Remshalden

Preis-"Wahnsinn" beim Strom: Remstalwerk nimmt keine neuen Kunden mehr an

Strommast Strom Symbol Symbolbild symbolfoto
Symbolfoto. © ZVW/Alexandra Palmizi

„Dieser Tarif ist derzeit nicht verfügbar“ – auf diesen Satz stößt derzeit jeder, der auf der Internetseite des Remstalwerks nach den Angeboten für Strom- und Gaskunden sucht. Nachdem schon Ende 2021 beim Gas Schluss war, ist nun auch Aufnahmestopp im Strombereich. Der kommunale Energieversorger nimmt keine neuen Kundinnen und Kunden mehr an – und daran wird sich in diesem Jahr wohl auch nichts mehr ändern. „So eine Situation habe ich noch nie erlebt“, sagt Geschäftsführerin Gabriele Laxander. Die Preisentwicklung sei ganz einfach „Wahnsinn“. Deswegen hält sich das Remstalwerk gezwungenermaßen derzeit zurück beim Einkaufen neuer Gas- oder Strommengen über das hinaus, was für die Bestandskunden nötig ist.

Es bleiben nur die Grundversorger

Die Lage bei anderen Firmen am Markt ist nicht anders. Wer gerade einen Strom- oder Gasanbieter sucht, dem bleibt praktisch nur noch einer der Grundversorger, die in der Regel Neukunden nicht ablehnen dürfen. Das sind zum Beispiel die EnBW, die Süwag sowie die Stadtwerke Waiblingen und Schorndorf für ihre jeweiligen Versorgungsgebiete, in denen sie die Mehrheit der Kundinnen und Kunden betreuen. Das Remstalwerk zählt in seinem Gebiet, zu dem die Gemeinden Kernen, Remshalden, Winterbach und Urbach gehören, nicht dazu.

Aufgrund der horrenden Preise für Strom und Gas am Markt habe man gesagt: „Wir müssen jetzt die Füße stillhalten“, so Gabriele Laxander. Für die Bestandskunden habe man für mehrere Jahre im Voraus eingekauft. Deswegen habe man da noch gute Preise erzielen können. Den Neukundenbereich lasse man normalerweise in die Beschaffung einfließen, das sei zu den momentanen Preisen aber einfach nicht mehr darstellbar. „Da muss man vorsichtig und überlegt agieren.“

Es sei auch nicht absehbar, wie sich die Dinge weiterentwickeln. Ende des Jahres könne man sagen, ob 2023 wieder Neukunden aufgenommen werden können, sagt Gabriele Laxander. „Wenn jetzt jeder spart, habe ich dann vielleicht noch Gas übrig.“ Bis dahin, so steht es auch auf der Internetseite des Remstalwerks, können sich interessierte Neukunden trotzdem melden. Sie landen dann aber vorerst lediglich auf einer Warteliste.

Eine Unbekannte der weiteren Entwicklung seien auch die Heizlüfter, die sich die Menschen jetzt zulegen, um für eine Gasknappheit im Winter gewappnet zu sein, sagt die Remstalwerk-Geschäftsführerin. Davon rät sie dringend ab. Kämen die Geräte alle zum Einsatz, dann verlagere sich das ganze Problem nur in den Strombereich. Es sei nicht sinnvoll, Gas mit Hilfe von Heizlüftern sparen zu wollen, sagt sie. „Denn günstiger wird das nicht. Im Gegenteil: Es drohen hohe Nachzahlungen und Abschlagserhöhungen.“

Letztlich, so sehen es die Versorger, wird ein exzessiver Betrieb von Heizlüftern auch noch weiter die Preise treiben. Sowohl beim Gas – es wird auch mit Gaskraftwerken Strom produziert – als auch beim Strom. Denn die Lieferanten kaufen ihre Mengen im Voraus in Kontingenten. Gabriele Laxander erklärt: „Ein höherer Stromverbrauch bringt die Planungen durcheinander und zwingt Lieferanten zum verfrühten teuren Nachkauf an der Strombörse. Preisanpassungen drohen. Und dann wird der Strom für alle teurer, auch für die, die auf den Einsatz von Heizlüftern verzichten.“

Heizlüfter könnten Stromnetze in die Knie zwingen

Einen weiteren negativen Effekt hätten die Heizlüfter auf das deutsche Stromnetz, so Laxander. Ihm drohe eine Überforderung durch eine erhöhte Spitzenlast. Besonders im Winter sei damit zu rechnen, dass Millionen dieser Geräte bundesweit betrieben werden. Das könne stellenweise die Stromnetze in die Knie zwingen.

Gabriele Laxander hofft zwar darauf, dass an den Börsen, wo die Händler ihre Strom- und Gaskontingente einkaufen, die Preise sich irgendwann normalisieren. Aber dass sie für die Kundinnen und Kunden auf ein von früher gewohntes Maß sinken, bezweifelt sie angesichts von anstehenden Herausforderungen wie der Energiewende.

Es ist zudem damit zu rechnen, dass die Preise auch für die Bestandskunden eher noch steigen. „Wir müssen ja weiter einkaufen“, sagt Gabriele Laxander. Für 2023 sei das Remstalwerk noch eingedeckt. Aber sie könne jetzt nicht ewig warten und darauf setzen, dass die Preise an den Börsen rechtzeitig wieder sinken. „Das wäre ein Roulettespiel“, sagt sie. „Da würde mein Aufsichtsrat sagen: So geht es nicht. Wir müssen eine Risikostreuung haben. Ich muss ja eine Versorgungssicherheit für meine Kunden gewährleisten.“

„Dieser Tarif ist derzeit nicht verfügbar“ – auf diesen Satz stößt derzeit jeder, der auf der Internetseite des Remstalwerks nach den Angeboten für Strom- und Gaskunden sucht. Nachdem schon Ende 2021 beim Gas Schluss war, ist nun auch Aufnahmestopp im Strombereich. Der kommunale Energieversorger nimmt keine neuen Kundinnen und Kunden mehr an – und daran wird sich in diesem Jahr wohl auch nichts mehr ändern. „So eine Situation habe ich noch nie erlebt“, sagt Geschäftsführerin Gabriele

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