Remshalden

Weshalb in Remshalden Trinkwasser in Mengen im Boden versickert

Wasserverbrauch
Jahr für Jahr tropft reichlich Wasser ungenutzt in den Untergrund. © siehe Bildtext

Mehr und mehr Wasser – und damit auch bares Geld – geht der Gemeinde Remshalden derzeit durch die Lappen. Die Leitungen in den Gemeindeteilen Grunbach und Geradstetten halten nämlich nicht mehr, was sie einst versprachen. 343 000 Kubik läpperten im Jahr 2019 durch die Leitung, was einen finanziellen Verlust von 63.000 Euro ausmacht. Das hat die jüngste Abrechnung jetzt ergeben. Damit hat sich der Wasserverlust in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Für die Folgejahre kann mit einem ähnlichen Ergebnis gerechnet werden. Denn die Ursache kann nicht ad hoc beseitigt werden.

Gesamtes Leitungsnetz in Grunbach-Süd unter Verdacht

Während die Leitungen in Rohrbronn und Hebsack recht stabil zu sein scheinen, sieht's im gesamten Gebiet von Grunbach und Geradstetten eher schlecht aus. Am häufigsten fällt Grunbach-Süd aktuell mit Wasserrohrbrüchen auf. Andreas Schneider, Sachgebietsleiter Tiefbau bei der Gemeinde Remshalden, erklärte dem Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, dass die Verluste sich leider nicht auf einige wenige Straßenzüge eingrenzen ließen. „Sonst hätten wir die entsprechenden Leitungen längst ausgetauscht.“ Vielmehr scheint das gesamte Leitungsnetz in dem entsprechenden Gebiet marode zu sein.

Rohre wurden nicht fachgerecht verlegt

Früher habe man nicht gezögert, den Erdaushub wiederzuverwenden, um die Gräben, die für die Wasserrohre geschaffen worden waren, wieder zu füllen. Allerdings – die Reibung, die durch mitverfüllte Steine in Kombination mit Temperaturschwankungen und mechanischem Druck entsteht, ist Gift für Kunststoffrohre. Heutzutage wisse man, dass man solche Rohre in reichlich Sand betten sollte. Da Grunbach-Süd aber einer der ersten Gemeindeteile war, in dem man in den 70er und 80er Jahren statt Stahlrohren Kunststoffvarianten nutzte, fehlten damals schlichtweg die Erfahrungswerte dazu. Heute gehe man bei der Verwendung von Kunststoffrohren ganz anders vor, zudem habe sich das Material weiterentwickelt.

Leitungen werden abgehört

„Das Remstalwerk ist schwer dahinter her, die Probleme zu lösen“, versicherte Bürgermeister Reinhard Molt. Nächtens, wenn alles schläft und kaum Wasser aus den Privathaushalten gezogen wird, lauscht man mit entsprechenden Geräten in die bestehenden Leitungen hinein. Löcher ab einer bestimmten Größe können durch die verursachten Ausströmgeräusche akustisch aufgespürt werden. Indes: Kleine Löchlein mit gerade einmal zwei Millimeter Durchmesser, die über die Zeit aufgrund einer nicht fachgerechten Verlegung entstehen können, sind zu klein, um hörbare Geräusche zu verursachen. Der Wasserverlust, den solche winzigen Löcher verursachen können, ist aber riesig. Eine kleine Modellrechnung macht es klar: Ein Loch von zwei Millimetern verursacht bei einem Wasserdruck von sechs Bar über ein Jahr hinweg einen Verlust von 2500 Kubik Wasser.

Nicht immer von einem Leck zum anderen hecheln

Weil bei den nächtlichen Rohr-Lauschereien bisher kaum Auffälligkeiten entdeckt wurden, muss man davon ausgehen, dass es zu dem großen Remshaldener Wasserverlust wegen vieler kleiner Löcher kommt. Abgesehen davon erschweren lange, tief liegende Leitungen aus PE-Kunststoff das Abhören zusätzlich. Weil sich der Wasserverlust in den vergangenen Jahren aber stark vergrößert hat, ist die Handlungsanweisung klar: In den entsprechenden Gebieten sollte über kurz oder lang möglichst das gesamte Leitungsnetz ausgetauscht werden.

„Wir können nicht immer von einem Loch zum anderen hecheln“, erklärt Bürgermeister Molt auf Nachfrage. Im nächsten Schritt werde die Gemeinde deshalb einen Gutachter beauftragen, der ein sinnvolles weiteres Vorgehen erarbeitet. Darauf aufbauend wird es erste Kostenkalkulationen geben. Klar ist aber auch: Im besten Fall sollten die Leitungen von Hydrant zu Hydrant und bis zu den Hausanschlüssen getauscht werden, weshalb teilweise auch Hauseigentümer mit ins finanzierende Boot geholt werden müssten.

Systematisch entgegenwirken

Geradezu entsetzt über die enormen Wasserverluste zeigte sich Gemeinderat Dr. Uli Hasert (BWV). „Wir haben Verluste von 340 Millionen Liter Wasser – das ist kostbares Grundwasser.“ Er forderte die Gemeinde auf, bei den Remstalwerken darauf hinzuwirken, dass man dem Thema schnell und systematisch entgegentrete, wohl wissend, dass schwer nachzuvollziehen ist, was im Boden passiere. Wolfgang Läpple (CDU) kritisierte, dass bei der Wasserversorgung in den vergangenen Jahren ein großer Investitionsstau entstanden sei. Nun müsse man endlich überlegen, wie man das Problem systematisch angehen könne. Immerhin ein Drittel des gesamten Remshaldener Wasserverbrauchs könne als Verlust gewertet werden. Das müsse dringend minimiert werden.

Und Ursula Zeeb (ALi) wollte sich einen Hinweis nicht verkneifen, dass nämlich bei der immer neuen Ausweisung von Neubaugebieten eben auch berücksichtigt werden müsse, dass man auch die entsprechenden Leitungen instand halten müsse. Bürgermeister Reinhard Molt geht allerdings davon aus, dass bei einem sachgerechten Einbau der Rohre solche Probleme, wie sie aktuell die Gemeinde beschäftigen, nicht so schnell wieder vorkommen werden.

Mehr und mehr Wasser – und damit auch bares Geld – geht der Gemeinde Remshalden derzeit durch die Lappen. Die Leitungen in den Gemeindeteilen Grunbach und Geradstetten halten nämlich nicht mehr, was sie einst versprachen. 343 000 Kubik läpperten im Jahr 2019 durch die Leitung, was einen finanziellen Verlust von 63.000 Euro ausmacht. Das hat die jüngste Abrechnung jetzt ergeben. Damit hat sich der Wasserverlust in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Für die Folgejahre kann mit

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