Remshalden

Remshalden bekommt seinen Naturkindergarten: Aber wo soll er hin?

Waldkindi
Kinder im Waldkindergarten: Remshalden sucht einen Standort für eine naturnahe Betreuungseinrichtung. © Benjamin Büttner

„Ja“ zu einem Naturkindergarten hat der Remshalderer Verwaltungsausschuss jetzt gesagt. So könnten schnell 20 weitere Betreuungsplätze für Kinder ab drei Jahren geschaffen werden. Schon im September 2023 sollen die ersten Kinder mitten in der Remshaldener Natur betreut werden.

An Ausgaben kommen auf die Gemeinde dann die Kosten für eine Schutzunterkunft und die baulichen Maßnahmen in Höhe von rund 120.000 Euro zu. Weiterhin braucht’s Möblierung und Ausstattung im Wert von rund 15.000 Euro und jährliche Personalkosten in Höhe von etwa 150.000 Euro.

Salenhäule: Favorit der Verwaltung, Ausschussmitglieder skeptisch

Fraglich ist nun einzig noch, wo der Waldkindergarten stationiert werden soll. Zusammen mit einer Vertreterin des Kommunalverbands für Jugend und Soziales (KVJS) hatten im Voraus Begehungen vier möglicher Standorte stattgefunden: am Salenhäule, an der Buchklinge, am Bürgerpark und am Schweinbach.

Favorit der Verwaltung und des KVJS ist die Fläche am Salenhäule hinter Buoch. Der Standort konnte wegen der vielen verschiedenen abwechslungsreichen Waldabschnitte überzeugen, die außerdem leicht für Kinder gesichert werden können. Zudem befindet sich der Standort wirklich mitten in der Natur. Eine sichere Anfahrt ist zudem möglich.

Die meisten der interessierten Eltern wohnen im Remshaldener Tal

Indes war das Gremium nicht wirklich begeistert über den von der Verwaltung präferierten Standort. Schließlich - so sah man’s in den Reihen von ALi, SPD und FDP/FW - liege der schon sehr weit von der Mehrzahl der interessierten Remshaldener Familien entfernt.

An einer Umfrage, die im örtlichen Mitteilungsblatt ausgeschrieben war, hatten sich 137 Familien beteiligt. Ein Großteil von ihnen zeigte Interesse an einem naturnahen (Wald-)kindergarten. 49 dieser Familien wohnen in Grunbach, 57 in Geradstetten, weitere in den übrigen Teilorten.

Ist die Waldschenke gar nicht zu gebrauchen?

Zwar haben immerhin 91 Familien angegeben, auch bereit zu sein, in einen anderen Ortsteil zu fahren, um ihre Kinder dort hinzubringen, Sigrid Pressel (FDP/FW) aber bezweifelte, dass sich das auch auf eine Anfahrt in Richtung Buoch beziehe. Schließlich sei es durchaus ein Unterschied, ob man sein Kind morgens von Grunbach nach Geradstetten oder von Geradstetten nach Buoch bringe.

Zudem störte sie die Tatsache, dass es auf dem Salenhäule mit der alten Waldschenke eigentlich eine Unterkunft gäbe, trotzdem aber ein Bauwagen aufgestellt werden müsste. Bürgermeister Reinhard Molt erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass aktuell rund ein Dutzend ukrainischer Geflüchteter in den Räumen Unterschlupf gefunden habe.

Sorge: Hol- und Bringtourismus

Weiterhin habe man seitens der Verwaltung langfristig durchaus die Idee, an dem zur Naherholung geeigneten Ort wieder eine Gastronomie zu etablieren. Für die „Schutzunterkunft“ eines Waldkindergartens sei die Waldschenke ohnehin erheblich „zu üppig“.

Auch Sandra Gaupp (SPD) war vom Salenhäule-Standort wenig begeistert: „Ich finde die grundsätzliche Idee sehr gut.“ Der Standort hinter Buoch würde aber einen Hol- und Bringtourismus nach sich ziehen. „Da will man besonders naturnah sein, legt dann aber enorme Strecken zurück“, gab sie zu bedenken. Das passe nicht wirklich zusammen.

Standort am Bürgerpark zu wenig naturnah?

Daher plädierte sie für den zentraleren Standort in der Nähe des Schweinbachs bei Geradstetten. Und auch für Lennard Volk (ALi) spricht die weite Entfernung zu den Teilorten im Tal gegen einen Standort am Salenhäule. Carmen Siegle-Kindsvater (BWV) war es vor allen Dingen wichtig, dem Bedarf der Eltern nach einer solchen Einrichtung nachzukommen – unabhängig von dem Standort, an dem diese verwirklicht werden könnte.

Der Standort am Bürgerpark fiel beim KVJS wegen zu wenig Naturnähe beziehungsweise zu viel Straßennähe durch. Die Buchklinge habe ebenfalls einige Schwachstellen. Zuvorderst sei der nahe Waldabschnitt für Kinderbeine zu gefährlich, ihn sicher zu halten, wäre für den Förster aufwendige, zeitraubende Handarbeit.

Buchklinge: Gefährlich und abenteuerlich?

Zudem gebe es in unmittelbarer Nähe einen Müll-Auffüllplatz, und Weinberge, von denen man nicht wisse, ob sie gespritzt würden oder nicht, ergänzte Molt die Negativliste dieses Standortes. Damit hätten die Kinder nicht viele verschiedene Möglichkeiten, von ihrem Bauwagen auf Sportplatzhöhe auszuschwärmen.

Weiter im Rennen bleibt allerdings der Standort am Schweinbach in Geradstetten in der Nähe zur Winterbacher Gemarkungsgrenze. Hier sei der Wald zwar nicht so variantenreich, aber immerhin eben und sicher.

Idee: Doppelnutzung des Aktivspielplatzes

Zusätzlich ins Spiel gebracht wurde nun noch das Gelände des Aktivspielplatzes. Es steht die Frage im Raum, ob die durch die Offene Jugendarbeit vorhandene Infrastruktur nicht vormittags für einen naturnahen Kindergarten genutzt werden könnte, während nachmittags weiterhin die Jugendarbeit die Fläche in Beschlag nimmt.

Dagegen spreche allerdings – so Melanie Pfrommer (Sachgebietsleiterin Kita und Schulen) -, dass zum einen rund um den Aktivspielplatz reichlich Wohnbebauung und auch Straßen vorhanden seien, eine besondere Naturnähe also nur bedingt gegeben sei. Zudem sei der KVJS eher zurückhaltend in der Genehmigung von Doppelnutzungen in Zusammenhang mit der Kindertagespflege.

Drei mögliche Standorte sollen weiter geprüft werden

Dennoch beauftragten die Ausschussmitglieder die Verwaltung nun dahingehend, die Standorte Aktivspielplatz, Schweinbach und Salenhäule zusammen mit den Vertreterinnen des KVJS und unter Beteiligung der Behörden (Forst, Naturschutz, Baurecht) konkreter zu untersuchen.

„Ja“ zu einem Naturkindergarten hat der Remshalderer Verwaltungsausschuss jetzt gesagt. So könnten schnell 20 weitere Betreuungsplätze für Kinder ab drei Jahren geschaffen werden. Schon im September 2023 sollen die ersten Kinder mitten in der Remshaldener Natur betreut werden.

An Ausgaben kommen auf die Gemeinde dann die Kosten für eine Schutzunterkunft und die baulichen Maßnahmen in Höhe von rund 120.000 Euro zu. Weiterhin braucht’s Möblierung und Ausstattung im Wert von rund 15.000

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