Remshalden

Volksbank-Filiale Geradstetten geschlossen: Kritik von Beirat Roland Schanbacher

Volksbank-Filiale
Hier war bis vor kurzem die Geradstettener Volksbankfiliale und einst sogar das Hauptgebäude. © Gabriel Habermann

Die Nachricht von der Schließung der Volksbankfiliale in Geradstetten hat viele Kunden sehr verärgert. Zum einen, weil sie die Information sehr kurzfristig und ausschließlich per Infozettel an der Filialentür erreichte. Zum anderen, weil die Schließung viele Geradstettener vor enorme Probleme stellt. Gerade, wer altersbedingt nicht mehr so recht mobil ist, wird die Filialschließung herb zu spüren bekommen.

Als Rollator-Fahrer zum Bank-Mobil?

Aufwendig ist es für diese Kundengruppe, rechtzeitig zum einmal wöchentlich erreichbaren Bank-Mobil zu kommen und noch viel mehr, um die Filiale in Grunbach zu erreichen. Beinahe unnötig zu erwähnen, dass es gerade jene Genossenschaftsmitglieder sind, denen das Online-Banking ein Schloss mit sieben Siegeln bleibt.

Roland Schanbacher, der als ehemaliger, langjähriger Gemeinderat einen guten Draht zu den Bürgern hat und außerdem zusammen mit Nina Mayerle Beirat der Geradstettener Volksbank-Genossenschaft ist, hat solche Kritik zuletzt häufig gehört, seit die Volksbank die beiden Geradstettener Automaten abgebaut hatte, berichtet er auf Nachfrage.

„Genossenschaftsgedanke wird ad absurdum geführt“

Die Schließung der Bankfiliale macht Schanbacher aber auch aus anderen Gründen fassungslos. Schließlich sei die Volksbank keine gewöhnliche Bank. Vielmehr handle es sich um eine Genossenschaftsbank, erinnert er. Ursprünglich gegründet, um den rund fünf Millionen Deutschen, die im 19. Jahrhundert vor Hunger und politischer Unterdrückung ins Ausland flohen, zu helfen.

Die Bevölkerung litt unter Missernten und Hungersnöten. Viele waren zuvor auf private Geldverleiher angewiesen, verschuldeten sich und verloren ihre wirtschaftliche Existenz. Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch regten deshalb in den betroffenen Gebieten die Gründung von Kreditanstalten an. „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele“, so hat Raiffeisen damals diesen Ansatz erklärt. Es entstanden jene Kredit- und Darlehensvereine.

Genossenschaftsauftrag: Förderung und Beratung der Mitglieder?

Und so stehe bis heute in der eigenen Satzung, dass der Zweck der Genossenschaft die wirtschaftliche Förderung und Betreuung der Mitglieder sei. „Das ist ja keine Aktiengesellschaft!“, ärgert sich Schanbacher. Kleine Sparer sollten gefördert werden. Stattdessen aber würden die Mitglieder klassifiziert. Das Ergebnis: Kleinere Sparer müssen höhere Gebühren zahlen.

So und angesichts der aktuellen Filialschließungen in den ländlichen Bereichen werde die grundlegende Genossenschaftsidee geradezu ad absurdum geführt. „Die nehmen ihre eigene Satzung nicht mehr ernst“, schlussfolgert der einstige Verwaltungsrichter. Immerhin würden durch die Geradstettener Schließung drei Ortsteile – namentlich Geradstetten, Hebsack und Rohrbronn – nicht mehr versorgt. Und damit auch die dort wohnenden rund 6000 Einwohner – und darüber viele Miteigentümer der Volksbank.

Das gelte natürlich auch für die vielen anderen Schließungen in den Gemeinden rund um Stuttgart. Ganz klar sei: Die Volksbank zieht sich aus der Fläche zurück. „Wo bleibt denn da die Förderung und Betreuung?“, ärgert er sich.

Das Ergebnis: „Alte Genossen, die die Bank mitbegründet haben, sollen jetzt mit ihren Rollatoren und Rollstühlen zur 2,5 Kilometer entfernten Zweigstelle nach Grunbach. – Das ist doch zynisch!“ Und dort erwarteten die Kunden seit der Filialschließung in Geradstetten nun oft lange Kundenschlangen.

Weniger wettbewerbsfähig nach Abbau der Automaten

Schanbacher ist Beirat der Volksbank, seit die Genossenschaftsbanken Schorndorf und Remshalden in den 80er Jahren fusionierten. Bei den damals häufig stattfindenden Zusammenschlüssen waren Beiräte bestimmt worden, die die Interessen der örtlichen Mitglieder vertreten sollten, um weiterhin alle beteiligten Ortsteile zu berücksichtigen. Und das tue er nun mit seiner geäußerten Kritik, erklärt er seine Sichtweise. Aber noch mehr treibt ihn um.

Schließlich liegt ihm die Bank am Herzen. Seit er als 15-jähriger Gymnasiast im Nebenjob als Bankbote arbeitete und Kontoauszüge zu den Kunden brachte, ist er Mitglied. „Da gab’s noch eine ordentliche Verzinsung des Genossenschaftsanteils“, erinnert er sich.

Hoffnung: Bankautomaten wieder zurückholen

Schon sein Vater war einer der ersten Genossenschaftler, als die Grunbacher Bank gegründet wurde. Die Kinder und Enkel bekamen schon zur Geburt Genossenschaftsanteile geschenkt.

Und so ist dem Beirat auch wichtig, dass die Bank wettbewerbsfähig bleibt. Immerhin: Solange die Volksbank in Geradstetten noch eine Filiale hatte, gab’s einen Gleichstand zwischen der Genossenschaft und der Kreissparkasse. Und der ist nun dahin.

Aber Roland Schanbacher will die Hoffnung nicht aufgeben, dass es bei gutem Willen der Bank und entsprechenden Bemühungen möglich sein wird, in Geradstetten wieder die entsprechenden Automaten aufzustellen. „Es gibt ja genug Leerstände“, erinnert er. Das hat er als Geradstettener Beirat auch der Volksbank als Forderung zurückgemeldet, nachdem er vom Verkauf des Bankgebäudes und der Filialschließung erfahren hatte.

Die Nachricht von der Schließung der Volksbankfiliale in Geradstetten hat viele Kunden sehr verärgert. Zum einen, weil sie die Information sehr kurzfristig und ausschließlich per Infozettel an der Filialentür erreichte. Zum anderen, weil die Schließung viele Geradstettener vor enorme Probleme stellt. Gerade, wer altersbedingt nicht mehr so recht mobil ist, wird die Filialschließung herb zu spüren bekommen.

Als Rollator-Fahrer zum Bank-Mobil?

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