Remshalden

Nach vielen Corona-Infektionen und sieben Todesfällen: Leichte Entspannung der Lage im Remshaldener Pflegeheim

Awo-Pflegeheim
Im Remshaldener Awo-Pflegeheim werden Tests für Angehörige seit Montag vor Ort durchgeführt. © ALEXANDRA PALMIZI

Das Pflegeheim „An den Weinbergen“ wird voraussichtlich ab kommenden Montag seine Türen wieder für Besucher öffnen – allerdings sehr kontrolliert und nur mit Terminabsprache. Seit 30. Oktober ist das Haus in Remshalden-Geradstetten für den Besucherverkehr geschlossen, nachdem unter den rund 100 Bewohnern und den Mitarbeitern viele Corona-Fälle aufgetreten sind. Heimleiterin Ursula Wössner-Ackermann hat nun etwas bessere Nachrichten als zuletzt – aber auch eine deutliche Botschaft an die Gesellschaft.

Sind die nun mit oder an Corona verstorben oder hätte die die nächste Grippe ohnehin erwischt? Solche Diskussionen muss Ursula Wössner-Ackermann in letzter Zeit oft führen. Sieben Todesfälle unter den Bewohnern hatte sie im Zusammenhang mit der Corona-Welle in den vergangenen Wochen zu beklagen. Ein gewisses Maß an Verständnis hat sie schon für solche Fragen, aber sie findet sie auch ärgerlich. Die Lage sei doch klar: „Es sind einfach bei uns sieben Menschen gestorben, und alle sieben waren positiv.“

Freilich könne man diskutieren, ob eine 100-Jährige vielleicht ohnehin nicht mehr lange zu leben gehabt hätte. „Aber wir hatten nicht den Eindruck. Der Dame ging es vor Corona gut.“ Klar spreche man von hochbetagten Menschen mit Vorerkrankungen, klar könne auch eine normale Grippewelle Todesopfer fordern. „Aber die sieben haben jetzt eben nicht Grippe oder irgendetwas anderes gehabt, sondern Corona.“ Deswegen sei die Diskussion daneben.

„Wie kann ich die Alten schützen?“

Woher das Virus ins Remshaldener Heim kam, war von Anfang an unmöglich nachzuvollziehen, deswegen sind alle Spekulationen darüber müßig. Durch die große Verbreitung in der Bevölkerung sind mannigfaltige Ansteckungswege denkbar. Es waren noch im Oktober viele Besucher im Haus, viele Bewohner sind so mobil, dass sie sich draußen bewegen. Und das Pflegepersonal? Ursula Wössner-Ackermann bricht eine Lanze für ihre Mitarbeiter. „Die laufen seit Wochen und Monaten mit Vollschutzkleidung rum, um die alten Menschen zu schützen.“ Und nichts anderes müsse man von den Menschen draußen auch erwarten: „Dass sie sich überlegen, wie kann ich die Alten schützen.“ Die Mitarbeiter in der Altenpflege, sagt die Heimleiterin, würden sich etwas mehr Solidarität mit den alten Menschen wünschen, und dass die Leute vorsichtig seien und Rücksicht nähmen.

Für viele Angehörige waren die vergangenen Wochen hart: Sie konnten nur telefonischen Kontakt zu den Heimbewohnern halten. Man mache sich schon Sorgen, sagt eine Frau, deren Mann im Heim ist und die sich bei unserer Redaktion gemeldet hat. Doch sie wisse ihn in der Remshaldener Einrichtung gut aufgehoben und betreut. „Ich möchte mich bei den Mitarbeitern und bei der Leitung bedanken für jede Minute, die sie uns zur Seite stehen“, sagt sie. „Das ist mir ein großes Anliegen in dieser schweren Zeit, die schon über Monate andauert.“ Die Schließung für den Besucherverkehr sieht die Frau auch als Maßnahme, die dem Schutz der Angehörigen dient.

Bei den meisten Angehörigen sei das Verständnis für die Maßnahme absolut da gewesen, sagt Ursula Wössner-Ackermann. „Die Aufenthaltsbereiche bei uns sind ja einfach die Wohnzimmer der alten Menschen. Und niemand will im Moment, dass 100 Leute durch sein Wohnzimmer rennen.“ Deswegen wird die geplante Öffnung der Einrichtung ab kommenden Montag nun auch wohldosiert erfolgen. „Damit wir es einfach kontrollieren können.“

Der Eindruck der Einrichtungsleiterin ist, dass die Bewohner die Situation mit der ungewissen Infektionslage und der Isolation noch am besten weggesteckt hätten. „Sie gehen damit gelassener um.“ Die Mitarbeiter dagegen seien ans Limit gekommen. So gehe es ja gerade nicht nur denen im Awo-Heim im Remshalden, viele Einrichtungen seien hart von der Pandemie getroffen.

Im Pflegeheim „An den Weinbergen“ sind nach den letzten vorliegenden Testergebnissen nun noch drei Mitarbeiter in Quarantäne, und es gibt sieben Bewohner mit positiven Testergebnissen.

Ein Licht am Ende des Tunnels sind die Schnelltests, die nun auch im Remshaldener Awo-Haus zur Verfügung stehen. An diesem Dienstag bekommen die Mitarbeiter eine Einweisung in die Verwendung. Damit werde man direkt alle Bewohner noch mal durchtesten, so Ursula Wössner-Ackermann. Dann wisse man, wie es ganz aktuell aussehe, und könne entscheiden, ob das Heim ab Montag kontrolliert wieder geöffnet werden könne.

Das Pflegeheim „An den Weinbergen“ wird voraussichtlich ab kommenden Montag seine Türen wieder für Besucher öffnen – allerdings sehr kontrolliert und nur mit Terminabsprache. Seit 30. Oktober ist das Haus in Remshalden-Geradstetten für den Besucherverkehr geschlossen, nachdem unter den rund 100 Bewohnern und den Mitarbeitern viele Corona-Fälle aufgetreten sind. Heimleiterin Ursula Wössner-Ackermann hat nun etwas bessere Nachrichten als zuletzt – aber auch eine deutliche Botschaft an die

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