Remshalden

Remshaldenerin hat seit 20 Jahren Krebs - Antrag auf höheren Schwerbehindertengrad dennoch abgelehnt

Jaqueline Bayer
Jacqueline Beyer kämpft dafür, dass ihre Beeinträchtigungen anerkannt werden. © Benjamin Büttner

Jacqueline Beyer war 27 Jahre alt, als sie das erste Mal an Brustkrebs erkrankte. Das war im Jahr 2000. Seitdem musste die Remshaldenerin sich vielen Torturen unterziehen. Aus diesem Grund stellte sie beim Landratsamt einen Antrag, um ihren Grad der Schwerbehinderung zu erhöhen. Das Landratsamt lehnte den Antrag aber ab, ein Widerspruchsverfahren läuft seit dem vergangenen Frühjahr. Jacqueline Beyer kann das in keiner Weise nachvollziehen und hat sich deshalb an uns gewandt.

„Ich bin seit 20 Jahren Krebspatientin“, sagt sie. Als sie in Remission war, also in der Zeit, in der es ihr besser ging, seien die Prozente in ihrem Schwerbehindertenausweis aber wieder herabgestuft worden. „Ich verstehe nicht, dass chronisch kranken Menschen die Prozente aberkannt werden“, sagt Jacqueline Beyer dazu. „Der Körper erholt sich nach einer Krebserkrankung nicht vollständig.“

Eine erneute Erhöhung ihres Schwerbehindertengrades sah sie bei der Rückkehr ihrer Erkrankung als gegeben – das Landratsamt allerdings nicht. Die alleinstehende Mutter will aber nicht so einfach lockerlassen. „Ich werde nicht die Einzige sein, der es so geht“, vermutet sie. „Aber viele geben auf.“ Das kommt für sie erst einmal nicht infrage. „Ich habe mir diese Krankheit nicht ausgesucht“, sagt sie. „Ich will nur das, was mir zusteht.“

Schmerzen, Müdigkeit, Ängste: Auswirkungen sind enorm

Unserer Redaktion erzählt Jacqueline Beyer ihre Geschichte, um zu verdeutlichen, wie sehr der Krebs ihr Leben beeinträchtigt: Nach ihrer ersten Diagnose um die Jahrtausendwende zeigte eine Chemotherapie zunächst Erfolg. 2012 kam dann aber die Schreckensnachricht: Der Krebs ist zurück. Sie unterzog sich einer Brustamputation und brauchte danach einige Zeit, um wieder in den Alltag zurückzufinden. Sieben Jahre später, 2019, kam dann der nächste Schlag: wieder Krebs, wieder Krankenhaus, wieder Schmerzen und Ängste.

Dauermüdigkeit, Schmerzen im ganzen Körper, Magenbeschwerden durch die Einnahme eines Hormonpräparats: Jacqueline Beyers Körper hat sich von der dritten Krebserkrankung nicht mehr so gut erholt wie noch beim ersten Mal. Hinzu kommen die psychologischen Aspekte, die Angst vor der Rückkehr der Krankheit, die Schlafprobleme, die Versagensängste im Job. Eine Erhöhung des Schwerbehindertengrades würde Jacqueline Beyer wenigstens etwas mehr Sicherheit geben.

Was bringt der Grad der Schwerbehinderung überhaupt?

Je nach Grad der Schwerbehinderung stehen Menschen sogenannte Nachteilsausgleiche zu. Dazu können zum Beispiel ein besonderer Kündigungsschutz, mehr Urlaubstage oder steuerliche Vergünstigungen gehören. Dafür muss aber eine amtliche Bestätigung einer solchen Einschränkung vorliegen. Eine Bestätigung, die das Landratsamt Jacqueline Beyer verwehrt – zumindest in der Höhe, wie die Remshaldenerin sich das vorstellt. Denn sie ist überzeugt: „Mindestens 50 oder 80 Prozent Grad der Schwerbehinderung stehen mir zu.“ Deshalb stellte sie Ende 2019 nach ihrem erneuten Krankenhausaufenthalt auch gleich den entsprechenden Antrag. Als sie im Frühjahr 2020 beim Landratsamt nachhakte, bekam sie eine Ablehnung.

„Mit Blick auf den Datenschutz und die sehr sensiblen medizinischen Daten werden wir uns zu dem Fall nicht konkret äußern“, sagt die Pressestelle des Landratsamts dazu auf Nachfrage. Grundsätzlich seien die Sachbearbeiter des Amtes aber natürlich an Recht und Gesetz gebunden. Zudem gelte: „Wenn die betreffende Person mit der Entscheidung nicht einverstanden ist, steht der Rechtsweg offen. Im konkreten Fall läuft aktuell ein Widerspruchsverfahren.“

Widerspruchsverfahren zieht sich schon knapp ein Jahr lang hin

In der Tat wendete Jacqueline Beyer sich nach dem negativen Bescheid des Landratsamts an den Sozialverband VdK. „Bei Frau Beyer wurde die Erhöhung des Grades der Schwerbehinderung abgelehnt“, bestätigt Friedemann Dieterich vom Waiblinger VdK, nachdem die Krebspatientin ihn von seiner Schweigepflicht entband. Jacqueline Beyer habe sich an ihn gewandt, um Widerspruch einzulegen.

Das Landratsamt lehnte den Antrag von Jacqueline Beyer laut dem Juristen unter anderem ab, weil ein bestimmter Befund fehlte. „Das war aber nicht unbedingt ihre Aufgabe, den vorzulegen“, so Friedemann Dieterich. Er habe sich bei der Durchsicht der Akten darüber geärgert, dass das Amt erst einmal abgelehnt habe, statt sich den Befund zu beschaffen. „Wenn man feststellt, die Geschichte ist noch nicht so weit aufgeklärt, dass es beurteilt werden kann, dann wird abgelehnt“, sagt Friedemann Dieterich über den Fall. Das sei für ihn nicht nachvollziehbar.

Die lange Bearbeitungszeit des Widerspruchverfahrens ist für Friedemann Dieterich dagegen nichts Neues. „Das ist im Sozialrecht allgemein so, dass es einfach wahnsinnig lange dauert“, sagt er. Er verstehe, dass sich viele Leute darüber ärgern. Momentan laufen bei ihm knapp 150 Verfahren, die dem Jacqueline Beyers ähneln.

"Das ist doch kein Schnupfen, der heilt."

Das Landratsamt gibt zur Dauer des Verfahrens folgende Stellungnahme: „Für die Bearbeitung solcher Fälle (auch Widersprüche) sind ärztliche Gutachten notwendig, unter anderem von Ärzten des Gesundheitsamts. Diese waren im letzten Jahr natürlich sehr stark durch Corona eingespannt.“ Jacqueline Beyer hat dafür nur begrenzt Verständnis. „Irgendwann ist meine Geduld auch zu Ende“, erzählt sie. „Das ist doch kein Schnupfen, der heilt.“ Die Nachteilsausgleiche, die ein höherer Grad der Schwerbehinderung mit sich bringen, würden ihr schon jetzt nützen.

Aber wie stehen die Aussichten auf einen Erfolg des Widerspruchverfahrens überhaupt? Friedemann Dieterich kann dazu keine konkrete Aussage treffen. Das Ergebnis hänge vom noch ausstehenden Befund ab. „Aber ich sehe die Aussichten so, dass ich es probieren muss“, sagt er.

Jacqueline Beyer war 27 Jahre alt, als sie das erste Mal an Brustkrebs erkrankte. Das war im Jahr 2000. Seitdem musste die Remshaldenerin sich vielen Torturen unterziehen. Aus diesem Grund stellte sie beim Landratsamt einen Antrag, um ihren Grad der Schwerbehinderung zu erhöhen. Das Landratsamt lehnte den Antrag aber ab, ein Widerspruchsverfahren läuft seit dem vergangenen Frühjahr. Jacqueline Beyer kann das in keiner Weise nachvollziehen und hat sich deshalb an uns gewandt.

„Ich bin

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