Remshalden

Wie Gastro-Azubis aus dem Lamm in Hebsack in der Pandemie (fast) ohne Gäste ihren Job gelernt haben

Azubis
Die Auszubildenden Ruben Stürmer, Julian Rattinger, Julia Lederer, Kim Pfaue, Paul Juraschek und Sabrina Klein (v. l. n. r.) sind froh, dass endlich wieder Gäste ins Lamm kommen. © ALEXANDRA PALMIZI

„Das ist mehr als nur ein Beruf“, findet Kim Pfaue. Die 17-Jährige macht derzeit ihre Ausbildung als Hotelfachfrau im Lamm in Hebsack und hat sich bewusst für diese Branche entschieden, weil sie es liebt, mit Menschen zu arbeiten. „Dafür zu sorgen, dass sie sich wohlfühlen, dass es ihnen gutgeht und sie ihren Aufenthalt genießen können, das macht mir einfach Spaß.“ Sie hat Freude daran, die Bedürfnisse der Gäste zu erspüren, mit den Menschen in direktem Kontakt zu sein. „Da muss man schon ein Menschenfreund sein“, findet sie.

Ruhig sitzen statt von Gast zu Gast zu flitzen

Vor zwei Jahren hat die Remshaldenerin im Lamm in Hebsack angefangen. Nach nur sechs Monaten begann der März 2020 – und plötzlich war weit und breit kein Gast mehr zu sehen. Statt fürs Wohlergehen des Gastes zu sorgen, saßen die Azubis quasi auf dem Trockenen, waren zur Theorie verdonnert. „Ich konnte gar nicht ruhig dasitzen“, erinnert sich die Remshaldenerin. Schließlich ist sie im Betrieb kontinuierlich auf den Beinen, saust hin und her, kümmert sich und sorgt sich um die Gäste.

Abhol-Gastronomie hat familiäre Stimmung gestärkt

Immerhin: Gemeinsam haben die Azubis ein Online-Videoprojekt ins Leben gerufen, in dem sie sich über die Ausbildung im Lockdown austauschten. Nach und nach kehrten außerdem die Geschäftskunden ins Hotel, viele Stammgäste als Abhol-Kundschaft zurück. „Da haben sich alle wieder gefreut“, erinnert sich die junge Frau. Viele seien jeden Tag gekommen, das habe die ohnehin schon familiäre Stimmung im Betrieb weiter verstärkt. Und etwas Kostbares haben die Abhol-Kunden mitgebracht: das erneute Vertrauen darin, den richtigen Beruf gewählt zu haben. Denn der neuerliche Kontakt tat allen gut: den Abholenden genauso wie dem Servicepersonal.

Bedürfnisse der Gäste sind anders

Deutlich wurde dabei eines: Die Gäste und ihre Bedürfnisse haben sich verändert. Das sieht auch Sabrina Klein (32), die bald mit ihrer Ausbildung als Köchin fertig ist. Das Sicherheitsverlangen sei gestiegen. Drum kommunizierten sie nun gerne, dass die meisten Beschäftigten geimpft sind und sich außerdem regelmäßig auf das Coronavirus testen. Außerdem sind Masken für die Angestellten Pflicht. „Die Kunden sollen sich wohl-, so sicher wie zu Hause fühlen und für ein paar Stunden vergessen, was da draußen los ist.“

Dennoch sehe Kim Pfaue immer wieder, dass die Leute sich zurzeit im Lokal anders umguckten als früher. Damit sich alle sicher fühlen können, wird nach dem Mittagstisch ein Luftfilter in den Raum gebracht, der die Luft reinigen soll, häufiger denn je werden die Fenster geöffnet, die durchschnittliche Raumtemperatur sei deshalb ein klein wenig niedriger, erklärt Chefin Sylvia Polinski.

Pandemie-Logistik beim Einteilen der Mitarbeiterinnen

Die getesteten Mitarbeiterinnen werden in zwei Schichten eingesetzt, so dass der Betrieb auch dann weiterlaufen kann, wenn ein Teil der Belegschaft in Quarantäne müsste. Sämtliche Mitarbeiter melden sich selbst täglich bei der Luca-App an, Gäste, die selber keinen digitalen Zugang dazu haben, können sich in ein papiernes Formular eintragen, das Service-Personal übernimmt dann die Registrierung per Tablet.

Aber noch mehr ist anders: „Wir haben hauptsächlich kleine Tische eingedeckt“, berichtet Sylvia Polinski. Zwar gebe es ab und an schon wieder kleinere Feiern, aber dass vier bis fünf befreundete Paare sich gemeinsam zum Essen treffen – so etwas komme eigentlich nicht mehr vor. Die kleineren Tische aber seien Abend für Abend ausgebucht. Und die Gäste an ihnen würden erheblich mehr konsumieren als vor der Pandemie, findet die Wirtin. Als wollten sie etwas nachholen. Da gebe es inzwischen viel häufiger einen Aperitif vorweg, eine tolle Flasche Wein nebenher. „Das ist schon bemerkenswert.“

Endlich brummt’s wieder: Zusätzliches Personal ist schwer zu finden

Dank des großen Andrangs sind inzwischen wieder alle Angestellten aus der Kurzarbeit raus, und man könnte sogar noch zusätzliches Personal gebrauchen. Viele Aushilfen haben sich aber während der Pandemie ein anderes Auskommen gesucht, während etliche Betriebe nach ihrem Corona-Neustart händeringend nach Personal suchen. Es läuft wieder richtig gut, seit die 3-G-Regel gefallen ist. „Vorher war es vielen zu umständlich, nicht allen war immer klar, was sie beachten mussten, bis sie am Tisch saßen“, weiß Sylvia Polinski. Jetzt aber brummt’s im Lamm.

Inzwischen können Polinskis auch wieder Praktikanten beschäftigen, was das Finden von passenden Azubis für den nächsten Ausbildungszyklus erleichtert. Das war in den vergangenen eineinhalb Jahren wegen der Verordnungen zur Eindämmung der Pandemie quasi unmöglich gewesen. Auch Ausbildungsmessen in Präsenz konnten nicht stattfinden. Gleichzeitig sei es aber üblich, künftige Azubis zuvor als Praktikanten kennenzulernen. So könnten sich beide Seiten sicher sein, dass sie zueinander passten. Und so konnten schon drei Azubis für die Stellen, die im September frei werden, gefunden werden. Eine weitere Stelle im Hotelfachbereich ist noch frei. Insgesamt sind in dem Hebsacker Betrieb meist sieben bis zehn Auszubildende angestellt.

„Das ist mehr als nur ein Beruf“, findet Kim Pfaue. Die 17-Jährige macht derzeit ihre Ausbildung als Hotelfachfrau im Lamm in Hebsack und hat sich bewusst für diese Branche entschieden, weil sie es liebt, mit Menschen zu arbeiten. „Dafür zu sorgen, dass sie sich wohlfühlen, dass es ihnen gutgeht und sie ihren Aufenthalt genießen können, das macht mir einfach Spaß.“ Sie hat Freude daran, die Bedürfnisse der Gäste zu erspüren, mit den Menschen in direktem Kontakt zu sein. „Da muss man schon

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