Remshalden

Remshaldener im Einsatz für die Ukraine: Spendenmarathon seit März

Ukrainehilfe
Jeden Mittwoch sammelt Magda Kunze (r.) in ihrem Laden Ridentity Spenden für die Ukraine. © Gaby Schneider

Magda Kunze ist eine treue Seele. Und sie packt und schleppt, und telefoniert in einem fort. Seit Monaten sammelt sie in ihrem Remshaldener Laden für personalisierte Reitsportartikel Spenden für die Ukraine. Und weil so viele andere Menschen auch helfen wollen, bimmelt ihr Handy wieder und wieder.

Immerhin: Inzwischen ist mehr Struktur entstanden. Wo sie anfangs noch viel alleine organisierte, der Laden unter Kisten mit Hilfsgütern zu verstopfen drohte, steht mittlerweile ein Verein im Hintergrund. „Leben helfen Leben“ heißt der und bündelt das Engagement von vielen Remshaldenern und auch etlichen Esslingern.

Ein Hilfstransport-Wochenende kostet Kraft

In der Stadt jenseits des Schurwaldes sammelt nämlich auch Bauunternehmer Grzegorz Zujko Spenden. Gemeinsam mit Magda Kunze und ihren Helferinnen und Helfern organisiert er seit März Hilfstransporte in die Ukraine.

Zusammengebracht wurden beide über Freunde, die mitbekamen, dass sie unabhängig voneinander aktiv geworden waren. Seither organisieren sie gemeinsam die Touren. Bis unters Dach vollgestopfte Sprinter fahren nun regelmäßig Richtung Osten. Zunächst noch oft im Konvoi mit sieben anderen Wagen.

Am Freitag geht es wieder in die Ukraine

Ebenfalls häufig mit dabei ist Krystian Pazda, der schon etliche Urlaubstage geopfert hat, um wieder und wieder mit einem kleinen Bus in die Grenzregion zu fahren. Vielen Menschen hat er so die Flucht aus dem Kriegsgebiet ermöglicht. Inzwischen ziehen alle an einem Strang und schicken alle eineinhalb Monate einen Transporter in die Ukraine. Am kommenden Freitag fahren Zujko und Pazda wieder los.

Und das ist durchaus anstrengend. Wer freitagabends aufbricht, um montagabends zurückzukehren, ist hinterher geschlaucht. Und zwar so richtig. Die nächsten ein, zwei Tage, so berichtet es Magda Kunze, brauche man, um sich zu erholen und die vielen Eindrücke zu verarbeiten.

Türen, deren Griffe in die Hand einschneiden

„Ich werde nie vergessen, was ich an der Grenze erlebt habe“, sagt Zujko, der aussieht wie einer, den man nicht so leicht aus der Fassung bringt – breites Kreuz, fröhliches Lächeln, hemdsärmelig. Aber die Szenen der Flucht haben auch ihn erwischt: verzweifelte Mütter, links an der Hand ein Kind, auf dem Arm ein zweites, dazu eine schwere Ikea-Tüte mit Habseligkeiten, dahinter eine aufgelöste Oma.

„Ich spüre bis heute noch, wie schwer die Tüten waren, die ich geholfen habe zu tragen“, erzählt er. Nur zwei Taschen durften die aus der Ukraine Flüchtenden anfangs mit in den Zug nehmen. Und sie waren randvoll bis oben.

Pendelfahrten für Flüchtlinge

Mit diesen Bildern im Kopf sammelte er zu Hause weiter - darunter viele Kinderwagen und Rollatoren. Bis heute hat er 240 Stück in die Grenzregion gebracht. Seither ist er wieder und wieder hingefahren, anfangs schob er währenddessen acht bis zehn Pendelfahrten über die ukrainisch-polnische Grenze ein, um den Flüchtenden über die entscheidenden Kilometer hinweg zu helfen.

Inzwischen aber kehren die Fahrer wieder allein zurück „Wer von dort aus fliehen will, hat das wohl bereits getan“, vermutet Krystian Pazda.

Erst Transporte auch nach Polen, jetzt in die Ukraine

Und auch Magda Kunze, die seit Anfang des Jahres in ihrem Laden für Reitausrüstung „Ridentity“ Spenden sammelt, hat nicht nur die Transporte nach Polen organsisiert, sie war auch schon häufig mit dabei. Anfangs belieferten sie vornehmlich ihre Versorgungszentrale in Trzebien. Inzwischen versorgt der Verein dank dieser Kontakte ein Heim für Waisenkinder in Czernowitz.

Ursprünglich waren die Kinder in Charkiw untergebracht, mussten aber fliehen, als der Krieg über sie hereinbrach. Wöchentlich wird nun die Liste benötigter Materialien unter „www.lebenhelfenleben“ aktualisiert.

Aktuelle Listen sind immer online

Immer gebraucht werden haltbare Lebensmittel, Babynahrung, Milchpulver, Windeln, Hygieneartikel, medizinische Produkte, Fleecedecken, Thermokleidung, Schlafsäcke, Batterien, Powerbanks, Smartphones oder Laptops. Geldspenden werden auch dafür verwendet, um die Tankfüllungen zu zahlen. Eine Fahrt hin und zurück verschlingt immerhin 600 bis 800 Euro.

Allerdings – die Spendenbereitschaft hat im Vergleich zum Frühjahr drastisch abgenommen. „Damals sind wir einmal pro Woche mit sieben Sprintern plus Anhänger gefahren“, erinnert sich Zujko. „Heute bekommen wir alle eineinhalb Monate einen Transporter voll.“

Euphorie hat nachgelassen

Die anfängliche Euphorie hatte aber auch Nebenwirkungen: Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer waren platt. Und zwar so richtig. Bis heute spüren sie die vielen Stunden, die sie nicht ins eigene Geschäft investieren konnten. Viel Büroarbeit ist seither liegengeblieben. „So konnte es wirklich nicht mehr weitergehen“, findet Magda Kunze.

Und doch sammelt sie bis heute in ihrem Laden jeden Mittwoch Sachspenden. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer kommen jedes Mal zum Sortieren, Packen und Beschriften dazu. Einige von ihnen sind selbst erst vor kurzem aus der Ukraine geflohen und wissen, wie kostbar die ehrenamtliche Hilfe von Menschen wie Kunde, Zujko und Pazda ist.

Die Notlage ließ sie nicht meht los

Weshalb Magda Kunze selbst derart konsequent hilft? Zuerst gab’s die familiären Kontakte in die polnische Grenzregion. Und nachdem sie einmal dort gewesen war, ließ es sie auch nicht mehr los. „Wenn ich in der gleichen Lage wäre, wäre ich so froh, wenn jemand käme und helfen würde“, erklärt sie.

Magda Kunze ist eine treue Seele. Und sie packt und schleppt, und telefoniert in einem fort. Seit Monaten sammelt sie in ihrem Remshaldener Laden für personalisierte Reitsportartikel Spenden für die Ukraine. Und weil so viele andere Menschen auch helfen wollen, bimmelt ihr Handy wieder und wieder.

Immerhin: Inzwischen ist mehr Struktur entstanden. Wo sie anfangs noch viel alleine organisierte, der Laden unter Kisten mit Hilfsgütern zu verstopfen drohte, steht mittlerweile ein Verein

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