Remshalden

Nach Stammzelltherapie gegen MS mit Spendenaufruf: Wie es Susanne Knabe geht

Susanne Knabe
Mit Maske im Zimmer der Onkologie an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf: Susanne Knabe muss vorsichtig sein, weil ihr Immunsystem sich erst wieder aufbauen muss. © Privat

Es ist eine gut gelaunte, geradezu energiegeladene Susanne Knabe, die sich am Telefon meldet. „Ich bin so euphorisch, dass ich jetzt nach Hause darf“, sagt sie. Gerade im Moment sei sie mit ihrem Mann im Auto auf dem Rückweg von Hamburg. Dort hat sie sich in der Uniklinik einer Stammzelltherapie unterzogen, auf die sie im Kampf gegen die Multiple Sklerose ihre Hoffnung setzt. Und tatsächlich scheint sie berechtigt zu sein, wie die 48-Jährige berichtet.

Um die Therapie zu finanzieren, hat Susanne Knabe Spenden gesammelt – und sammelt noch. Die Behandlung kostet 50.000 Euro und die Krankenkasse übernimmt sie nicht – obwohl die Ärzte mit der Stammzelltransplantation, wie sie auch gegen Blutkrebs eingesetzt wird, gute Erfolge bei MS erzielen. Mehr als 19.000 Euro an Spenden sind inzwischen zusammengekommen. Susanne Knabe ist es nun wichtig, über diesen Zeitungsartikel Danke zu sagen: „Ich möchte mich ganz herzlich für die zahlreichen Spenden und Mut machenden Wünsche bedanken.“

Immunsystem greift Nervenzellen an

Seit vier Jahren leidet Susanne Knabe unter MS und war zuletzt körperlich immer mehr eingeschränkt. Bei der Krankheit greift das eigene Immunsystem die Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark an und schädigt sie. Es entstehen chronische Entzündungen. Folge können ganz verschiedene Symptome sein, etwa Empfindungsstörungen wie Taubheitsgefühl in Armen und Beinen, starke Müdigkeit und rasche Erschöpfung, Sehstörungen und Lähmungserscheinungen. In manchen Fällen sind die Symptome vorübergehend, in manchen bleiben sie und werden immer schlimmer.

Susanne Knabe war zuletzt immer stärker körperlich eingeschränkt, trotz der das Immunsystem blockierenden Medikamente, die sie nahm. Ihre linke Körperhälfte ist motorisch stark eingeschränkt, ihre Kraft ist schnell weg, sie hat Konzentrationsschwierigkeiten. „Man fühlt sich schlapp, müde, einfach kraftlos“, erzählte sie Anfang September unserer Zeitung. „Davor, irgendwann nicht mehr laufen zu können, habe ich echt Angst.“ Und darauf hätte sie sich einstellen müssen, wie ihr Prof. Dr. Christoph Heesen, Oberarzt an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf (UKE), sagte.

An ihn hatte sie sich gewandt, nachdem sie von der Stammzelltransplantation als Behandlungsmöglichkeit gehört hatte. Dabei wird zunächst ein Großteil des Immunsystems zerstört und dann mit vorher entnommenen Stammzellen neu aufgebaut. Nach dem Neustart, so das Ziel der Behandlung, soll das Immunsystem dann so funktionieren, wie es soll, ohne die eigenen Nervenzellen anzugreifen. Eingesetzt wird sie bei Menschen mit einem hochaktiven, schweren Verlauf der MS, bei denen mit den konventionellen Medikamenten schon alles versucht worden ist. Und das mit Erfolg. Christoph Heesen sagte in einer im Mai ausgestrahlten NDR-Fernsehsendung: „Ich glaube, der Stillstand der Erkrankung bei geeigneten Patienten ist ein sehr realistisches Ziel. Vielleicht sogar Heilung, wenn man sehr früh da einsteigt.“

Susanne Knabe hat nun die berechtigte Hoffnung, dass bei ihr die Behandlung tatsächlich auch erfolgreich sein könnte. „Ich habe das Gefühl, dass mehr Kraft in der linken Hand ist, und auch der Fußheber hat sich gebessert“, sagt sie. Dabei war ihre Erwartung eigentlich gar nicht unbedingt die einer Verbesserung ihrer Symptome, sie hoffte vor allem darauf, dass die Krankheit bei ihr zum Stillstand kommt und der Verfall ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit nicht weiter voranschreitet.

„Ich habe es super verkraftet“

Jetzt durfte Susanne Knabe also sogar die Klinik früher wieder verlassen als gedacht. Ihre Blutwerte seien so gut, dass sie nach Hause durfte, erzählt sie. Insgesamt sei die Behandlung sehr gut verlaufen. „Ich habe es wirklich super verkraftet.“ Andere Patienten hätten durch die Chemo mit Übelkeit, Schmerzen und Schwäche zu kämpfen gehabt. Aufpassen muss sie nun weiterhin, dass sie sich nichts einfängt, weil ihr Immunsystem sich erst wieder aufbauen muss. In der Klinik durfte sie einige Tage ihr Zimmer sogar überhaupt nicht verlassen und sich auch danach nur auf dem Flur der Station bewegen. Seit 15. September war sie in Hamburg. Besuche waren in der Zeit nicht erlaubt, auch ihren Mann konnte Susanne Knabe nicht sehen.

Nun blickt sie sehr zuversichtlich nach vorne. In drei Monaten werde sie wieder untersucht, um zu sehen, wie sich ihr Zustand verbessert habe.

In einem Dankestext an ihre Spenderinnen und Spender schreibt sie: „Hoffentlich können alle positiv ins neue Jahr schauen.“ Und sie hat noch ein Anliegen: „Da ich auch eine Bluttransfusion erhalten habe, ist es mir wichtig, daran zu erinnern, wie wichtig es ist, Blut zu spenden.“

Weiterhin kann man Susanne Knabe direkt finanziell unterstützen auf www.spendenseite.de.