Remshalden

Remshalden: Nachfolge für Awo-Heimleiterin Ursula Woessner-Ackermann noch unklar

Awo-Abschied
Ursula Woessner-Ackermann gibt die Leitung des Awo-Pflegeheimes ab. © Benjamin Büttner

„Das Pflegeheim war in Remshalden von Anfang an so richtig erwünscht“, erinnert sich Ursula Woessner-Ackermann. „Das war wirklich besonders.“ Schon bevor der erste Bewohner ins Heim neben dem Rathaus eingezogen war, gab's schon den Förderverein. Es folgten etliche Jahre des enormen Engagements.

Das hat die nun scheidende Heimleiterin tief beeindruckt. Bevor Corona alles änderte, gab's mehr als 40 Ehrenamtliche, die regelmäßig ein und aus gingen, den Heimbewohnern auf die unterschiedlichsten Weisen schöne Stunden bereiteten und sie außerdem immer wieder mit selbst gebackenen Kuchen versorgten.

Corona: Bestimmt noch immer den Alltag im Pflegeheim

Seit die Pandemie vor mehr als zwei Jahren über die Welt hereingebrochen ist, hat sich aber alles verändert. Sämtliche Besucher wurden ausgeschlossen, Masken wurden Pflicht und bereiteten nicht wenigen Bewohnern echte Probleme. Und selbst jetzt, wo draußen das Leben wieder seinen beinahe gewohnten Gang geht, im Heim ist Corona noch eine tägliche Realität.

„Wir haben seither nicht einen Tag ohne Maske gearbeitet“, berichtet Woessner-Ackermann. Zudem hält nur Einlass, wer frisch negativ getestet ist.

Woessner-Ackermann: Job mit vielen Herausforderungen

Und auch die Besucher müssen ihre Masken tragen. Klar ist dementsprechend auch: Die beliebten Bingospiele mit den Ehrenamtlichen haben noch nicht wieder stattgefunden. Solche Dinge funktionierten einfach nicht gut mit Masken. Und so haben sich die Reihen der Ehrenamtlichen gelichtet.

Dennoch gab's etliche Hofkonzerte, die Schülerinnen und Schüler der Gemeinde haben für die Bewohner gebastelt, ihnen Briefe geschrieben. Natürlich ist auch die ehrenamtliche Arbeit inzwischen wieder angelaufen, wenn auch mit Handbremse. Auch die Feste im Jahresverlauf werden wie gehabt mit reichlich Kreativität gefeiert - eben unter den gegebenen Bedingungen.

Arbeitszeit freiwillig verlängert

„Eigentlich wollte ich das Heim im Vor-Corona-Zustand übergeben“, berichtet die Leiterin. Deshalb hatte sie vergangenen Herbst, als sie eigentlich schon in Rente hätte gehen können, freiwillig verlängert. Aber nun, ein Jahr später, sieht's noch immer nicht besser aus. Zudem konnte die Nachfolge bisher noch nicht geklärt werden.

Noch immer sucht man bei der Awo eine geeignete, ausreichend qualifizierte Person für ihre Aufgabe. So jemand ist gar nicht so leicht zu finden, weiß Woessner-Ackermann. Zudem ist der Job auch alles andere als ein Spaziergang.

"Abschiedstournee" einer Heimleiterin

Bis also die künftige Heimleitung gefunden ist, verlängert Ursula Woessner-Ackermann nochmals ein wenig, um das Awo-Heim, in dem aktuell rund 105 Menschen leben und 130 Personen arbeiten, in diesen Zeiten nicht führungslos zurückzulassen. „Ich bin quasi auf Abschiedstournee“, witzelt sie mit einem Vergleich von ihrer Verabschiedungsfeier. Aber alles gut, findet sie und lacht. „Solange ich dem Heim den Rücken kehren kann, bevor ich gefragt werde, in welchem Zimmer ich wohne.“

Nicht nur die Corona-Auflagen machten Heimleitern derzeit das Leben schwer, berichtet sie. Auch der enorme Mangel an Fachkräften sorge für Kopfzerbrechen. Deshalb rekrutiere auch die Awo schon seit Jahren viele Arbeitskräfte aus dem Ausland.

Internationale Gäste müssen lange auf Genehmigungen warten

Allerdings sei das gar nicht so einfach. Oft müssen die Auszubildenden aus anderen Ländern allzu lange warten, bis sie überhaupt eine Einreiseerlaubnis bekommen – auch wenn die Nachweise über die entsprechenden Deutsch-Kenntnisse längst vorliegen. Dann braucht's noch eine Aufenthaltsgenehmigung, eine Arbeitserlaubnis.

Und selbst wenn die internationalen Mitarbeiter längst gut ausgebildete Mitglieder des Teams sind, ist ab und an nicht klar, ob sie in den Dienstplan des kommenden Monats eingeteilt werden können. Zu kurzfristig werden die Arbeitserlaubnisse oftmals verlängert.

Unnötiger Stress

Das ist Druck für die Pflegekräfte - schließlich hängt ihr gesamtes hier aufgebautes Leben davon ab. Aber auch für die Heimleitungen ist es purer Stress. Unmöglich findet Woessner-Ackermann das.

Übrigens - sie selbst hatte alles von der Pike auf gelernt: Nach der Schule im Kreis Rottweil machte sie eine Lehre als Wirtschafterin, schloss eine weitere als Altenpflegerin an. Sie arbeitete als Pflegerin, dann als Wohnbereichsleiterin. Schließlich machte sie sich mit einer Kollegin in Stuttgart mit einem mobilen Pflegedienst selbstständig.

Abstecher ins Qualitätsmanagement

Als der Markt nach der Pflegereform jedoch mit solchen Diensten geflutet wurde, machte sie eine Fortbildung in Sachen Qualitätsmanagement. Das lag ihr derart, dass sie zunächst nicht in die aktive Pflege zurückkehrte, sondern als Dozentin in diesem Bereich durch ganz Deutschland reiste.

Mit Anfang 40 schließlich kehrte sie zurück in die Praxis und übernahm zunächst die Leitung des Pflegeheimes in Winterbach, um 2006 die Leitung des Awo-Hauses „An den Weinbergen“ zu übernehmen. Nun verlässt sie die Arbeitswelt und freut sich schon sehr darauf, bald im Ehrenamt mit jüngeren Menschen zu arbeiten.

„Das Pflegeheim war in Remshalden von Anfang an so richtig erwünscht“, erinnert sich Ursula Woessner-Ackermann. „Das war wirklich besonders.“ Schon bevor der erste Bewohner ins Heim neben dem Rathaus eingezogen war, gab's schon den Förderverein. Es folgten etliche Jahre des enormen Engagements.

Das hat die nun scheidende Heimleiterin tief beeindruckt. Bevor Corona alles änderte, gab's mehr als 40 Ehrenamtliche, die regelmäßig ein und aus gingen, den Heimbewohnern auf die

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