Remshalden

Wenn Handybilder Leben zerstören: Was tun, wenn Fotos Jugendlicher in falsche Hände gelangt sind?

TheaterSchule
Haben sofort die Aufmerksamkeit der Schüler gebündelt: Schließlich ging’s um Handys. © Gaby Schneider

Dieses kleine viereckige Ding, man nennt es auch Handy. Es hat die Sprengkraft, um Teenieleben zu zerstören. Denn darin schlummern Anwendungen, die bei entsprechend sorglosem Umgang wahlweise verletzen, zu viel preisgeben oder gar die Zukunft ins Wanken bringen. Die Theatertruppe „Q-Rage“ hat in der Wilhelm-Enßle-Halle vor Sechst- und Siebtklässlern anschaulich gemacht, was sonst sperrig Cyber-Mobbing genannt wird.

Ein kleines, gemeines Beispiel aus dem Stück: Hendrik zeigt seiner Schwester Lisa Videoschnipsel. Eines zeigt eine Prügelattacke, ein anderes einen Schüler, der unter der Toilettentür hindurch gefilmt wurde. Die Videos machen in der fiktiven Schul-Whatsapp-Gruppe ihre Runden. Die Empfänger lachen drüber, kommentieren fies, schicken die Aufnahmen immer weiter. Immer weiter. Immer mehr Menschen machen sich lustig. Die abgebildeten Jungen? Blamiert bis auf die Knochen.

Mehr als 95 Prozent in Handy-Klassenchats

Das Duo holt die Schülerinnen und Schüler in ihrer Lebensrealität ab: Zum Einstieg gibt’s Hip-Hop-Musik, Egoshooter-Spiele, verliebte Schwärmereien, Referat-Vorbereitung mit Hilfe von Internetportalen, Whatsapp-Chats. „Die machen das super“, findet Sozialarbeiterin Edeltraud Egle-Illg. Die Schauspieler sprechen die Sprache der Schüler. Denn um die Handys dreht sich ein großer Teil ihrer Lebenswirklichkeit.

„Gerade mal zwei Prozent der Schüler haben kein Handy“, schätzt die Pädagogin. Weitere zwei Prozent hätten zwar ein Handy, beteiligten sich aber nicht an Klassenchats und Ähnlichem. Klar ist – an dem Thema kommt keiner vorbei. Richtig Ahnung haben viele der Jugendliche aber nicht.

Polizeibeamtin steuert Rechtliches bei

Drum begleitet das Theater-Duo als Sidekick eine Polizeibeamtin. Sie erklärt, was rechtlich hinter den gespielten Szenen steckt: das Recht am eigenen Bild zum Beispiel: Nur mit dem Einverständnis des Gegenübers darf gefilmt werden, für eine anschließende Verbreitung braucht es eine weitere Zustimmung. Unnötig zu erwähnen, dass niemand dem zustimmen würde, sich in solch nachteiligen Lagen – auf der Toilette oder als Opfer einer Schlägerei – fotografieren zu lassen. Und die Beamtin geht auf einen anderen Fall ein, der so ähnlich auch schon an vielen Schulen stattgefunden hat:

Freizügige Bilder können ein Problem werden

Der neue Freund eines Mädchens bittet sie um freizügige Aufnahmen. Sie - unerfahren mit Verliebtheit und rosaroten Brillen – gibt dem nach. Posiert leicht bekleidet, schickt dem Jungen das gewünschte Bild, ihr Gesicht ist dabei zu erkennen. Drei Wochen später ist er nicht mehr ihr Freund. Aber für das Mädchen liegt mehr in Scherben, als nur die kurze Beziehung: Denn der Junge zeigt das Bild herum, schickt es weiter.

Eine Katastrophe – nicht vorstellbar, was das für die weitere Zukunft bedeuten könnte, wenn ihr Name und das Bild im Internet irgendwann einmal in Zusammenhang gebracht würden und spätere Ausbildungsleiter infolge einer Bewerbung begännen zu googeln. Nicht auszudenken, was das fürs nachfolgende Leben bedeuten könnte – heißt es doch immer: „Das Internet vergisst nichts.“

Fragliche Bilder schnell löschen

Die Beamtin ordnet ein: Schon allein der Besitz einer Aufnahme, der der jeweilige Protagonist nicht zugestimmt hat, ist strafbar. Das unerlaubte Weitersenden natürlich ebenfalls. Drum gibt’s nur eine richtige Sache zu tun, wenn solche Bilder oder Videos in Gruppenunterhaltungen auftauchen: Alle müssen sie aus dem Chat und von ihrem Handy löschen und dürfen sie in keinem Fall weiterschicken.

In der Diskussion wurde klar: Sogar Lehrerinnen wurden zuletzt beim Online-Unterricht gefilmt, die Aufnahmen in den Klassenchat gestellt und mit hässlichen Kommentaren bedacht. Auch hier riet die Polizistin: weg mit den Dateien – von allen Handys. Und eines sollten sich die Jugendlichen immer wieder fragen: nämlich, wie sie sich fühlen würden, wenn es um sie selbst ging.

Wer selbst betroffen ist, kann Anzeige erstatten. Dann werden die digitalen Geräte der Täter beschlagnahmt, durchsucht und im Zweifel als Beweismittel einbehalten. Dann können Dateien gelöscht werden. Aber: Ist ein Bild einmal im Netz, gar in Plattformen wie TikTok oder Snapchat angekommen, wird’s schwierig, Kopien und Screenshots zu kontrollieren.

Achtung auch bei Musikdateien

Ähnliches gilt für illegal heruntergeladene Musik- oder Filmdateien. Hier wird nicht das Recht am eigenen Bild verletzt, sondern das Urheberrecht – und das kann richtig teuer werden. Bei nicht wenigen Jugendlichen standen schon Polizeibeamte vor der Wohnungstür, um den Computer zu beschlagnahmen. Pro gestohlenem Titel, so erklärt es die Beamtin, werden hohe Beträge fällig. Drum: Wer die neueste Musik hören will und wenig Geld hat, sollte sich lieber einen günstigen Streaming-Dienst leisten oder beim Online-Radio aufnehmen, das ist im Zweifel günstiger, als die Strafe für eine Urheberrechtsverletzung zu zahlen.

Dieses kleine viereckige Ding, man nennt es auch Handy. Es hat die Sprengkraft, um Teenieleben zu zerstören. Denn darin schlummern Anwendungen, die bei entsprechend sorglosem Umgang wahlweise verletzen, zu viel preisgeben oder gar die Zukunft ins Wanken bringen. Die Theatertruppe „Q-Rage“ hat in der Wilhelm-Enßle-Halle vor Sechst- und Siebtklässlern anschaulich gemacht, was sonst sperrig Cyber-Mobbing genannt wird.

Ein kleines, gemeines Beispiel aus dem Stück: Hendrik zeigt seiner

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