Remshalden

Schulkindbetreuung in Remshalden: Mehr Bedarf als Kapazitäten - jetzt wird umgebaut

Grundschulbetreuung
Im Festsaal der Grundschule Geradstetten werden die Kinder der 14-Uhr-Gruppe aktuell provisorisch betreut. © Gaby Schneider

Knapp 300 000 Euro nimmt die Gemeinde Remshalden jetzt in die Hand, um ihre Kapazitäten für die Grundschulkindbetreuung auszubauen. Die Zahlen sind seit 1991 – so lange wird eine ergänzende Betreuung für Schulkinder in Remshalden bereits angeboten – stetig gestiegen. Immerhin 77 Kinder werden im aktuellen Schuljahr in den Randzeiten und nachmittags betreut, zumindest in der Zeit, in der es die Corona-Bestimmungen zulassen.

Zehn weiteren Familien konnte kein Betreuungsplatz vermittelt werden, obwohl man schon derzeit als Übergangslösung zusätzlich zu den Räumen im Untergeschoss der Schule den Festsaal der Grundschule mitbeansprucht. Das ist aber keine dauerhafte Lösung. Zum einen wurde die Vereinbarung mit der Schule, den Festsaal zu nutzen, nur für ein Schuljahr getroffen, zum anderen ist die Raumausstattung und -aufteilung für die Betreuungssituation grundsätzlich unbefriedigend.

Freude, wenn es raus aus dem Provisorium geht

Ingrid Putz, die als Erzieherin die betroffene Gruppe leitet, macht aktuell das Beste aus dem Provisorium. Da aber der Raum immer wieder für andere schulische Zwecke benötigt wird, können sie und die Kinder sich nicht so wie gewünscht entfalten. Dass an den Fenstern kein selbst gebastelter Schmuck angebracht werden darf, ist dabei das geringste Problem. Da die Erzieherin nicht immer wieder die Tische umstellen kann, bleiben diese eben so stehen, wie sie in dem Festsaal angeordnet sind. Aus pädagogischer Sicht wäre aber häufig eine andere Positionierung besser. Das Lesesofa steht in der Küche, die Bauecke ist eng. Auch für gemeinsame Brettspiele sei der Raum nicht gut geeignet.

Spielende Schulkinder statt Akkordeon-Musiker

Aber eine Lösung ist in Sicht: die im Norden gelegenen Räume in der Wilhelm-Enßle-Halle. Die Vereine, denen sie zuletzt zugewiesen waren, nutzten sie nicht mehr intensiv, so sei es leicht möglich gewesen, einen Raumtausch herbeizuführen. Sowohl der Akkordeonspielring Geradstetten als auch der Sportverein Remshalden zeigten sich hier kooperativ. Damit steht das bisherige 90-Quadratmeter-Domizil der Akkordeonspieler ab September der Schulkindbetreuung zur Verfügung. Weitere zwei Räume, mit rund 50 und 40 Quadratmetern (ehemals Sportvereinsraum und Stuhllager) können außerdem für die Grundschulkinder ausgebaut werden.

Ruheraum für Hausaufgaben

Einer dieser Räume soll dann zunächst für die Hausaufgabenbetreuung genutzt werden, so dass die Kinder, die bis 17 Uhr in der Schule bleiben, ganz in Ruhe, fernab vom Trubel der restlichen Gruppe, ihre Arbeiten erledigen können. Alle Räume müssen natürlich entsprechend den pädagogischen Ansprüchen ausgebaut werden. Rund 20 000 Euro werden dafür eingeplant. Das Mittagessen wird bisher schon im Foyer der Wilhelm-Enßle-Halle eingenommen. Geliefert wird das aus der Küche des benachbarten Awo-Pflegeheims.

Wahrscheinlich Rechtsanspruch ab 2025 auf Ganztagsbetreuung

Insgesamt handelt es sich mit 180 zusätzlichen Quadratmetern um viel Fläche. Die ist aber auch deshalb notwendig, so erklärte es auch Bürgermeister Reinhard Molt im Rahmen der entscheidenden Sitzung, weil ab dem Jahr 2025 mit einem bundesweiten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung zu rechnen ist. Dementsprechend wird in Zukunft mit einer Betreuungsquote von 70 Prozent geplant.

Bei den aktuellen Schülerzahlen in Geradstetten handelt es sich dabei um 146 Betreuungsplätze. Ab dem Schuljahr 2021/22 wird es wegen der großen Anzahl an Kindern wohl drei 1. Klassen geben, dementsprechend wird der Bedarf an Betreuungsplätzen wohl noch weiter steigen.

Und angesichts des Baus von zwei weiteren Kitas sowie des neu ausgewiesenen Baugebietes ist abzusehen, dass die Kinderzahlen in Remshalden weiter steigen werden. Das hat die zuletzt veröffentlichte Studie des Planungsbüros Timourou ergeben. Bis 2027 werden 82 Kinder mehr pro Jahrgang vorausgesagt. Gleichzeitig sei davon auszugehen, dass im Kita-Bereich eine größere Nachfrage an Ganztagsplätzen bestehen wird, die sich auch in den Grundschulbereich weiterentwickeln wird.

Fördermittel könnten bis zu 70 Prozent der Investitionskosten decken

Um den Ausbau der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder zu fördern, stellt der Bund den Ländern insgesamt Mittel in Höhe von 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung mit dem Ziel, die „Corona-Folgen zu bekämpfen, Wohlstand zu sichern, Zukunftsfähigkeit zu stärken“. Und eine Verwaltungsvereinbarung zu „Finanzhilfen des Bundes für das Investitionsprogramm zum beschleunigten Infrastrukturausbau der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder“ sieht vor, dass das Land Baden-Württemberg vom Bund rund 97,6 Millionen Euro für Investitionen in den quantitativen und qualitativen Ausbau ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote für Grundschulkinder erhalten soll.

Daher gibt es für die Gemeinde auch die Chance, für ihren Ausbau des Ganztagesbetreuung Fördermittel zu bekommen. Bis zu 70 Prozent der Kosten, das entspricht rund 200 000 Euro, könnten auf diese Weise ersetzt werden. Allerdings hat der Gemeinderat entschieden, auch dann die geplanten Maßnahmen umsetzen, wenn es keine Fördermittel geben sollte.

Knapp 300 000 Euro nimmt die Gemeinde Remshalden jetzt in die Hand, um ihre Kapazitäten für die Grundschulkindbetreuung auszubauen. Die Zahlen sind seit 1991 – so lange wird eine ergänzende Betreuung für Schulkinder in Remshalden bereits angeboten – stetig gestiegen. Immerhin 77 Kinder werden im aktuellen Schuljahr in den Randzeiten und nachmittags betreut, zumindest in der Zeit, in der es die Corona-Bestimmungen zulassen.

Zehn weiteren Familien konnte kein Betreuungsplatz vermittelt

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