Remshalden

Reinhard Molt mit großer Mehrheit gewählt

1/2
78f040af-3d16-4be2-9c30-65c9c474b862.jpg_0
Weinstadts Oberbürgermeister Michael Scharmann (rechts) gratuliert Wahlsieger Reinhard Molt. Schorndorfs Bürgermeister Thorsten Englert und Sven Müller, Bürgermeister von Winterbach, haben gute Laune. Der FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann hält das Ganze auf seinem Smartphone fest. © Gabriel Habermann
2/2
_1
Waren am Sonntagabend besonders schnell: Wahlhelfer beim Zählen der Stimmen. © Gabriel Habermann

Remshalden. Höchstens in seiner Deutlichkeit überraschend war das Ergebnis der Wahl am Sonntag. Mit knapp 72 Prozent der Stimmen setzte sich Reinhard Molt klar gegen seine Mitbewerber durch. Klaus Schäufele erzielte mit 19,7 Prozent einen Achtungserfolg. Die anderen Kandidaten blieben chancenlos. Der neue Bürgermeister war von dem Ergebnis „überwältigt“.

Es sollte kein langer Wahlabend werden am Sonntag im Remshaldener Rathaus. Bereits zwei Minuten nach 19 Uhr konnte Wahlleiter Dieter Schienmann ein vorläufiges Endergebnis präsentieren. Schneller hat das in den vergangenen, nicht gerade wahl-armen Wochen keine andere Gemeinde geschafft.

Doch jegliche Spannung war bereits um 18.19 Uhr verflogen, als der Wahlbezirk Grunbach-Südwest die erste Tendenz vorgab, raus. Mehr als drei Viertel der Wahlberechtigten hatten sich dort für den parteilosen Reinhard Molt entschieden. Zweitplatzierter mit gut 20 Prozent: Klaus Schäufele. Dahinter, weit abgeschlagen: Axel Fischer mit wenigen Prozenten. Völlig chancenlos: Thomas Hornauer und Fridi Miller.

Klaus Schäufele und Axel Fischer holen in Buoch viele Stimmen

Viel sollte sich daran im Laufe des Abends nicht mehr ändern. Mit jedem weiteren Wahllokal verfestigte sich der deutliche Vorsprung. Den einzigen markanten, wenn auch zu erwartenden Ausreißer hatten die Boucher zu verzeichnen. Zwei der Bewerber, Klaus Schäufele und Axel Fischer leben in diesem Teilort. Daher war es auch keine Überraschung, dass Molt dort lediglich 45,9 Prozent, Fischer hingegen 17,7 und Schäufele gar 34,7 Prozent der Wähler hinter sich vereinigen konnten.

Am Ende des Tages änderte auch dies nichts mehr am ziemlich deutlichen Sieg des 53-jährigen Architekten, für den das neue Amt eine Rückkehr bedeutet. Zwölf Jahre hatte Molt in Remshalden bereits gewirkt und als Technischer Beigeordneter und damit Bauamtsleiter maßgeblich jenes Rathaus architektonisch mitgestaltet, das er nun, so seine Planung, zum 1. Juli als Chef übernehmen wird.

Spagat zwischen Filderstadt und Remshalden

Bis dahin gibt es für den neuen Bürgermeister in Filderstadt aber noch eine Menge zu tun. Dort ist er seit 2012 Baubürgermeister und gerade mit der Fortschreibung des Flächennutzungsplans beschäftigt. Deshalb sei es für ihn, der in Lorch wohnt, auch ein ziemlicher Spagat gewesen, zeitgleich Wahlkampf in Remshalden zu führen. „Ich bin sehr froh und sehr dankbar, dass die Familie da mitgezogen hat“, sagte Molt am Wahlabend.

Von dem Ergebnis zeigte er sich „überwältigt“. Mit „viel Rückenwind“ könne er damit nun in die Legislaturperiode starten. „Es ist ein Ergebnis, das aber auch gleichzeitig ein Stück weit Demut auslöst“, so Molt, der sich seinen hohen Stimmenanteil damit erklärt, dass ihm seine Verwaltungserfahrung zugutegekommen sei und er in den zwölf Jahren als Bauamtsleiter wohl keinen schlechten Eindruck bei den Bürgern hinterlassen habe.

Thema Mobilität im Fokus

Als erste Amtshandlung werde er sich nun einen neuen Kämmerer suchen – angesichts der Haushaltslage der Gemeinde eine besonders wichtige Aufgabe. Außerdem versprach er, das Thema Mobilität anzupacken. Wobei er sich dabei nicht nur auf den Nahverkehr fokussieren, sondern weiterdenken wolle. Denn das sei ein Thema, das auch über Remshalden hinaus die Bürger bewege: „Die ganze Region muss sich damit beschäftigen. Denn wenn wir das nicht tun, dann werden wir irgendwann mal am Individualverkehr ersticken.“

Dieter Schienmann, Nachfolger von Molt im Amt des Technischen Beigeordneten der Gemeinde und unlängst selbst Bürgermeisterkandidat, war sichtlich froh über das „starke Mandat“ der Wähler für seinen neuen Chef. „Das freut uns alle ungemein. Wir heißen ihn herzlich Willkommen hier zurück im Rathaus nach sechs Jahren und freuen uns auf eine sehr gute Zusammenarbeit in der Zukunft“. Eine Aussage, für die er von den anwesenden Bürgern im Rathaus lang anhaltenden Applaus bekam.

Zwei kleine Schönheitsfehler gibt es von diesem Wahlabend im Rathaus jedoch noch zu verkünden: Von seinen Mitbewerbern um das Amt war keiner gekommen, um zu gratulieren. Und mit lediglich 48,9 Prozent fiel die Wahlbeteiligung eher schwach aus. Womöglich lag es am sonnigen Wetter. Vielleicht waren sich viele Remshaldener aber auch vorher schon recht sicher, wer an dem Abend das Rennen machen wird.

Stimmen zur Bürgermeisterwahl

Wolfgang Läpple, CDU-Gemeinderat, zur Wahlbeteiligung von unter 50 Prozent: „Ich habe auf 50 Prozent gehofft. Aber bei dem Wetter ist es kein schlechtes Ergebnis.“

Wahlsieger Reinhard Molt: „Das gibt Rückenwind für die Legislatur hier in Remshalden – wunderbares Ergebnis. Es ist eine Verpflichtung für die Verwaltung und den Gemeinderat.“

„Jetzt ist die Freakshow beendet.“ - Ein Wähler

Dieter Schienmann, Technischer Beigeordneter und Vorsitzender des Wahlausschusses: „Wir freuen uns auf eine sehr gute Zusammenarbeit. Welcome back, sagt man in England.“

Sigrid Pressel, FW/FDP-Gemeinderätin; „Ich bin froh, dass es ein deutliches Ergebnis im ersten Durchgang gegeben hat. Wir müssen wissen, wie es weitergeht.“

Ein Wähler zu der Tatsache, dass Reinhard Molt offenbar um seinen ersten möglichen Fassanstich herumkommt, bei dem sein Vorgänger Stefan Breiter in Serie scheiterte: „Er hat ja einen Vorteil: Wenn er am 1. Juli erst anfängt, dann ist das Straßenfest schon vorbei.“

Reinhard Molt zur Fassanstich-Frage selbstsicher: „Wenn die Vereine es sich vorstellen können, dann würde ich es tun.“

„Schäufele wäre der einzige ernsthafte Gegenkandidat gewesen, aber er ist zu spät eingestiegen.“- Ein Wähler.

Keiner von Molts Mitbewerbern zeigte sich im Rathaus, dazu ein Beobachter: „Das zeugt von wenig Anstand. Wenn ich auf dem Sportplatz verliere, dann muss ich hinterher dem Sieger gratulieren.“

Uli Hasert, BWV-Gemeinderat: „Es ist eindeutig und das ist gut.“ Und zu den Wählern von Klaus Schäufele: „Manche haben sich wahrscheinlich erhofft, dadurch etwas anderes zu bekommen. Aber was das Andere sein soll, das kann niemand benennen.“

„Die Vernunft hat gesiegt.“ - Rudi Pfaller.

Walter Kern: „Viele haben gesagt: Nur ein wählbarer Kandidat – das ist doch keine Demokratie. Da haben die Leute ein falsches Verständnis von Demokratie: Da darf man Kandidaten, die anders gestrickt sind, nicht zu früh ausschließen.“

Frank Nipkau, ZVW-Chefredakteur im Wahlstudio: „Die Kandidatur von Axel Fischer ist ein Skandal. Dies beschädigt das Ansehen von Remshalden.“

Hätte man Axel Fischer, der sich mit zweifelhaften Aussagen in die Ecke der verfassungsfeindlichen „Reichsbürger“-Szene gerückt hat, von der Wahl ausschließen müssen? Dieter Schienmann als Vorsitzender des Wahlausschusses antwortete auf die Kritik von ZVW-Chefredakteur Frank Nipkau, der Ausschuss hätte für den Ausschluss entscheiden können und müssen: „Dem widersprechen wir an dieser Stelle massiv. Wir haben unsere Entscheidung, alle Kandidaten zuzulassen, nach besten Wissen und Gewissen getroffen und stehen dazu.“

Die Wahlausschussmitglieder äußerten sich genauso. Wolfgang Läpple (CDU): „Die Bürgerschaft hat es aus meiner Sicht souverän entschieden. Eine Wahlanfechtung durch Axel Fischer hätte uns überhaupt nicht weitergebracht.“

Sigrid Pressel (FW/FDP): „Uns hat die wirklich fundierte rechtliche Grundlage gefehlt. Wir haben gewusst, unsere Remshaldener Bürger wissen, was sie wählen.“

Harald Bay (SPD): „Remshalden ist nie eine Hochburg der Reichsbürger. Das kann man am Ergebnis von Axel Fischer sehen.“