Remshalden

Neue Wohnungen auf der Grunbacher Höhe: Das passiert als Nächstes

Grunbacher höhe
Baugebiet Grunbacher Höhe in Remshalden - hier in Blickrichtung Westen. An dieser Stelle soll bald ein Plusenergie-Quartier entstehen © Gabriel Habermann

Nachdem lange Zeit nichts vorwärtsging bei den Planungen zur Grunbacher Höhe, haben jetzt wieder Treffen zwischen der Verwaltungsspitze des Remshaldener Rathauses und der bpd Immobilienentwicklung Stuttgart stattgefunden. Das Unternehmen ist als Nächstes am Zug, um die Entwicklung des Gebietes auf dem Gelände der ehemaligen Ernst-Heinkel-Realschule voranzutreiben.

Derzeit sei man dabei, so erklärt’s Rainer Beitlich von der bpd, eine Firma zu finden, die die dringend benötigten Probebohrungen auf dem fraglichen Gelände durchführt. Diese sollen klären, wie der Untergrund des Geländes beschaffen ist und ob er für die eigentlichen Pläne geeignet ist.

An der Geothermie hängt das ganze Konzept

Denn der Siegerentwurf für den südlichen Teil des Quartiers Grunbacher Höhe ist mit einem Aktiv-plus-Energiekonzept geplant. Das sei heute angesichts der weltpolitischen Lage noch viel relevanter als vor einem Jahr. „Wir wollen mehr als Greenwashing, wir wollen mit dem Quartier autark sein.“ Das strebe man zwingend an, so Beitlich. „Wenn die Voraussetzungen auf der Grunbacher Höhe nicht stimmen, muss man die Bücher wieder zuschlagen und sich ein neues Konzept überlegen.“

Diese Probleme könnten im Untergrund lauern

Übers Gelände verteilte Bohrungen in bis zu 70 Metern Tiefe sollen deshalb unter anderem klären, ob und, wenn ja, in welcher Tiefe sogenanntes Anhydrit vorkommt, so hatte es zuletzt auch Bürgermeister Reinhardt Molt im Gespräch mit unserer Zeitung ausgeführt. Dieses Material quillt nämlich bei einem eventuellen, unerwünschten Eindringen von Wasser (als mögliche Folge einer Bohrung für die Geothermie) stark auf.

Die resultierenden Anhebungen der Oberfläche könnten dann schwere Gebäudeschäden verursachen. Weil der kritische Stoff unterhalb des neuen Remshaldener Rathauses schon in einer Tiefe von 27 Metern entdeckt wurde, mussten damals im Rahmen des Neubaus statt der zunächst geplanten acht Bohrlöcher bis 90 Meter Tiefe 20 Bohrlöcher mit bis zu 22 Metern Tiefe für die Geothermieanlage des Rathauses erstellt werden.

Bohrungsfirmen stark ausgelastet

Allerdings gestalte es sich derzeit schwierig, Fachfirmen mit den Bohrungen zu beauftragen, erklärt Beitlich von der bpd. „Deren Kapazitäten sind aktuell erschöpft.“ Schließlich gebe es in der Region viele Großbaustellen – man müsse nur an die Riesenbaustelle zum Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofes denken – allein das binde etliche Kapazitäten relevanter Firmen. „Wir hoffen nun, zeitnah Angebote zu bekommen.“ Wenn es optimal laufe, könnten schon im Frühjahr die Bohrungen stattfinden.

Würden diese optimalerweise die Durchführbarkeit des Konzeptes nachweisen, könnte die Verwaltung infolgedessen den Bebauungsplan auf den Weg bringen und die Entscheidungen für den Gemeinderat vorbereiten. Dann könnten auch die Planer von a+r-Architekten an dem Projekt weiterarbeiten. Frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres 2024 könnte man dann außerdem in die Vermarktung des ersten Quartier-Teils einsteigen, schätzt Beitlich.

Exteme Baukosten, explodierende Zinsen

Angesichts der aktuellen Situation im Immobiliensektor sei dieser zeitliche Verzug aber gar nicht so schlecht. Wer aktuell mitten im Bau oder in der Vermarktung von Immobilien stecke, habe durchaus mit Schwierigkeiten zu kämpfen. „Wir haben gerade extrem hohe Baukosten, auch die Zinsen sind explodiert“, fasst Beitlich zusammen.

„Gefühlt kamen alle Materialien aus der Ukraine.“ Seit dort nämlich der Krieg tobt, müssten häufig teurere Alternativlieferanten gefunden werden. Besonders kostspielig sei im vergangenen Jahr der Stahlbau gewesen. Und auch der Sandbeton erreiche neue Preisniveaus. Hinzu komme die Unsicherheit der Menschen, was im Winter passiere.

Auch Investoren agierten derzeit oft zögerlich. „Dann kommt ein Land in die Starre.“ Aber: Was derzeit in der Baubranche passiere, sei keineswegs neu. Nur in dieser Vielseitigkeit hätten das selbst die alten Hasen der Branche noch nicht erlebt. „Es gilt jetzt einfach, nicht die Fassung zu verlieren.“

Wer darf in Zukunft den zweiten Teil des neuen Wohnquartiers entwickeln?

Beitlich ist optimistisch, dass sich der Markt wieder erholen und Fahrt aufnehmen wird, dass Angebot und Nachfrage wieder aufeinandertreffen werden. Das sei aktuell angesichts der hohen Zinsen und von regionalen Reihenhauspreisen von um die 900.000 Euro nicht mehr der Fall. Was das für Remshalden bedeute? „An der Projektentwicklung festhalten und weiterplanen.“

Im Übrigen blickt man bei der bpd durchaus noch weiter in die Zukunft: Die Firma für Immobilienentwicklung gehe davon aus, nach dem ersten südlichen Teil der Grunbacher Höhe auch die zweite Hälfte des Gebietes Richtung Norden entwickeln zu dürfen. Dies, obwohl das Zweiergespann aus bpd und a+r-Architekten sich den ersten Platz beim „Ideenteil“ des Architekten-Wettbewerbs (der eben jene Nordhälfte betraf) mit der Remshaldener Immobilienfirma „Bau und Wert“ teilt. Und jene erhebt ihrerseits Ansprüche.

Beitlich hierzu: „Was wir jetzt planen, ist die Hälfte von einem Ganzen.“ Die gesamte Infrastruktur des Gebietes sei als Gesamtkonzept geplant worden. „Wenn die Nordhälfte mal baureif ist, kann es gar nicht anders sein, als dass wir das zusammen mit a+r-architekten machen.“ Nur dann passten die beiden Gebiete das Energiekonzept betreffend und auch städtebaulich zusammen. Mit dem geteilten ersten Preis beim Ideenteil des Architektenwettbewerbs habe es sich die Gemeinde jetzt unnötig schwergemacht, davon ist Beitlich überzeugt.

Nachdem lange Zeit nichts vorwärtsging bei den Planungen zur Grunbacher Höhe, haben jetzt wieder Treffen zwischen der Verwaltungsspitze des Remshaldener Rathauses und der bpd Immobilienentwicklung Stuttgart stattgefunden. Das Unternehmen ist als Nächstes am Zug, um die Entwicklung des Gebietes auf dem Gelände der ehemaligen Ernst-Heinkel-Realschule voranzutreiben.

Derzeit sei man dabei, so erklärt’s Rainer Beitlich von der bpd, eine Firma zu finden, die die dringend benötigten

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