Remshalden

Remshalden will weniger Lärm: Tempo 100 auf der B 29, 30 innerorts?

Laermgutachten
Fraglich, ob der Bund die Geschwindigkeit auf der B 29 wirklich einschränkt. © Gaby Schneider

Ein durch und durch leises Pflaster ist Remshalden nicht gerade. So manches Wohngebiet in der Nähe von Bundesstraße und Ortsdurchgangsstraße ist erheblichem Lärm ausgesetzt. Jetzt hat die Gemeinde beide Straßen auf die europäischen Grenzwerte zur Lärmbelastung hin prüfen lassen.

Laut Bundesimmissionsschutzgesetz sind die Kommunen nämlich dazu verpflichtet, einen Lärmaktionsplan in ihrem Gebiet zu erstellen, zumindest für Straßen, auf denen mehr als 8200 Fahrzeuge pro Tag fahren. Knapp 56 000 passieren Remshalden täglich auf der Bundesstraße. Die Kreisstraße, durch die Ortsmitte führend, hat die Gemeinde freiwillig untersuchen lassen, hier fahren täglich rund 6200 Fahrzeuge, die Lärmbelastung an ihr ist kein Geheimnis.

Ab 65 Dezibel: Gesundheitliche Gefahren

Und tatsächlich - die Ergebnisse des beauftragten Büros legen ein Handeln nahe. An etlichen Stellen werden Grenzwerte erreicht, die auf Dauer gesundheitsschädlich sind. Denn wer tags permanent Straßenlärm in Höhe von 65 Dezibel (dB) ausgesetzt ist, hat beispielsweise ein zu 20 Prozent erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Von solchem Lärm sind aufgrund der Bundesstraße in Grunbach 34 Personen in Hauptwohngebäuden, in Geradstetten/Hebsack 29 Personen betroffen.

Die Ortsdurchgangsstraße führt in Grunbach bei 122 Personen in 21 Hauptwohngebäuden für eine derartig starke Belastung. In Geradstetten/Hebsack sind 368 Personen in 74 Gebäuden betroffen. Nachts gilt ein dB-Wert von mehr all 55 dB als Handlungsaufforderung. In Grunbach sind dem 243 Personen, in Geradstetten/Hebsack sogar 497 Menschen ausgesetzt.

Verpflichtende Maßnahmen aber erst ab 70 dB

Das Problem: Obwohl laut Verkehrslärmschutzverordnung aus Gründen des Gesundheitsschutzes schon ab 65 dB etwas gegen den Lärm unternommen werden soll, sind Maßnahmen zur Lärmreduzierung laut Bundesgesetz aber erst ab einem Grenzwert von 70 dB verpflichtend. Was die Bundesstraße betrifft, könnte es daher schwer werden, entsprechende Maßnahmen beim Straßenbaulastträger (dem Bund) zu erstreiten.

Der Kreis - so vermutet’s Bürgermeister Molt - werde wahrscheinlich eher im Rahmen seines Ermessensspielraumes zugunsten der Einhaltung der europäischen Grenzwerte und der Gesundheit der Bürger entscheiden, weshalb er mehr Erfolgsaussichten für die Beruhigung der Kreisstraße in der Ortsmitte sieht.

Etliche betroffene Häuser stehen schon leer

Besonders betroffen sind in Grunbach Anwohner der Reinhold-Maier-Straße rund um die Einmündung der Olgastraße, die nach Buoch führt, bis hin zur Stauferstraße. Zudem werden die Anwohner an der Unteren und Oberen Hauptstraße in Geradstetten zwischen Neuem Rathaus und Altem Friedhof und an der Geradstettener Straße in Hebsack in der Nähe des Weraheims von dem Lärm geplagt.

Tatsächlich, darauf wies auch Planer Wolfgang Wahl vom Büro Rapp in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates hin, sei es auffällig, dass etliche der betroffenen Wohnhäuser derzeit leerstünden. Dass das am Lärm liegen könnte, sei zwar eine Mutmaßung, dafür aber eine nahe liegende. Schließlich mindere stetige Lärmeinwirkung nicht nur die Lebensqualität für die Bewohner, sondern auch den Wert von betroffenen Immobilien.

Ebenfalls hilfreich: Schallschluckender Fahrbahnbelag

Der Gemeinderat hat nun auf der Grundlage einer Wirkungsanalyse einen Lärmentwicklungsplan eingebracht, auf dessen Basis konkrete Maßnahmen forciert werden sollen. Darin integriert werden könnte zum einen das Aufbringen von schallschluckendem Fahrbahnbelag. Der aber kann erst dann erstellt werden Remshalden mit einer Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde herausholen.

In Grunbach würde die Temporeduzierung auf 440 Metern an der Reinhold-Maier-Straße zu einem Fahrtzeitverlust von 21 Sekunden führen. An dem Geradstettener/Hebsacker Streckenabschnitt würde die vorgeschlagene Geschwindigkeitsreduzierung auf 1,5 Kilometern einen Fahrtzeitverlust von maximal 27 Sekunden produzieren.

Deutliche Reduzierung des Lärms durch nächtliche Geschwindigkeitsbegrenzung

Gleichzeitig aber könnte durch diese Maßnahmen die Anzahl der von Lärm betroffenen Menschen deutlich reduziert werden. Rund ein Drittel weniger Menschen wären dann tagsüber beeinträchtigt. Nachts sogar beinahe zwei Drittel. Besonders effizient wären diese Maßnahmen entlang des Hebsacker Streckenabschnitts: Nach der Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit könnte die Anzahl der von dem 65-dB-Grenzwert Betroffenen teils um 90 Prozent reduziert werden. Nachts könnten die Betroffenheiten (bei einem niedrigeren dB-Wert) immerhin beinahe halbiert werden.

Weitere Entlastung könnte laut Gemeinderatswunsch (sechs Gegenstimmen, eine Enthaltung) eine ganztägige Reduktion der Fahrgeschwindigkeit auf der B 29 von 120 auf 100 Stundenkilometer bringen - dies auf einer Strecke für 2,2 Kilometer.

Schallschutzwände - effizient und teuer

Effizientestes, aber auch teuerstes Mittel, um den Verkehrslärm zu reduzieren, sind die Bundesstraße betreffend Schallschutzwände. Immerhin um zehn bis 20 dB könnte der Lärm mit einer solchen Maßnahme verringert werden. Tobias Schädel (BWV) und Dr. Uli Hasert (BWV) setzten sich in der Gemeinderatsitzung dafür ein, dieses Thema nicht grundsätzlich aus den Augen zu verlieren - immerhin sei auf den Lärmkarten der Planer erkennbar, dass die Anwohner im Hebsacker Sonnenrain erhebliche Lärmbelastungen von mehr als 65 dB tagsüber aushalten müssten, genau dort beginnend, wo die Wirkung des bestehenden Lärmschutzwalls aufhört.

Der neue CDU-Fraktionsvorsitzende Felix Wiesner sah in den Bemühungen ums Tempo 30 an der Ortsdurchgangsstraße den Versuch, durchzusetzen, was noch unter Bürgermeister Breiter per Online-Umfrage von den Remshaldenern abgelehnt worden war. Damals hatte sich nämlich die Mehrheit der Remshaldener gegen eine solche Verlangsamung des Verkehrs in der Ortsmitte ausgesprochen.

Volk: Innerorts 50 km/h aus Sicherheitsgründen kaum zu halten

Dagegen konterte Lennard Volk (ALi), dass, wer verantwortungsbewusst fahren wolle, unter Remshaldener Bedingungen innerorts gar nicht an 50 Stundenkilometer festhalten könne. Gerade den Sicherheitsaspekt betrachtend spreche rein gar nichts für diese Geschwindigkeit.

Und Roland Schanbacher (BWV) sprach sich dafür aus, den Aktionsplan zunächst strenger zu gestalten, um den Anwohnern der Durchgangsstraße am Ende der Verhandlungen wenigstens ein wenig Erleichterung verschaffen zu können. Außerdem hielt er es auch für sinnvoll, die Tempo-100-Beschränkung über den Lärmschutzwall hinaus zu verlängern.

Übrigens: Zusätzlich hat sich der Gemeinderat dafür ausgesprochen, die Geschwindigkeit auf der Kreisstraße zwischen Geradstetten und Grunbach auf 50 Stundenkilometer zu reduzieren.

Ein durch und durch leises Pflaster ist Remshalden nicht gerade. So manches Wohngebiet in der Nähe von Bundesstraße und Ortsdurchgangsstraße ist erheblichem Lärm ausgesetzt. Jetzt hat die Gemeinde beide Straßen auf die europäischen Grenzwerte zur Lärmbelastung hin prüfen lassen.

Laut Bundesimmissionsschutzgesetz sind die Kommunen nämlich dazu verpflichtet, einen Lärmaktionsplan in ihrem Gebiet zu erstellen, zumindest für Straßen, auf denen mehr als 8200 Fahrzeuge pro Tag fahren. Knapp

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