Remshalden

Nach massiver Kostensteigerung: Kita-Bau in Remshalden soll im Herbst beginnen

Kindergarten Enßle-Straße
Nach den Sommerferien soll es losgehen mit dem Bau der fünfgruppigen Kita an der Wilhelm-Enßle-Straße. © Gabriel Habermann

Die Gemeinde Remshalden hat entschieden und den Auftrag für den Bau der Kita an der Wilhelm-Enßle-Straße vergeben. Mit nun 7,6 Millionen Euro Baukosten wird geplant. Als Generalunternehmer agiert die Züblin AG mit Sitz in Stuttgart. Baubeginn soll kurz nach den Sommerferien am 19. September sein, Nutzungsbeginn im Dezember 2023. Nach Vertragsabschluss will man mit dem Generalunternehmer beraten, an welchen Stellen Einsparungspotenzial besteht, dies allerdings ohne an der Qualität der Kita zu sparen, erklärte Bürgermeister Molt auf Nachfrage. Indes könne man von solchen Modifikationen keine Preisreduktionen in Millionenhöhe erwarten.

Lange Planungsphase, hohe Kostensteigerungen

Zur Erinnerung: Die Baukosten hatte die Gemeindeverwaltung nach ersten Kostenschätzungen zu Planungsbeginn mit rund vier Millionen Euro veranschlagt. Seither ist aber viel passiert: Zum einen war wegen etlicher Umplanungen einige Zeit ins Land gegangen. Anfangs waren noch vier Wohnungen und eine Tiefgarage Bestandteil des Architektenwettbewerbs (2018/2019) und damit auch des Siegerentwurfs gewesen.

Nach einer späteren Kosten-Nutzen-Abwägung hatte man aber wieder von der Idee, Mietwohnungen ins viergruppige Kita-Gebäude (zwei U-3-, zwei Ü-3-Gruppen) aufzunehmen, Abstand genommen und stattdessen das Familienzentrum sowie eine weitere U-3-Gruppe eingeplant, die Tiefgarage aber gestrichen. So konnten weitere Fördermittel (für Soziale Integration im Quartier) abgerufen und gleichzeitig die hohen Kosten für die Garage (damals geschätzt eine Millionen Euro) gestrichen werden.

Verbandsvorgaben zögerten Planungen weiter heraus

Angesichts der Umplanungen fielen weitere Architektenhonorare an, auch weil Vorgaben des KVJS (Kommunalverband für Jugend und Soziales) zusätzliche Modifikationen des Grundrisses nötig machten. Zudem sorgten zuletzt der Fachkräftemangel und die Corona-Pandemie mit den daraus resultierenden Lieferengpässen zu Preissteigerungen.

Nun kam der Ukraine-Krieg hinzu, der die Kosten weiter in die Höhe schraubte. 87 Prozent mehr als geplant soll die Kita nun also kosten. Der zeitgleich geplante Bau der viergruppigen Kita an der Lilienstraße liegt vorerst auf Eis. Weder gibt es ein Angebot, noch könnte sich die Gemeinde aktuell den gleichzeitigen Bau zweier Kitas leisten.

Baukosten: Rund 7,6 Millionen Euro

In dem Angebot, dem der Gemeinderat jetzt in einer außerordentlichen Gemeinderatssitzung zugestimmt hat, sind die vorbereitenden Maßnahmen wie die Baustelleneinrichtung, das eigentliche Kita-Gebäude inklusive der Fenster sowie die technische Ausstattung enthalten. Hinzu kommen im Anschluss noch die Außenanlagen, das Mobiliar und die Cook-and-chill-Küche, in der künftig immerhin rund 150 Mittagessen täglich zubereitet werden sollen.

Im Vorfeld der Vergabe am Montagabend hatte Bürgermeister Molt bei den Gemeinderäten dafür geworben, zuzustimmen. „Bei mir ist nach vielen schlaflosen Nächten und intensiven Diskussionen die Überzeugung gereift, dass diese Investition in die „frühkindliche Bildung unserer Kleinsten, in die qualitätvolle und strukturierte Mittagessenversorgung für Schüler und in die Unterstützung von Familien mit einem erkennbaren Unterstützungsbedarf für uns auch unter diesen ungünstigen finanziellen Voraussetzungen [...] wertvoll ist.“

Nach hoher Investition: Prioritäten neu ausrichten

Zudem seien die bislang zugesagten Fördermittel an zeitliche Fristen den Baufortschritt betreffend geknüpft. „Jeder andere gewählte Weg würde sicherlich drei bis sechs Monate Zeitverzögerung bedeuten, mit dem Ergebnis, dass die meisten Fördermittel nicht mehr fließen würden“, erklärte Molt. Auf diese wolle er aber nicht verzichten, zumal sich die Förderkulisse inzwischen schon verändert habe und neue Förderbedingungen gelten würden.

Molt weiter: „Mir ist sehr wohl bewusst, dass wir bei solchen Investitionen unsere Prioritäten neu ausrichten und diskutieren müssen.“ Doch komme die Gemeinde hier einem rechtlichen Anspruch der Eltern nach, damit diese einer geregelten und verlässlichen Arbeit nachgehen könnten. Das Ziel sei letztendlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Letztlich stärkt auch dies wieder unsere Wirtschaft und begegnet dem spürbaren Mangel an Fachkräften.“

Gemeinderat Armin Wiesner (SPD) stimmt dem Bürgermeister zu. Tatsächlich handle es sich auch aus der Sicht seiner Fraktion um eine sehr schwierige Entscheidung. Das Geld sei aber durchaus gut angelegt. „Denn die Familien sind unser höchstes Gut.“ Die zugesagten Fördergelder dürfe man keinesfalls verfallen lassen. Er hoffe, dass alles so reibungslos ablaufe, wie der Generalunternehmer es zugesagt habe, und außerdem, dass die zweite, eigentlich geplante Kita an der Lilienstraße nicht ein für alle Mal vom Tisch sei.

Zu teuer: „Aber wir müssen es uns leisten“

Gemeinderätin Sigrid Pressel (Fraktionsvorsitzende FDP/FW) wies noch einmal darauf hin, dass die aktuelle Situation eine andere wäre, wenn man mit den Planungen die Kita betreffend schneller vorwärtsgekommen wäre, wenngleich sie die Alternativlosigkeit des Vorgehens einräumte. Den aktuellen Preis, der zu zahlen sei, könne sich die Gemeinde eigentlich nicht leisten.

„Aber wir müssen es uns leisten.“ Die Familien seien auf die in der Kita entstehenden Betreuungsplätze angewiesen. Abgesehen davon stehe ihre Fraktion hinter dem Projekt und dem „tollen Konzept“ inklusive Mittagessen-Angebot und Familienzentrum. Sie begrüßte es, dass man mit dem Generalunternehmer im Gespräch bleiben wolle, um eventuell an der ein oder anderen Stelle Möglichkeiten zur Einsparung zu finden.

Infrastruktur nicht genug: Personel schnell suchen

Tobias Schädel (Fraktionsvorsitzender BWV) betonte, wie dringlich die Entscheidung nun sei. Zum einen, weil es angesichts der Fördermittel einzuhaltende Fristen gebe, zum anderen, „weil der Bedarf einfach da ist“. Klar sei aber auch, dass eine solche Entscheidung nicht leichtfertig getroffen werden dürfe, handle es sich doch um immense Steuersummen, mit denen man hier wirtschafte.

Wenn man nun bei dieser Pflichtaufgabe, Betreuungsplätze zu schaffen, derart viel Geld ausgebe, müsse es gegebenenfalls bei Freiwilligkeitsleistungen eingespart werden. Zudem müsse man schon jetzt im Blick behalten, dass es nicht ausreiche, die Infrastruktur für die Betreuungsplätze zu schaffen. „Das Personal dafür haben wir noch nicht.“ Das Thema müsse dringend angegangen werden.

Kooperation mit Unternehmen andenken

Lennard Volk (Stellvertretender Fraktionsvorsitzender ALi) mochte sich gerne den Argumenten seiner Vorredner anschließen. Allerdings geht er nicht davon aus, dass die Kita Lilienstraße auf absehbare Zeit realisiert werden kann. Er regte an, zeitnah eine Art Kassensturz zu unternehmen, um klar darüber zu werden, welche Gelder sich noch im Topf befänden und welcher Spielraum noch vorhanden sei. Zudem schlug er vor, mit den ortsansässigen Unternehmen ins Gespräch zu kommen, um auszuloten, inwiefern sie sich womöglich mit ins Boot holen lassen könnten.

Die Gemeinde Remshalden hat entschieden und den Auftrag für den Bau der Kita an der Wilhelm-Enßle-Straße vergeben. Mit nun 7,6 Millionen Euro Baukosten wird geplant. Als Generalunternehmer agiert die Züblin AG mit Sitz in Stuttgart. Baubeginn soll kurz nach den Sommerferien am 19. September sein, Nutzungsbeginn im Dezember 2023. Nach Vertragsabschluss will man mit dem Generalunternehmer beraten, an welchen Stellen Einsparungspotenzial besteht, dies allerdings ohne an der Qualität der Kita zu

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