Remshalden

Tüftler Herbert Jaisle aus Remshalden hat ein Wasser-Schaufel-Fahrrad erfunden

Jaisle Wasserfahrrad
Max Maier (l.) und Radl-Tüftler Herbert Jaisle (r.) vor der jüngsten Testfahrt. © Joachim Mogck

Warum mit dem Fahrrad auf dem Radweg fahren? Kann doch jeder, dachte sich Herbert Jaisle und verschwand in seinem Materiallager. Er hatte nämlich neulich was Interessantes gesehen. Aufblasbare Riesenbananen, auf die ein Zweirad montiert war und mit denen sich Menschen treppelnd übers Meer bewegten. Übers Wasser fahren, das wäre mal schon mal interessant. Allerdings – ganz billig war das Fun-Sport-Gerät nicht. Das muss auch günstiger gehen. Und Jaisle wäre nicht Jaisle, wenn nicht umgehend sein Tüftler-Hirn zu rattern angefangen hätten.

Raketenähnliches Rad aus zusammengesammelten Materialien

Nur kurze Zeit später hatte er die wesentlichen Materialien zusammen. Einen alten Drahtesel, den er für zehn Euro bei Bekannten an Land ziehen konnte, dazu Abwasserrohre, die sollten als luftgefüllte Schwimmkörper dienen. Obendrauf auf dem floßartigen Gebilde sollte das Rad Platz finden. Dazu kombinierte er Tennisbälle und Markierungshütchen, die, vorne auf die Rohre gesteckt, der Stromlinienförmigkeit dienen sollten. Eine Metallplatte, ans Lenkrad geschraubt, war als Steuerruder vorgesehen. Die Pedale sollten natürlich keine Fahrradreifen antreiben. Stattdessen wollte er die Muskelkraft des Wasserrad-Piloten auf zwei Schaufelräder umleiten.

Jaisle schleppte all die zusammengesammelten Einzelteile in die Werkstatt der Grundschule Geradstetten. Der ehemalige Lehrer* an der Grund- und Hauptschule ist hier noch gerne gesehen, bietet ab und an AGs für die Schulkinder an. Und so durfte er über die Sommerferien hier werkeln und basteln, bohren und schrauben. Zu Hause wäre es mit dem riesigen Projekt womöglich eng geworden. Berechnet und gezeichnet hat Jaisle für das Tretfloß-Schaufelrad-Konstrukt nichts. Der 74-Jährige hat einfach drauflos gebaut, erklärt er, während er an diesem frischen Herbsttag neben seinem Wasserfahrrad im See steht, um der Zeitung seinen Prototyp vorzuführen.

17-jähriger Testpilot

Bis der aber tatsächlich vorzeigbar war, hatte er das Gerät immer wieder zu Wasser gelassen. Notizbuch im Anschlag, Werkzeugkoffer am Ufer. Den Sohn einer ehemaligen Kollegin, Max Maier, 17-jährig, hat er als Testpilot verpflichtet. Der ist nämlich Leistungsschwimmer, trainiert fünf Tage die Woche. Selbst wenn das erstaunliche Fahrzeug untergehen würde, Max bliebe über Wasser, so viel ist sicher.

Immer neues Fine-Tuning

Als die erste Überfahrt anstand, war der Pensionär durchaus aufgeregt. „Ich hab damals mit allem gerechnet“, berichtet er heute. Wäre das Wasserfahrrad untergegangen, gewundert hätte es ihn nicht. Aber alles lief wie am Schnürchen. Max und das Rad – beide blieben sie über Wasser.

Wieder an Land und zurück in der Werkstatt, baute Jaisle noch den Antrieb an. Und auch hier: Am Ende gelang es. Das Rad schwamm und Max trampelte über den See. Seither hat’s noch etliche Feinarbeiten gegeben. Immer wieder baut der pensionierte Lehrer neue Kleinigkeiten ein. Jeden neuen Ritt auf dem Tretboot-Rad erwartet er mit Spannung.

Schaufelräder noch tieferlegen

Aktuell tüftelt er an einem ein- und ausfahrbaren Lenkpaddel, die Gangschaltung soll auch noch in Betrieb genommen werden. Zudem könnten die Schaufelräder noch tiefergelegt werden, findet er. So könnte die Pedalkraft noch effizienter ausgenutzt werden. Aktuell spritzt es recht viel und Max muss ordentlich trampeln, damit das Raketenrad vorwärtskommt.

Über Verbesserungen denkt Jaisle eigentlich in einem fort nach. Immer wieder blitzen neue Ideen auf, was er noch optimieren könnte. Aber vorläufig darf er mal so richtig stolz sein, denn das Ding tut, was es soll: Es fährt auf dem Wasser.

*Anmerkung der Redaktion: Zunächst hatten wir Herbert Jaisle als Leiter der Grund- und Hauptschule bezeichnet. Diese Angabe ist falsch und wurde korrigiert. Jaisle war Lehrer an der genannten Schule.

Warum mit dem Fahrrad auf dem Radweg fahren? Kann doch jeder, dachte sich Herbert Jaisle und verschwand in seinem Materiallager. Er hatte nämlich neulich was Interessantes gesehen. Aufblasbare Riesenbananen, auf die ein Zweirad montiert war und mit denen sich Menschen treppelnd übers Meer bewegten. Übers Wasser fahren, das wäre mal schon mal interessant. Allerdings – ganz billig war das Fun-Sport-Gerät nicht. Das muss auch günstiger gehen. Und Jaisle wäre nicht Jaisle, wenn nicht umgehend

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