Remshalden

Neues Wohnheim für psychisch Erkrankte im Weraheim-Park in Hebsack geplant

WeraheimErweiterung
Blick in den Park des Weraheims: Im linken Bereich des Bildes, hangaufwärts (nordwestlicher Bereich des Grundstückes) soll das neue Wohnheim mit angeschlossenem Garten entstehen. Hinten rechts im Bild liegt die Jugendhilfeeinrichtung. © Gaby Schneider

Ein Wohnheim für psychisch erkrankte Menschen soll an der Ecke Werastraße/Hölderlinstraße gebaut werden. Das Grundstück gehört der Evangelischen Gesellschaft (eva) und beherbergt schon seit langem das Weraheim. In der heilpädagogischen Einrichtung sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene untergebracht, die nicht mehr in ihren eigenen Familien leben können.

Im nord-westlichen Teil des Grundstückes, das über die Werastraße erschlossen wird, soll nun nach dem Wunsch der eva und des Rudolf-Sophien-Stiftes, das als Träger der Einrichtung fungieren würde, ein Heim für 24 Menschen gebaut werden.

Der Gemeinderat hat jetzt beschlossen, dass ein Bebauungsplan für das neue Vorhaben aufgestellt werden soll. Am kommenden Donnerstag, 7. April, gibt es ab 19 Uhr dazu in der Kurt-Leppert-Halle in Hebsack eine öffentliche Informationsveranstaltung, bei der die Verantwortlichen die Pläne genauer erläutern. Außerdem können die Bürger in diesem Rahmen Fragen stellen und ihre Sorgen vortragen.

Bewohner müssen vor sich selbst geschützt werden

Die Menschen, die in dem neuen Wohnheim untergebracht werden sollen, brauchen zum Großteil übergangsweise einen geschützten Raum, um wieder neue Lebenshoffnung und -ziele zu entdecken.

Prof. Dr. Jürgen Armbruster, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der eva und Geschäftsführer des Rudolf-Sophien-Stifts, der mit anderen Projektverantwortlichen am Montagabend in der Gemeinderatssitzung berichtete, betonte ausdrücklich, dass hier ausschließlich Menschen untergebracht werden sollen, die sich aufgrund einer Erkrankung oder Behinderung selbst und nicht andere gefährden.

Dafür seien ab und an eben auch „freiheitsentziehende Maßnahmen“ nötig, die in dem neuen Projekt umgesetzt werden könnten. Die Stadt- und Landkreise seien, wie die Kommunen auch, verpflichtet, für ihre Bürgerinnen und Bürger auch solche Dienste und Einrichtungen vorzuhalten.

Flexible Gestaltung der offenen und geschlossenen Bereiche

Das Haus soll in verschiedene Abschnitte unterteilt werden, so dass Teile als geschlossene Einrichtung geführt werden, andere aber offen bleiben können, berichtete der planende Architekt Udo Bönisch vom Esslinger Büro „Mueller Benzing Partner“. Zudem soll es möglich sein, geschlossene Bereiche wieder zu öffnen, wenn deren Bewohner dies benötigen. Schließlich bestehe, erklärte Armbruster, das Ziel, die Bewohner zu stärken, dass sie am Ende der Therapie wieder zurück zu ihren Familien oder in eine andere selbstständigere Lebensform wechseln können.

Die Wohngruppen sollen in den äußeren beiden Gebäudeteilen untergebracht werden, die Funktionsräume für Sport, Kunst und Gemeinschaftsaktionen sowie die Nachtdienstzimmer im mittleren Komplex. Im Erdgeschoss sollen die Bewohner über eine Terrasse Zugang zu einem abgegrenzten Gartenbereich haben. Dieser soll durch einen teilweise begrünten, mehr als zwei Meter hohen Zaum mit einem nach innen weisenden Überstiegsschutz abgegrenzt werden.

Die übrigen Bewohner des offenen Bereichs können sich auch im großen Park des Weraheimes aufhalten und das Grundstück verlassen.

Umsetzung kann frühestens im Frühjahr 2023 beginnen

Die Bewohner sollen vor Ort rund um die Uhr betreut werden. 20 bis 25 Fachkräfte sorgen in solchen Einrichtungen für stark strukturierte Tagespläne, die am individuellen Bedarf der Menschen ausgerichtet sind und ihnen ins Leben zurückhelfen sollen. Gemeinsam arbeiten Sozialpädagogen, Gesundheits- und Krankenpfleger, Heilerziehungspfleger, Ergotherapeuten und Hauswirtschaftskräfte daran, den Betreuten einen entsprechenden Rahmen zu bieten. Frühestens im Frühjahr 2023 könne mit der Umsetzung begonnen werden, hieß es auf Nachfrage von Gemeinderat Dr. Uli Hasert (BWV).

Er regte außerdem an, das Dach nicht nur mit Fotovoltaikanlagen zu belegen, sondern außerdem noch zu begrünen, um den Wirkungsgrad noch weiter zu steigern. Zudem fand er, dass die Gemeinde früher und breiter zu dem Thema hätte informieren sollen. Auch die Einladung zur Informationsveranstaltung fand er zu kurzfristig. Schließlich sei’s ein sensibles Thema, mit dem sich die Remshaldenerinnen und Remshaldener ausführlich beschäftigen wollten.

Bebauungsplan wird jetzt erstellt, noch ist nichts entschieden

Bürgermeister Reinhard Molt hielt dagegen, man beschließe jetzt ja zunächst nur den Start ins Verfahren, endgültig sei noch nichts entschieden. Der Bebauungsplan müsse erst noch erstellt und diskutiert werden. Außerdem stünden noch die Ergebnisse der Artenschutz- und Denkmalschutzuntersuchungen aus. Und die anstehende Informationsveranstaltung sei ja gerade das Angebot an die Bürger, sich zu einem frühen Zeitpunkt ausführlich informieren zu können.

Stefanie Böhm, Dezernentin für Soziales, Jugend und Bildung im Landratsamt Rems-Murr, versicherte zusätzlich, man sei auch nach der Veranstaltung noch für Fragen von Bürgern offen.

Vorbehalte der Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen

Das begrüßte auch Armin Wiesner (SPD), schließlich sei anzunehmen, dass etliche Bürgerinnen und Bürger Vorbehalte wegen der Klientel haben könnten, hätten viele mit solchen Themen in ihrem Alltag doch wenig zu tun. Das geplante Gebäude lobte er als wunderschön, „es fügt sich toll in die Gegebenheiten ein und ist energetisch auf dem neusten Stand.“

Carmen Siegle-Kindvater (BWV) fragte sich, ob die neue Einrichtung auf dem Gelände zur bestehenden Jugendhilfeeinrichtung passe. Dr. Armbruster (eva) konnte ihr da sämtliche Sorgen nehmen. An anderer Stelle gebe es ähnliche Kombinationen von Hilfseinrichtungen. Probleme habe es deshalb noch nie gegeben, in Stuttgart und Heidenheim beispielsweise. In keinem Falle sei es zu Konflikten gekommen und die anfänglichen Bedenken der Anwohner hätten sich jeweils in Luft aufgelöst.

Zudem hätten die Verantwortlichen der Jugendhilfeeinrichtung „Weraheim“ bereits die Hoffnung geäußert, dass sich die Arbeiten gegenseitig befruchten könnten. So manches Mal seien im eigenen Haus schon Bedarfe aufgetreten, die in einer Kooperation mit einer Einrichtung wie der geplanten, hätten gestillt werden könnten.

Alle Fraktionen wünschen sich Transparenz gegenüber Bürgern

Auch von Tobias Schädel (Fraktionsvorsitzender BWV) gab es Lob für die Planungen. Die Konzeption sei klasse, der Plan gefällig. Positiv hervor hob er die Tatsache, dass die verschiedenen Bereiche des Heimes veränderbar angelegt werden sollen, die Bewohner also „nicht weggesperrt“ würden, sondern sich aus dem geschlossenen Bereich heraus entwickeln könnten. Und auch er sprach sich – an seinen Fraktionskollegen Hasert gewandt – für maximale Offenheit gegenüber den Bürgern aus, um sie bei ihren Bedenken abzuholen.

Fraktionsvorsitzende Sigrid Pressel (FDP/FW) hielt das Vorgehen der Gemeinde für richtig. Schließlich könnten sich die Bürgerinnen und Bürger am Donnerstag fundiert informieren. Mehr Informationen vorab, so schätzte sie, hätten nur zu Kopfkino und Spekulationen geführt. Grundsätzlich halte aber auch ihre Fraktion Transparenz in diesem Fall für unabdingbar. „Es ist schließlich kein alltägliches Thema.“

Sorgen der Anwohner ernst nehmen

Lennard Volk (ALi) unterstrich diesen Wunsch ebenfalls. Viele hätten wenig Kenntnis über psychische Erkrankungen, weshalb es vermutlich zahlreiche Vorbehalte und Ängste wegen des Projektes geben werde. Deshalb wünschte er sich, dass die Verantwortlichen im Rahmen der Informationsveranstaltung am Donnerstag exemplarisch beschreiben sollten, „was das für Menschen sind und unter welchen Beeinträchtigungen sie leiden.“

Dr. Jürgen Armbruster nahm die Anregung gerne auf und bekräftigte, dass es sich um Menschen handle, die gemeinsam mit verschiedenen Therapeuten an ihren Lebenshoffnungen arbeiteten und wenn nur für sich selbst eine Gefahr darstellten.

Am Ende beschloss der Gemeinderat, einen Bebauungsplan aufzustellen. Dies mit einer Enthaltung von Dr. Uli Hasert, der so seine Unzufriedenheit mit der Informationspolitik der Gemeinde äußern wollte.

Ein Wohnheim für psychisch erkrankte Menschen soll an der Ecke Werastraße/Hölderlinstraße gebaut werden. Das Grundstück gehört der Evangelischen Gesellschaft (eva) und beherbergt schon seit langem das Weraheim. In der heilpädagogischen Einrichtung sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene untergebracht, die nicht mehr in ihren eigenen Familien leben können.

Im nord-westlichen Teil des Grundstückes, das über die Werastraße erschlossen wird, soll nun nach dem Wunsch der eva und des

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