Remshalden

Was passiert mit dem Gelände der alten Realschule?

Alte Realschule schon halb in Trümmern_0
Mit jedem Biss des Baggers geht knirschend ein Teil der alten Remshaldener Realschule zu Bruch. © ZVW/Benjamin Büttner

Remshalden.
„Sie sehen es vielleicht, aber Sie hören es mit Sicherheit“, sagte Bürgermeister Reinhard Molt vor den 200 Menschen, die sich am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung der Gemeinde im IHK-Bildungshaus versammelt hatten. Die Rede war vom Abriss der alten Realschule, der im Moment in Grunbach-Süd im vollen Gange ist. Auf dem freigewordenen Areal könnte in den nächsten Jahren neuer Wohnraum für bis zu 230 Menschen entstehen. Die Planungen dafür werden aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. „Im Südteil könnte es in drei Jahren losgehen“, so Reinhard Molt.

Parkplatznot, ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, fehlende Spiel- und Veranstaltungsflächen – die versammelte Bürgerschaft hatte einige Bedenken, was die geplante Quartiersentwicklung angeht. Der Gesprächsbedarf war entsprechend groß; Bürgermeister Reinhard Molt stand eine gute Stunde lang Rede und Antwort. Zuerst stellte aber das Stuttgarter Architekturbüro ARP den Remshaldenern ihr Konzept für die Entwicklung des Gebiets vor.

Das etwa 2,4 Hektar große Areal soll in vier Quartiere gegliedert werden. Zwei davon liegen nördlich der Goethestraße, wo sich im Moment noch die alte Schulsporthalle und zwei Außensportplätze befinden. Nach dem Wegzug der Schule nach Geradstetten ins ehemalige Hauptschulgebäude halten viele die Anlagen für überflüssig, ein Sportstättenkonzept für ganz Remshalden soll Klarheit bringen.

Zwei Quartiere befinden sich im Plan südlich der Goethestraße, dort, wo gerade die Gebäude der alten Realschule dem Erdboden gleichgemacht werden. Jedes der geplanten Quartiere organisiert sich um einen Innenhof, der nach außen hin den Blick in die Landschaft zulässt. Um den Innenhof soll eine Bebauung mit Reihen- und Mehrfamilienhäusern realisiert werden.

Parken und Straßenführung

Parken könnten deren Bewohner in Tiefgaragen unter den einzelnen Quartieren oder im Falle von Reihenhäusern auf den zugehörigen Stellplätzen. Auch einige öffentliche Parkplätze an der Straße für Anwohner, Besucher und eventuell die IHK soll es geben. Im Herzen des Areals könnte ein Quartiershaus stehen, das Senioren und eine Kindertagesstätte beherbergen soll.

Es bestehen mehrere Vorschläge für die künftige Regelung der Straßenführung. Die Verwaltung bevorzugt eine Regelung, die vorsieht, die Goethestraße zwischen IHK und Neubaugebiet zu teilen und mit der Ausnahme von Müll- und Rettungsfahrzeugen für den Durchgangsverkehr zu sperren.

Ein Verkehrsgutachten beurteilte die Leistungsfähigkeit zweier Knotenpunkte, die die Zufahrt zu dem zukünftigen Wohngebiet ermöglichen: die Kreuzung Brückenstraße/Goethestraße/Kernerstraße und die Kreuzung Max-Holder-Straße/Daimlerstraße/Benzstraße. Laut dem Gutachten sind die Verkehrsmengen an beiden Stellen übersichtlich und würden auch mit dem zusätzlichen Aufkommen durch das neue Wohngebiet nicht überlastet.

Die Bürger begegneten einigen Punkten der Planung mit großer Skepsis, angefangen bei der Verfügbarkeit von Stellplätzen für Autos. „Pro Wohneinheit sind 1,5 Parkplätze vorgesehen“, sagte Reinhard Molt. Die S-Bahn-Station in der Nähe würde rechtlich auch weniger zulassen, wegen der IHK-Besucher hält die Verwaltung das aber nicht für sinnvoll. Die Remshaldener stellten infrage, ob selbst die geplante Anzahl ausreicht. „Wenn Menschen den öffentlichen Verkehr öfter nutzen, verkaufen sie nicht ihr Auto“, sagte einer der Anwesenden. „Wo sollen die IHK-Besucher hin, wenn die Straße zu ist?“, fragte ein anderer.

„Inzwischen gibt es kostengünstige Systeme, um die Parkierung zu lenken“, sagte Reinhard Molt. Er schlug ein Parkleitsystem vor, das den Verkehr durch die Parkplatzsuche vermindern soll. Mehr Parkplätze pro Wohneinheit würden die Kosten für die Entwicklung des Quartiers erhöhen. „Die Wohnungen sollen ja am Ende noch bezahlbar sein“, so der Bürgermeister.

Eine große Sorge: Der Wegfall von Sport- und Spielmöglichkeiten

„Ich habe zwei kleine Kinder“, sagte ein Anwohner aus der Kernerstraße. „Ich möchte sie vielleicht einmal auf die Schule in Geradstetten schicken, aber am Bahnhof habe ich schon dubiose Gestalten entdeckt.“ Seine kleine Tochter wolle er deshalb dort nicht vorbeilaufen lassen. „Die Kinder hätten wenigstens einen Schulbus verdient“, fand er und erntete damit Beifall.

Ein erweiterter Buslinienverkehr für den normalen Betrieb ist eine Kostenfrage, so Reinhard Molt. „Darüber müssen wir diskutieren, da haben wir auch an anderen Stellen Defizite“, sagte er. Ein Schulbus sei bei einer entsprechenden Nachfrage prinzipiell möglich.

Eine große Sorge der Anwohner war auch der Wegfall der Sport- und Spielmöglichkeiten im nördlichen Bereich des Quartiers. „Wir sind hierhergezogen, weil es hier Spielmöglichkeiten für unsere Kinder gibt“, sagte eine Anwohnerin, gefolgt von den Wortmeldungen weiterer Eltern, die den Wert der öffentlichen Sportstätten und Treffpunkte betonten.

„Wir entwickeln die vier Cluster nicht gleichzeitig“, versicherte Reinhard Molt. Die vorhandenen Sportplätze blieben erst einmal bestehen. Im Gemeinderat werde dann diskutiert, wie es mit dem Gebiet weitergeht. Wenn der nördliche und der südliche Teil des Konzepts umgesetzt werden, müsse man sich Gedanken über Ausgleichsflächen machen. Potenzial sah Reinhard Molt dafür nördlich des vorhandenen Gebiets. Gleichzeitig meinte er aber auch, dass die Anwohner mit dem Aktivspielplatz in unmittelbarer Nachbarschaft schon ein attraktives Angebot haben. Auf die Frage nach einem öffentlichen Veranstaltungsraum verwies er auf das geplante Quartiershaus. Falls dort ein Mehrgenerationenhaus entstünde, könnten Anwohner dort möglicherweise einen Raum mieten.

"Es gibt keine Tante-Emma-Läden mehr"

Beim Thema Nahversorgung enttäuschte der Verwaltungschef einige Anwohner: „Es gibt keine Tante-Emma-Läden mehr“, sagte er. Platz für einen Laden vorzubehalten hielt er nicht für sinnvoll. „Hier kommt kein Einzelhändler her.“ Dagegen sagte er zu, dass es in dem neuen Wohngebiet einen Anteil an Sozialwohnungen geben wird.

In der Folge der Bürgerveranstaltung wird der Gemeinderat weiter über die Entwicklung des Gebiets beraten. Es folgen die Konzeptvergabe und ein baurechtliches Verfahren, in dem die Verwaltung vorschreibt, welche Bedingungen von Bauträgern in dem Gebiet erfüllt werden müssen.

Die Verwaltung strebt an, den Bodenpreis beim Verkauf der Grundstücke an Bauträger moderat zu halten, damit die Kosten für den Wohnraum später nicht zu teuer werden. „Das wird die Bauträger nicht interessieren“, merkte eine Zuhörerin an. „Die lachen sich doch ins Fäustchen, wenn sie mehr Profit machen können.“ Reinhard Molt zeigte sich weitaus optimistischer: „Vielleicht gibt es ja auch noch Anständige unter den Bauträgern.“

Einen Punkt konnte der Bürgermeister zur Zufriedenheit der Zuhörer beantworten: „Wir können bestimmen, dass der Verkauf bevorzugt an Menschen aus Remshalden erfolgt“, sicherte er auf mehrfache Nachfrage zu.

Remshalden.
„Sie sehen es vielleicht, aber Sie hören es mit Sicherheit“, sagte Bürgermeister Reinhard Molt vor den 200 Menschen, die sich am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung der Gemeinde im IHK-Bildungshaus versammelt hatten. Die Rede war vom Abriss der alten Realschule, der im Moment in Grunbach-Süd im vollen Gange ist. Auf dem freigewordenen Areal könnte in den nächsten Jahren neuer Wohnraum für bis zu 230 Menschen entstehen.

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper