Remshalden

Tageseltern händeringend gesucht: Erste Kommune legt Geld obendrauf - hilft das?

Kinderbetreuung
Gute Nachrichten für Remshalden: Im Oktober schon kann eine Tiger-Gruppe wiedereröffnet werden. © pixabay

Die Kita-Plätze sind knapp, zudem haben immer mehr Tageseltern ihren Job an den Nagel gehängt. Und neue Betreuungspersonen kamen zuletzt erst gar nicht hinzu. Allein in Remshalden hat sich die Zahl der aktiven Tageseltern innerhalb von rund zwei Jahren mehr als halbiert. Gerade mal sieben gibt es noch. Zudem fehlen in der Gemeinde etliche Betreuungspläzte, weshalb gerade die Tagespflege eine flexible Möglichkeit darstellen könnte, neue Plätze zu schaffen.

Zwei Tiger-Gruppen gibt es derzeit. Die dritte Tiger-Gruppe war nicht mehr aufgefüllt worden, nachdem die Tagesmutter in Rente gegangen war. Heidrun Schild, Geschäftsführerin des Tageselternvereins Schorndorf und Umgebung, erklärt: „Man ist damals davon ausgegangen, dass man die Räume brauchen würde, weil langfristig nur noch zwei Tiger-Räumlichkeiten zu Verfügung stehen können.“

Schild: Tageseltern tragen „eine Wahnsinnsverantwortung“

Wenn auch Remshalden einen extremen Rückgang an Tagespflegepersonen zu verzeichnen hat, alleine steht die Kommune mit diesem Problem keinesfalls. Seitdem der Eintritt in den Tageseltern-Job nur noch über eine intensivierte Qualifizierung möglich ist und außerdem teilweise die finanzielle Vergütung verschlechtert wurde, haben viele von dieser Option Abstand genommen.

Immerhin 300 Seminarstunden müssen die Tageseltern am Anfang ihrer Tätigkeit absolvieren, dürfen aber schon nach den ersten 50 in die Betreuung einsteigen. Auch müssen sie mehr und mehr dokumentieren, Elterngespräche sind verpflichtend, es gibt eine Meldepflicht, was eventuelle Gefährdungslagen angeht. „Das ist eine Wahnsinnsverantwortung“, findet Schild.

Zuschüsse wurden zeitweise reduziert

„Dennoch gibt es für all das aber keinen Ausgleich.“ Vielmehr war in den vergangenen Jahren das Gegenteil eingetreten: Als es mehr Geld vom Jugendamt (pro Stunde, pro betreutes Kind) für die Tageseltern gab, haben beispielsweise die Kommunen Schorndorf und Remshalden ihre eigenen Zuschüsse um den gleichen Betrag reduziert. Somit zahlte Remshalden zuletzt nur ein Euro pro Kind, pro Stunde an Zuschüssen.

Die Corona-Pandemie tat ihr Übriges. Etliche Tageseltern hätten sich krisensichere Jobs gesucht. „Da waren schon auch Existenzängste dabei“, weiß Schild. Schließlich konnten über Wochen keine Betreuungen mehr stattfinden, zudem verzögerten sich Zahlungen. Zudem hatten die Lockdowns von Kitas und Schulen, die wiederkehrenden Quarantänephasen sowie die teils bis heute andauernden Home-Office-Regelungen die persönlichen Situationen der Tageseltern grundlegend geändert.

Corona hat die Situationen der Tageseltern durcheinandergewürfelt

Nicht selten war die eigene Familie plötzlich den ganzen Tag zu Hause. Die Kinder am Start, der Partner oder die Partnerin im Home-Office. Kommen dann noch Tageskinder dazu, wird’s schnell eng. Zu eng.

Auch habe die angespannte Situation am Wohnungsmarkt Auswirkungen auf die Tagespflege. Allzu viele Familien suchten vergeblich großzügigeren Wohnraum. Kaum eine Familie hat noch ein Zimmer für Tageskinder übrig. Weshalb mehr und mehr potenzielle Tageseltern ein Engagement in Tiger-Gruppen, also in Räumlichkeiten außerhalb der eigenen vier Wände bevorzugen. Zudem suchten viele Tageseltern neue, berufliche Perspektiven, wenn die eigenen Kinder größer und sie selbst wieder flexibler werden. Eine insgesamt ungünstige Gemengelage also.

Zuschusserhöhung hilft sehr

Immerhin: Die Gemeinde Remshalden hat nun die Zuschusskürzungen zurückgenommen - und nicht nur das. Künftig legt die Gemeinde sogar noch 50 Cent pro Stunde, pro Kind oben drauf. „Das hilft den Tageseltern wirklich“, weiß Heidrun Schild, die hofft, dass andere Kommunen sich ein Beispiel nehmen und nun auch dahingehend nachziehen.

„Es ist eben schon eine Art der Anerkennung“, findet sie. Immerhin werde der Beruf durch die intensivierte Ausbildung und auch durch die verschiedenen Anforderungen zunehmend professionalisiert. Und das müsse sich für die Tageseltern auch auszahlen.

Für Remshalden hat Schild sogar noch eine extra gute Nachricht: Für die dringend benötigte Tiger-Gruppe in der Lehenstraße-Straße, deren Räume derzeit noch leer stehen, konnte eine Lösung gefunden werden. Ab 1. Oktober können hier fünf Kinder unter drei Jahren betreut werden.

Hoffnung: Mehr Neueinsteiger, mehr Durchlässigkeit für den Beruf

Und die Zukunft betreffend hat die Geschäftsführerin durchaus Hoffnung: Für einen Wochenendkurs haben sich schon etliche interessierte Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger angemeldet. „Es ist halt wichtig, dass die Kommunen weiter ihre Zuschüsse aufrechterhalten.“ Zudem könnte es helfen, wenn mehr und mehr Räume für Tiger-Angebote bereitgestellt werden könnten. Weiterhin könnte die Tageselternschaft attraktiver werden, glaub sie, wenn es eine höhere Durchlässigkeit in den Erzieherberuf gäbe. Wenn als Betreuende perspektivisch auch in Kitas wechseln könnten.

Die Kita-Plätze sind knapp, zudem haben immer mehr Tageseltern ihren Job an den Nagel gehängt. Und neue Betreuungspersonen kamen zuletzt erst gar nicht hinzu. Allein in Remshalden hat sich die Zahl der aktiven Tageseltern innerhalb von rund zwei Jahren mehr als halbiert. Gerade mal sieben gibt es noch. Zudem fehlen in der Gemeinde etliche Betreuungspläzte, weshalb gerade die Tagespflege eine flexible Möglichkeit darstellen könnte, neue Plätze zu schaffen.

Zwei Tiger-Gruppen gibt es

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