Remshalden

Was  die Corona-Pandemie die Remshaldener kostet

Corona Kosten
Zahlreiche unerwartete Kosten und Mindereinnahmen sind durch die Corona-Krise auf die Gemeinde zugekommen. © ALEXANDRA PALMIZI

Corona kostet so einiges: unbefangenen Kontakt mit der Familie, mit den Freunden. All die vielen kleinen Dinge, die das Leben bunt und fröhlich machen, sie fehlen. Straßenfeste, Urlaubsfahrten, Geburtstagsfeiern, Konzertbesuche, die Liste ist endlos, die Dinge darauf unbezahlbar. Allerdings: So manche Rechnung muss eben doch beglichen werden. Die Gemeinde Remshalden hat im Jahr 2020 allein für Masken und Schutzmaterial, für Desinfektionsmittel, Home-Office-IT, Schutzwände und Ähnliches insgesamt 84 000 Euro ausgegeben. Der größte Posten an Ausgaben war bei der Ausstattung der Home-Office-Arbeitsplätze entstanden. Immerhin rund 33 000 Euro waren dafür fällig geworden.

Ausgaben für die IT fallen einmalig an

Alle Bestellungen sind aber noch nicht einmal eingetroffen. Die Lieferung von zehn Tablets steht aktuell noch aus. „Die Lieferkette ist zeitweise unterirdisch“, erklärte Bürgermeister Reinhard Molt die Verzögerung in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses. Immerhin - sind die Arbeitsplätze einmal endgültig ausgerüstet, fallen diese Kosten nicht nochmals an. Ganz im Gegenteil zu den Ausgaben für Desinfektion, Masken und Schutzmaterial. Sie kommen auch im laufenden Jahr wieder auf die Gemeinde zu. Dazugerechnet werden müssen Kosten, die durch die vielen Überstunden zur Kontaktnachverfolgung oder zur Organisation des Impftrucks durchs Gemeindepersonal entstanden sind. Die sind in die 84 000 Euro nicht eingeflossen.

Zahlreiche Überstunden auch an den Wochenenden

Trotzdem ist deren Anzahl nicht zu vernachlässigen, weiß BM Molt. Das Nachverfolgung-Team ist auch jedes Wochenende im Einsatz. Das Landratsamt rechnet das mit der Gemeinde entsprechend der Menge an bearbeiteten Fällen ab. Übrigens – im bundesweiten Vergleich ist’s eine Besonderheit, dass die Kontaktnachverfolgung als kommunale Aufgabe gilt. Wird ein neuer Corona-Fall bekannt, setzen sich die Mitarbeiter umgehend ans Telefon. Bürgermeister Reinhard Molt weiß: „Dem Virus kommen wir nur mit Geschwindigkeit bei.“ Immerhin - Vorsprung hat es ohnehin, da zählt beinahe jede Minute, wenn es um die Verständigung der Kontaktpersonen geht. Im Übrigen komme derzeit bei bemerkenwert vielen Corona-Meldungen wenige Tage später auch die Nachricht an, dass es sich um eine Virusvariante handelt. „Die Mutanten sind auch in Remshalden gut unterwegs“, so Molt.

Erstattete Kinderbetreuungsgebühren

Nicht zu vernachlässigen sind auch die Kosten, die die Gemeinde zu zahlen hat, weil sie die Kosten für die Kita- und Grundschulkindbetreuung in den Lockdown-Monaten übernimmt. 80 Prozent der Kita-Beiträge übernimmt das Land Baden-Württemberg angesichts der pandemiebedingten Schließungen, sofern die Kommunen auf eine Bezahlung durch die Eltern verzichten. Dass Remshalden so vorgehen wird, war in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates entschieden worden. Für die Schulkindbetreuung gibt’s vom Land allerdings kein Geld. Hier muss die Gemeinde die Gebühren, die sie nicht von den Eltern einzieht, selbst ausgleichen. Für den Januar bedeutet das insgesamt nach Abzug der Beteiligung des Landes und der Einnahmen der in Anspruch genommenen Notbetreuungen Kosten in Höhe von 20 000 Euro. Gleiches könnte auch anteilig für den Februar gelten. In Anspruch nehmen konnten die Eltern die Betreuung ihrer Kinder schließlich erst wieder seit dem 22. Februar.

Weniger Gewerbesteuer, zehn Prozent weniger Anteil an der EInkommenssteuer

Aber nicht nur Mehrkosten hat die Gemeinde Remshalden zu schultern. Auch Mindereinnahmen drücken den Haushalt. Angesichts sinkender Umsätze bei den in Remshalden ansässigen Unternehmen und etlichen Einwohnern, die von Kurzarbeit betroffen sind, hat die Gemeinde fürs Jahr 2020 durch sinkende Steuereinnahmen ein Minus von rund 3,3 Millionen Euro zu verzeichnen. Allein bei der Einkommenssteuer wurden 1, 06 Millionen weniger in die Kasse gespült, das sind zehn Prozent weniger als im Haushaltsplan zunächst angenommen. Dem gegenüber stehen allerdings, so berichtet es Gaby Scheidel, Leiterin der Remshaldener Finanzverwaltung, auch Kompensationsszahlungen des Bundes in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro. Auch die von der Gemeinde zu zahlende Gewerbesteuer-Umlage reduzierte sich aufgrund der geringeren Einnahmen. Am Ende der Steuer-Rechnung ergibt sich für das Jahr 2020 also ein Minus von etwa 1,47 Millionen Euro. Auch für das Jahr 2021 hat man in Remshalden auf Steuerseite ein Minus von 1,75 Millionen Euro eingeplant.

Geringere Einnahmen sind zudem an anderen Stellen zu verbuchen: Ohne Feste und Feiern ist die Vergnügungssteuer auf ein Minimum gesunken. Weil außerdem viele Menschen coronabedingt im Home-Office arbeiten und wegen der geschlossenen Geschäfte den Innenstädten fernbleiben, ist weniger los auf den Straßen im Land. Dementsprechend seltener lösen stationäre und mobile Blitzer aus, auch weniger häufig werden Falschparker verwarnt.

Corona kostet so einiges: unbefangenen Kontakt mit der Familie, mit den Freunden. All die vielen kleinen Dinge, die das Leben bunt und fröhlich machen, sie fehlen. Straßenfeste, Urlaubsfahrten, Geburtstagsfeiern, Konzertbesuche, die Liste ist endlos, die Dinge darauf unbezahlbar. Allerdings: So manche Rechnung muss eben doch beglichen werden. Die Gemeinde Remshalden hat im Jahr 2020 allein für Masken und Schutzmaterial, für Desinfektionsmittel, Home-Office-IT, Schutzwände und Ähnliches

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