Remshalden

Louise Yöndel (14) verschönert Bahnhofsunterführung in Remshalden durch Graffiti

GrafittiGrunbach
Louise Yöndel hat sich diesmal für ein abstraktes Bild entschieden. © Gaby Schneider

Die Bahnhofsunterführung ist wieder etwas farbiger und schöner geworden. Die 14-jährige Louise Yöndel aus Grunbach hat sich ans Werk gemacht und frische Farbe und freche Abstraktionen auf zwei der dort aufgehängten Holztableaus gebracht.

Zwei abstrakte Motive

Das Zischen der Spraydose ist zu hören, in der Unterführung riecht es wie in einer Lackierabteilung nach frischer Farbe: In legerer, bequemer Schlabberhose kniet die Teenagerin Louise Yöndel vor der Wand, neben sich ihre daheim angefertigte Skizze. Sie hat sich für zwei abstrakte Motive entschieden. „Die Fläche ist relativ klein, da wäre es schwierig geworden mit einer Figur oder einem Charakter“, erklärt sie, warum sie sich gegen verschnörkelte Schriftzüge und comichafte Figuren entschieden hat.

Ihre Motive sind geometrische Formen, eingefasst von schwarzen Linien, sogenannten „Outlines“, die wie Schatten aussehen. Ein Bild hat Rundungen und enthält viel helles, knalliges Zitronengelb, das andere ist kantig, darauf dominieren Rot und Schwarz. Mit ruhiger Hand fährt sie die Farbspraydose über die Fläche. Es sei schwer, einfach nur loszulegen: „Ich muss mir vorher klarmachen, was entstehen soll.“

Erste Versuche auf Freifläche in Bad Cannstatt

Zum Sprayen sei sie vor rund eineinhalb Jahren gekommen, davor habe sie aber gerne und viel gezeichnet. „Durch Corona hatte ich dann viel Zeit und habe einfach mal angefangen.“ In Bad Cannstatt, wo es eine große Freifläche für Streetart gibt, habe sie ihre ersten Versuche platziert. Weil sie beim täglichen Vorbeigehen durch die Unterführung an ihrem Wohnort Grunbach viele Tafeln unschön fand, düster und auch etwas trist, sei sie auf die Gemeinde zugegangen, die den Durchgang unter den Gleisen freigegeben hat für Graffiti. „Es wäre schön, wenn noch mehr Leute es als Kunst anerkennen und nicht als Schmiererei bezeichnen“, sagt sie.

Es steckt ziemlich viel Aufwand dahinter, eine kleine Zeichnung mit der Dose auf die große Fläche zu übertragen. Konzentriert achtet sie darauf, die Dose „immer parallel zur Wand zu halten“, wie sie sagt. „So wird der Strich gerade und gleichmäßig dick.“ Als die Grundlinien und Umrisse stehen, lässt sie diese Grundierung trocknen und macht sich an der anderen Wand zu schaffen. Aus dem feinen Farbsprühregen entsteht ein angedeuteter Pfeil, es könnte auch eine Häuserschlucht sein - in der Abstraktion ist vieles denkbar und jeder sieht etwas anderes. Besondere Herausforderung seien die Schatten. Sie müsse Schicht für Schicht vorgehen, dafür habe sie einen Plan gemacht. „Man sollte sich vorher überlegen, was im Vordergrund stehen soll, weil ich das als Letztes draufmache.“

Hoffnung, dass auf diese Aktion weitere folgen

Ihre Mutter unterstützt sie, auch ihre Großeltern sind extra in die Unterführung gekommen, um der Enkelin zuzuschauen. „Es ist schöner als graue Wände, es sollte viel mehr Stellen geben, an denen das möglich ist für junge Leute“, sagt die Mutter Rebecca Coulson. Sie wünscht sich, dass der Aktion weitere folgen, damit die Unterführung schön aussieht und mehr Farbe hat.

Auf offene Ohren stoßen Jugendliche auch bei der Gemeinde, die entlang beider Wände der Unterführung rund 50 Holzplatten freigegeben hat für Graffiti. Auch mit Pinsel und Farbeimer hätten sich schon Künstler - kleine und große - verewigt.

Wiedersehen mit einer Wand

Einige Tafeln seien teilweise schon seit Jahren unverändert, an anderen tue sich regelmäßig etwas. Bürgermeister Reinhard Molt findet Gefallen an der unbeständigen Kunstform. „Ich wünsche mir noch mehr Jugendliche, die hier mitgestalten“, wünscht er sich.

Seiner Meinung nach könnten einige Tafeln wieder eine Auffrischung gebrauchen. Graffiti, von Künstlern gestaltet, seien „eine Gegenwartskunst, die sich verändern kann und soll“. Wichtigste Spielregel: „Es darf nicht diffamierend sein.“ Fast unvermeidlich im öffentlichen Raum, noch dazu am viel frequentierten Bahnhof, seien Spuren der Zeit, Kritzeleien und störende Zeichen, wobei sich die „Schmierereien“, wie Molt hervorhebt, zum Glück in Grenzen halten. Kindergärten, Schulen und die offene Jugendarbeit wirken mit an der sich stetig verändernden Freiluft-Galerie. Auch die jüngsten Gemeindemitglieder haben hier also schon ihre farbigen Spuren hinterlassen. Auch für Louise Yöndel ist es ein Wiedersehen mit der Wand. Sie zeigt auf ein Bild mit Sonnenblumen gegenüber. „Ich erinnere mich nicht mehr daran, aber eine Freundin hat mir erzählt, dass ich an dem als Kindergartenkind mitgearbeitet habe.“

Die Bahnhofsunterführung ist wieder etwas farbiger und schöner geworden. Die 14-jährige Louise Yöndel aus Grunbach hat sich ans Werk gemacht und frische Farbe und freche Abstraktionen auf zwei der dort aufgehängten Holztableaus gebracht.

Zwei abstrakte Motive

Das Zischen der Spraydose ist zu hören, in der Unterführung riecht es wie in einer Lackierabteilung nach frischer Farbe: In legerer, bequemer Schlabberhose kniet die Teenagerin Louise Yöndel vor der Wand, neben sich ihre

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