielen könnten, wenn die Eltern arbeiten, anstatt beschult werden zu müssen. „Die Grundschule hat freiwillige Lernpakete geschnürt“, sagt Patricia Kilian. „Wir haben auch alle Schulbücher mit nach Hause bekommen, weil keiner weiß, wie es nach dem 10. Januar weitergeht. Das finde ich sehr vorausschauend.“

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels wurde suggeriert, dass die Hohbergschule bei dem Fall am Montag nicht schnell genug gehandelt hat. Dies war nicht der Fall, da der positive Befund erst am späten Montagabend vorlag. Der entsprechende Absatz wurde deshalb entfernt.

Den Übergang in den Lockdown hat Alexandra Nick als sehr turbulent erlebt. Denn an der Plüderhäuser Hohbergschule wurde am Montag eine Erzieherin in der Ganztagesbetreuung als Kontaktperson 1 identifiziert. Weil dort Kinder aus allen Stufen betreut werden, mussten viele Schüler in vorsorgliche Quarantäne. Auch das Kind von Alexandra Nick. Bis alle Eltern darüber informiert waren, verging jedoch einige Zeit. Erst gegen Abend war dann klar: Die Ferien beginnen für die Betroffenen bereits am

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