Remshalden

Ukraine-Krieg: Remshaldener bringen Geflüchtete von Polen nach Deutschland

1/2
pazda
Polen zeigt sich solidarisch mit den Ukrainerinnen und Ukrainern, die aus ihrem Land über die Grenze flüchten mussten. © Privat
2/2
pazda
Krystian Pazda mit einem Schild, auf dem er mögliche Ziele in Deutschland anbietet. © Privat

Knapp 2900 Kilometer in 36 Stunden haben die zwei Remshaldener Krystian Pazda und Gerhard Redmann am vergangenen Wochenende auf sich genommen. Diesen Herkules-Akt vollbrachten sie, um Sachspenden für Geflüchtete nach Polen zu bringen und Ukrainerinnen und Ukrainer, die wegen des Kriegs aus ihrem Land flüchten mussten, auf dem Rückweg abzuholen und nach Deutschland zu bringen. Im Gespräch mit unserer Zeitung schildert Krystian Pazda seine Eindrücke.

„In dieser dynamischen Situation verändert sich die Lage ja eigentlich stündlich“, sagt er. Deshalb mussten auch die Pläne der Remshaldener immer wieder angepasst werden. Die zwei jungen Frauen, mit denen sie sich ursprünglich verabredet hatten, um sie auf dem Rückweg mit nach Deutschland zu nehmen, konnten zum Beispiel schon anderweitig weiterreisen. „Unmittelbar vor der Abreise am Freitagabend konnten wir dann aber konkret planen“, so Pazda.

Spenden abgeben und weiter

Es sei klar geworden: Am sinnvollsten würden die Sachspenden aus Rohrbronn und der weiteren Umgebung in einem Zwischenlager in Krakau ankommen. Von dort aus werden sie nach den Informationen von Krystian Pazda von ukrainischen Lastwagenfahrern in die Ukraine gebracht, nach Lwiw und dann weiter ins Landesinnere. „So hatten wir auch mit unserem bescheidenen Beitrag ein gutes Gewissen und das Gefühl, das ist jetzt wirklich sinnvoll abgegeben.“

Die Sachspenden gaben die Remshaldener so schon früh am Samstagmorgen gegen 7 Uhr ab. Von dort aus machten sie sich weiter auf den Weg, fuhren die restlichen 350 Kilometer bis zu ihrem eigentlichen Ziel. Dass sie es nicht bis nach Lwiw schaffen würden, das sei ihnen eigentlich von vorneherein klar gewesen, sagt Krystian Pazda, die Autobahn sei auch gesperrt gewesen. Endstation war also in Korczowa, einem kleinen Ort an der ukrainisch-polnischen Grenze. Zwei riesige Lagerhallen wurden dort laut Pazda umfunktioniert, um ukrainischen Menschen Unterschlupf zu bieten.

Halle zum Auffanglager umfunktioniert

„Dort sind viele Ukrainer, die den langen Weg über die Grenze geschafft haben, erst einmal untergebracht“, berichtet er. Krystian Pazda kam vorbereitet: Auf ein Schild hatte er in ukrainischer Schreibweise die Namen von Berlin und Stuttgart geschrieben, um zu zeigen, dass er dorthin Menschen mitnehmen könnte. „Ich bin dann in die Mitte der Halle, wo polnische Volunteers standen, und habe gesagt, dass ich diese Fahrten anbiete.“ Die Ehrenamtlichen riefen die Städte und die Anzahl der Plätze im Auto in verschiedenen Sprachen aus. „Im Endeffekt haben wir nur etwa 90 Minuten dort verbracht und hatten dann unsere Mitfahrer beisammen“, rekapituliert Pazda.

Zwei Frauen aus Kiew mitsamt Katze und eine Familie, bestehend aus einem Gynäkologen, einer Augenärztin und deren drei Kindern im Alter von elf, zwölf und 17 Jahren, sollten ihn und Gerhard Redmann auf dem Weg zurück nach Deutschland begleiten. „Der 17-jährige Sohn wäre in wenigen Wochen 18 geworden, dann hätte er gar nicht mehr aus dem Land gedurft“, sagt Krystian Pazda. Glück im Unglück, das viele andere Männer, die die Ukraine derzeit nicht verlassen dürfen, nicht hatten.

Zurück nach Deutschland mit einer Familie, zwei Frauen und einer Katze

Das zeigt auch ein Gespräch, das Krystian Pazda vor Ort mit einer Englischlehrerin aus der Gegend führte, die ehrenamtlich in der provisorischen Unterkunft in Korczowa mithilft. „Es hört sich zynisch an, aber sie versucht, die Frauen dort dazu zu bewegen, sich für eine Zukunft in Westeuropa zu entscheiden“, berichtet Krystian Pazda. „In dem Wissen, dass der Verbleib in Grenznähe in Polen vergeudete Zeit ist, weil es ziemlich sicher so sein wird, dass deren kämpfende ukrainische Männer dort vor die Hunde gehen.“ Das habe ihn schockiert, sagt er über den Eindruck der Ehrenamtlichen vor Ort. „Das zeigt, wie gefährlich und bekloppt das alles eigentlich ist.“

Welchen Gefahren die ukrainischen Geflüchteten in den vergangenen Tagen ausgesetzt waren, zeigte sich auch kurz nach der Abfahrt der Gruppe in Korczowa. Als die Remshaldener und ihre Gäste die Stadt Rzeszów passierten, setzte in der Nähe laut Pazdas Bericht ein Flugzeug zum Landeanflug an, über die Autobahn hinweg. „In dem Moment sind die beiden Kleinen ein Stück weit in Panik ausgebrochen“, so der Remshaldener. Die Kinder mussten dann erst einmal beruhigt werden, ihnen klargemacht werden, dass das Flugzeug keine Bedrohung für sie darstellt.

Bedrückende Eindrücke in München

Danach blieb die Fahrt eher ruhig, der stressigste Passagier war laut Krystian Pazda die Katze, der die Fahrt nicht gut gefiel. „Natürlich ist das erst einmal eine Zweckgemeinschaft für die Dauer von mindestens 14 Stunden, die da im Auto entsteht“, sagt der Remshaldener. Die Fahrer wechselten sich ab, in Breslau aßen dann alle gemeinsam zu Abend. „Die Menschen wollen ihre Würde natürlich behalten“, sagt Pazda über seine Mitfahrer. „Es war unheimlich schwer, sie davon abzubringen, ihren Kaffee selbst zu bezahlen.“

Eine weitere Begebenheit hat sich dem Remshaldener in die Erinnerung gebrannt. „Wir waren gegen fünf Uhr morgens in München am Hauptbahnhof“, beschreibt er sie. „Da gab es eine Szene, da bin ich richtig wütend geworden.“ Während er Kriegsflüchtlinge im Auto hatte, saßen in verschiedenen Taxis vor einem Club Jugendliche, die obszöne Gesten in Richtung der Gruppe machten, das Taxifenster öffneten, sich übergeben mussten. Die Gleichzeitigkeit des Vorfalls mit den Kriegsereignissen nahm er als sehr bedrückend wahr.

Dank an alle Spenderinnen und Spender

Die Freunde, die die ukrainische Familie in München treffen wollte, waren noch nicht am Münchner Bahnhof, als Krystian Pazda und Gerhard Redmann sie dort ablieferten, deshalb wandten sie sich an die Bahnhofsmission und die Caritas vor Ort. Von München aus ging es dann weiter nach Stuttgart, wo die zwei übrig gebliebenen Frauen Freunde trafen, bei denen sie unterkommen konnten. Von dort wollten sie weiterreisen nach Bremen, wo die Tochter einer der beiden Frauen bereits wartete.

„Man muss einfach nur machen, setzt sich ins Auto und fährt hin“, resümiert Krystian Pazda seine Reise. „Man muss einfach seinem Herzen folgen.“ Ihm ist es wichtig, sich bei allen privaten Spendern zu bedanken sowie bei VW Hahn aus Schorndorf, das für die Fahrt einen vollgetankten Kleinbus zur Verfügung stellte, und dem Verein Holy Spirit Nights aus Stuttgart, der ihn bei der Planung der Fahrt unterstützt habe.

Knapp 2900 Kilometer in 36 Stunden haben die zwei Remshaldener Krystian Pazda und Gerhard Redmann am vergangenen Wochenende auf sich genommen. Diesen Herkules-Akt vollbrachten sie, um Sachspenden für Geflüchtete nach Polen zu bringen und Ukrainerinnen und Ukrainer, die wegen des Kriegs aus ihrem Land flüchten mussten, auf dem Rückweg abzuholen und nach Deutschland zu bringen. Im Gespräch mit unserer Zeitung schildert Krystian Pazda seine Eindrücke.

{element}

„In dieser dynamischen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper