Remshalden

Remshalden, Winterbach und Kernen stellen zusammen ein Klimamanager-Team ein

Klimamananger
Die Bürgermeister aus Remshalden, Kernen und Winterbach: Reinhard Molt, Benedikt Paulowitsch und Sven Müller (von links). © Gaby Schneider

Ein Schulterschluss der besonderen Art ist’s. Gemeinsam stellen die Gemeinden Winterbach, Remshalden und Kernen Klimamanager ein. Zweieinhalb Stellen sollen es sein. Die mindestens drei Angestellten sollen sich künftig darum kümmern, die Gemeinden in Sachen Klimaschutz fit für die Zukunft zu machen. Immerhin sei klar: „Wir müssen uns auf die Klimaveränderungen, die auf uns zukommen, einstellen“, so der Remshaldener Bürgermeister Reinhard Molt bei einem Pressetermin.

Die Initiative für die Zusammenarbeit ging von Kernen aus. „Es war klar, dass Klimaschutz eine zentrale Rolle in meiner Amtszeit spielen soll“, sagt dessen Bürgermeister Benedikt Paulowitsch. Auch aus dem Kernener Gemeinderat seien verschiedene Bitten gekommen, sich dem Thema anzunehmen. „Ich habe dann gesagt, dass ich das interkommunal prüfe, da viele Herausforderungen für die Kommunen ähnlich sind.“

Synergieeffekte durch Zusammenarbeit

„Interkommunal können wir mehr erreichen als alleine“, sagt so auch der Winterbacher Bürgermeister Sven Müller. Im Zuge des Fachkräftemangels würde es den Gemeinden alleine viel schwieriger fallen, geeignetes Personal zu finden. Zudem sei die Arbeit im Team wichtig. „Dann haben die einzelnen Personen vielleicht auch ein Stück weit die Chance, sich zu spezialisieren“, so Paulowitsch. Die drei Bürgermeister erhoffen sich durch die Zusammenarbeit Synergieeffekte – und dass einige Themen effizienter und vielleicht sogar insgesamt wirtschaftlicher angegangen werden können, wenn die drei Kommunen zusammenarbeiten.

Auf die Frage, was die neuen Klimamanager konkret angehen sollen, nennt Reinhard Molt drei Themen, die er als besonders wichtig erachtet: Wohnungsbau, Industrie und Mobilität. „Das sind für mich die Schwerpunktbereiche“, sagt er. Wenn jetzt nicht in den Klimaschutz investiert werde, seien die Folgekosten des Klimawandels später viel teurer.

Einen Dank dafür, dass sie das Thema so mutig angehen, spricht Benedikt Paulowitsch an die Gemeinderäte der drei Kommunen aus. „Es ist nicht so, dass wir um uns herum lauter interkommunale Geschäftsstellen für den Klimaschutz haben“, stellt er fest. Die Gemeinderäte in Kernen, Remshalden und Winterbach haben sich allesamt mit großer Mehrheit oder einstimmig für das Projekt ausgesprochen.

Wie die Zusammenarbeit funktionieren soll

Klimamanager und Klimaschutzbeauftragte sollen künftig Sorge tragen für das Entdecken der wesentlichen Stellschrauben, das Akquirieren der richtigen Fördergelder – für all das brauche es Kümmerer. Solche, die auch der Verwaltung das ein oder andere Mal auf die Füße treten, damit sie sich in die richtige Richtung bewegt. Statt die künftigen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter einzeln in den Kampf gegen Energiefresser und Klimazerstörung zu schicken, soll sich nun also ein gemeinsames Team auf den Weg machen. Das sei auch deshalb sinnvoll, weil alle drei Kommunen Miteigentümer der Remstalwerke sind. Zudem mache der Klimaschutz nicht auf der Gemarkungsgrenze Halt, eine gemeinsame Suche nach breiteren Lösungen sei also in jedem Fall erstrebenswert. Weitere Ersparnisse bringt zudem eine gemeinsame Infrastruktur in einem Büro. Welchem der drei Rathäuser das nun angegliedert werden soll, muss noch geklärt werden. Hauptsächlich soll nach Raumverfügbarkeiten entschieden werden.

Gesamtkosten für Jahr und Kommune belaufen sich auf rund 24 000 Euro

Mit dem Landes-Förderprogramm „Klimaschutz Plus“ können unter anderem mindestens drei Jahre lang die Personalkosten einer halben Stelle eines „Beauftragten für eine klimaneutrale Verwaltung“ zu 65 Prozent gefördert werden. Bei einer frühzeitigen Verpflichtung für ein langfristiges Engagement kann die Förderung auf fünf Jahre ausgeweitet werden. Das macht nach Abzug der Fördergelder pro Kommune jährliche Kosten von 11 000 Euro aus. Bei den eineinhalb Stellen Klimaschutzmanagement würden sich die Gesamtkosten pro Jahr auf rund 150 000 Euro belaufen. Nach Abzug der möglichen Förderung blieben hier rund 37 500 Euro übrig. Aufgeteilt auf drei Kommunen würde jede Kommune dafür jährlich rund 13 000 Euro (netto) aufwenden müssen. Somit belaufen sich die Gesamtkosten pro Jahr und Kommune für den interkommunalen Ansatz auf rund 24 000 Euro (netto).

Aber nicht nur die drei Bürgermeister sind hochzufrieden mit der neuen Kooperation. Die Remshaldener Gemeinderatsfraktionen konnten sich in ihrer jüngsten Sitzung nicht einigen, wer sich nun am meisten über den Zusammenschluss freute. Dr. Uli Hasert (BWV) zeigte sich erleichtert darüber, dass man nun endlich das Thema Klimaschutz ernst nehme und verstetigen wolle. Die Fördertöpfe von Land und Bund sollten dafür natürlich ausgeschöpft werden. „Es ist eine große Aufgabe, aber sie ist machbar.“

Fraktionen freuen sich größtenteils über die neu geschaffenen Stellen

CDU-Vorsitzender Felix Wiesner betonte noch einmal, wie wichtig seine Fraktion den Klimaschutz finde. Zudem habe die Gemeindeverwaltung eine Vorbildfunktion für die Bürger und solle deshalb mit gutem Beispiel vorangehen. Gleichzeitig müsse sich die Gemeinde im Klaren darüber sein, was finanziell auf sie zukommen könnte, wenn in drei Jahren die Fördermittel für die Stellen ausliefen. 32 000 Euro könnten dann nämlich pro Kommune pro Jahr fällig werden.

Konkrete Ziele für die Klimaschützer bestimmen

„Die ALi [Alternative Liste] freut sich vielleicht noch ein bisschen mehr als die anderen“, überlegte Lennard Volk in seinem Statement. Immerhin ist der Klimaschutz ein urökologisches Thema und steht damit ganz oben auf der Agenda seiner Fraktion. Das Vorhaben, die Klimaschutzmanager interkommunal und als Stabstellen neben den Bürgermeistern zu etablieren, fand er optimal. Allerdings halte er es für notwendig, noch einmal durchzudiskutieren, in welchem der drei Orte die Geschäftsstelle etabliert werden soll. Außerdem wünschte er sich, dass konkrete Ziele formuliert werden - beispielsweise eine bis 2035 zu erstrebende Klimaneutralität.

Harald Bay mochte das nicht so auf sich sitzenlassen. Während er Volk inhaltlich zustimmen konnte, mutmaßte er mit einem verschmitzten Unterton, dass seine SPD-Fraktion sich wohl noch ein wenig mehr als die ALi freue. Immerhin habe man schon 1992 dafür gesorgt, dass die Gemeinde dem Klimabündnis beigetreten war. Allerdings: „Was haben wir in den 29 Jahren gemacht?“ Seine Antwort folgte auf dem Fuß. „Zu wenig“. Das müsse sich nun schnellstens ändern. „Endlich kommt die Sache auf den Weg.“ Angefangen von verwendeten Baustoffen bis hin zu konkreten Zielen. Wichtig sei außerdem, dass die Inhalte nicht nur von den Bürgermeistern festgelegt würden, sondern auch aus jedem Gemeinderat ein Abgesandter jeder Fraktion an den Entscheidungsrunden teilnehmen könnte.

Letzte Bewerberin um die Stelle als glücklichste Klima-Fraktion war nun die FDP, vertreten von Bernd-Günter Barwitzki. Er versicherte, man würde sich in seinen Reihen ebenfalls ganz außerordentlich freuen, wenn nicht sogar am meisten, schließlich habe seine Fraktion im Rahmen der Haushaltsberatungen den entsprechenden Antrag eingebracht.

Kritik und Unverständnis gab’s aber auch

Nicht in die Lobeshymnen einreihen mochte sich Werner Wochinger (CDU). Er kritisierte das Vorhaben, Klimamanager einzustellen, grundsätzlich. „Das sind hohe Kosten und man weiß nicht genau, was das Ziel der Klimabeauftragten ist.“ Dafür wisse man doch im Grunde genau, wie man klimabewusst handeln könnte. „Es geht um die Einsparung von CO2.“ Dafür müsse man eben die Energieformen umwandeln, beispielsweise hätte man schon längst die Straßenlaternen auf LED umstellen können oder Regenwaldprojekte unterstützen können. Mit dem Geld, das man nun für die Klimaschutzbeauftragten ausgebe, könne man umgehend aktiv werden und konkrete Projekte angehen, fand er. Konsequenterweise, allerdings auch als Einziger, stimmte er bei der späteren Abstimmung gegen die Einrichtung der beiden interkommunalen Stellen.

Ein Schulterschluss der besonderen Art ist’s. Gemeinsam stellen die Gemeinden Winterbach, Remshalden und Kernen Klimamanager ein. Zweieinhalb Stellen sollen es sein. Die mindestens drei Angestellten sollen sich künftig darum kümmern, die Gemeinden in Sachen Klimaschutz fit für die Zukunft zu machen. Immerhin sei klar: „Wir müssen uns auf die Klimaveränderungen, die auf uns zukommen, einstellen“, so der Remshaldener Bürgermeister Reinhard Molt bei einem Pressetermin.

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