Remshalden

Remstalkellerei in Grunbach: So soll die neue Genossenschaftszentrale aussehen

Remstalkellerei
So soll die neue Remstalkellerei von Süden her aussehen. Die obere Etage mit Büroräumen soll nach hinten versetzt werden, so dass sich das Gebäude in die Hangstruktur einpasst. © architekturagentur/ roosplan

Geradezu begeistert waren die Remshaldener Gemeinderäte, als Peter Jung, Geschäftsführer der Remstalkellerei, die Planungen für die neuen Gebäude vorlegte. Auf dem Gebiet zwischen Großheppach und Grunbach soll die neue Zentrale der Genossenschaftskellerei entstehen. Ein Ritterschlag, ein Aushängeschild für die Gemeinde - so sieht’s der Gemeinderat einhellig, eine Chance für die Kellerei.

Die Genossenschaft plant mit einem Spatenstich in der Mitte des kommenden Jahres. Schon ab 2024 soll am neuen Standort gekeltert werden, wenngleich dann sicher noch nicht alle Gebäude stehen, so Jung. Gebaut werden soll von oben nach unten: also erst die Produktionsgebäude, dann die Büros und der repräsentative Teil.

Wein läuft in Produktionsstraße hangabwärts, wird nicht mehr gepumpt

Die Genossenschaft findet an diesem Ort den Platz, den sie braucht, um ihre Ressourcen zu bündeln und um eine moderne Kellerei aufzubauen. „Der Ort ist prädestiniert dafür“, erklärte Jung. Ziel ist es, die Weinverarbeitung hangabwärts zu betreiben. 15 Meter Gefälle sorgen für ausreichend Schwerkraft. Am höchsten Punkt sollen sämtliche Trauben angeliefert werden. Entlang der Produktionsketten soll der Wein dann abwärts in Richtung Süden fließen. „Je schonender man mit dem Grundprodukt umgeht, desto besser ist das für die Weinqualität“, erklärte Jung.

Aber natürlich geht’s auch ums Geld: Die aktuell dezentrale Struktur kommt die Kellerei teuer zu stehen. „Für uns hängt alles davon ab, dass wir an diesem Ort etwas hinbekommen“, erklärte Jung. „Wir haben eine gute Eigenkapitalausstattung“, warb er weiter um die Zustimmung der Gemeinderäte zum Projekt.

Neubau ohne Kreditaufnahme

Man wolle den Neubau - aktuell gehe man von einer Projektsumme von 20 bis 25 Millionen Euro aus – ohne eine Kreditaufnahme stemmen. Schließlich sei das Ziel eine Besserstellung der Mitglieder. Natürlich seien in die Finanzierung aber auch die Erlöse der später nicht mehr benötigten, dezentralen Keltern eingerechnet.

Regionale und naturnahe Materialien - Lehm, Erde, Ziegel - sollen mit einer modernen Architektursprache gepaart werden, schlägt Oliver Hilt von der „Architekturagentur“ in Stuttgart vor. Die Planer wurden früher als zunächst angedacht ins Boot geholt, weil Gemeinderat und Verwaltung großen Wert auf den repräsentativen Charakter des Gebäudes am Ortseingang legen.

Sandstein, Holz und grüne Ranken

Schon von weitem sichtbar soll nach diesem Vorschlag eine Fassade aus Sandstein und teilweise Holz sein, die über Ranken begrünt wird. Dies aber, ohne klotzig in der Natur zu stehen. Vielmehr sollen sich die Bauwerke sanft in die Hügellandschaft einfügen. Das Ziel: „Repräsentative Bescheidenheit“.

Das neue Gebäude soll sich selbst erklären, etwas hermachen, aber nicht protzen. Weinherstellung und Weingenuss sollen als Kulturerleben erfahrbar gemacht werden. Die neue Kellerei könnte Räume schaffen, in denen sich Kulinarik, Kunst, Musik und Geselligkeit treffen, schlägt Hilt weiter vor.

Offene Architektur

Die Zentrale der Genossenschaft soll offen, transparent und einladend wirken: ein Laubengang zum Vierteleschlotzen, eine Dachterrasse, um den Sonnenuntergang zu betrachten. Eine Korkenziehertreppe im Inneren soll die verschiedenen Niveaus im vorderen Gebäude miteinander verbinden. Dazu Einblicke auf Weinfässer, ein heller und klar strukturierter Eingangsbereich, der keine Wegweiser benötigt.

Außerdem soll sich die Remstalkellerei durch eine nachhaltige Bauweise auszeichnen: Versiegelungen sollen kompensiert, das Mikroklima verbessert, die Biodiversität gefördert werden. „Kein Tropfen Wasser, der aufs Gelände fällt, soll ungenutzt versickern“, verspricht Jung. Auf dem Dach sind extensive Begrünungen und eine PV-Anlage geplant.

Stoßzeiten: Auch Energie aus Gas

Eine Wärmepumpe soll für die Wärme in den Büros sorgen, in den Spitzenbetriebszeiten würde zusätzliche Energie aus Gas nötig. Allerdings: „Die meiste Zeit werden wir mehr Energie ins Netz einspeisen, als wir verbrauchen“, erklärte Peter Jung. Eine Streuobstwiese und Trockenmauern sollen der Natur ebenfalls von dem zurückgeben, was sie die Versiegelung von immerhin bis zu 6000 Hektar kostet.

Remshaldens Bürgermeister Reinhard Molt zeigte sich beeindruckt: „Die Pläne sind dem Ort absolut angemessen.“ Sowohl die Technik des schonenden Kelterns hangabwärts überzeugt ihn sehr, als auch die geplante Gestaltung der Außenfassaden.

Dem mochte Gemeinderat Armin Wiesner (SPD) nur zustimmen. Die gesamte Planung gefiel ihm, die zurückgesetzte Lage der Büros im oberen Stockwerk hob er lobend hervor. Im Vergleich zu den ersten Planungen, die man gesehen habe, erscheine das Gebäude so weniger wuchtig. „Ich hoffe nur, dass das Geld ausreicht, um die Entwürfe so umzusetzen“, schloss er seine Wortmeldung ab.

Gemeinderäte unglücklich mit Ampellösung an Abzweigung

Auch Tobias Schädel (BWV) freute sich über die gelungenen Planungen. Mit einem Blick auf den Neubau werde künftig klar, dass es sich um einen naturverarbeitenden Betrieb handle. Mit den Entwürfen habe man gezeigt, dass man sich der Wirkung auf die Bürgerschaft bewusst sei. Das Gebäude werde den Remshaldener Ortseingang prägen, wie auch der Weinbau für einen Großteil der Gesellschaft im Remstal identitätsstiftend sei. Auch Fraktionskollege Dr. Uli Hasert war beeindruckt von der Leistung des Architekturbüros.

Ursula Zeeb (ALi) lobte den Entwurf weiter. Speziell den Ansatz, die Nachhaltigkeitsaspekte in die Planungen ausführlich aufzunehmen, hob sie dabei hervor. Sie äußerte aber auch die Hoffnung, dass diese später tatsächlich in wirksamen Ausgleichsmaßnahmen resultierten. Immerhin sei dies bisher nicht bei allen in der Vergangenheit umgesetzten Projekten verschiedener Bauherren geschehen.

Mit dem Weinglas unterm Blätterdach

Sigrid Pressel (FDP/Freie Wähler) war ebenfalls beeindruckt. „Abwechslungsreich und harmonisch“ fand sie die Planungen, sah sich bei den Schilderungen des Architekten bereits mit dem Weinglas unterm Blätterdach sitzen. Und Kim Hottmann (CDU) nannte die Planungen „perfekt“. Genau so sehe eine Kellerei aus, die für die Zukunft aufgestellt sei.

Kritik gab’s indes vom gesamten Gremium die Anbindung betreffend. Beinahe einhellig war man nun der Meinung, die Zufahrt zur Kellerei solle per Kreisverkehr an die Kreisstraße angebunden werden. Die vom Landkreis präferierte Ampellösung stieß auf Ablehnung. Immerhin hatte ein Gutachten der Bernard-Gruppe den Kreisel als sicherer und leistungsfähiger bewertet. Gleichzeitig würde eine solche Lösung erheblich mehr kosten.

Kreisel ist erheblich teurer: Aber auch sicherer

Mit rund 750.000 Euro müsste man hier rechnen. Eine Ampellösung wird mit rund 125.000 Euro veranschlagt. Der Landkreis hatte deshalb bereits angekündigt, die Mehrkosten für einen Kreisverkehr nicht tragen zu wollen.

Indes: Entschieden ist hier noch nichts endgültig: Der Gemeinderat hat zunächst nur die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden beschlossen.

Geradezu begeistert waren die Remshaldener Gemeinderäte, als Peter Jung, Geschäftsführer der Remstalkellerei, die Planungen für die neuen Gebäude vorlegte. Auf dem Gebiet zwischen Großheppach und Grunbach soll die neue Zentrale der Genossenschaftskellerei entstehen. Ein Ritterschlag, ein Aushängeschild für die Gemeinde - so sieht’s der Gemeinderat einhellig, eine Chance für die Kellerei.

Die Genossenschaft plant mit einem Spatenstich in der Mitte des

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