Remshalden

Wirtschaftsforum in Remshalden: Klartext zu Krise, Krieg und Klimawende

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Die Redner des Wirtschaftsforums Walter Schwelberger (Geschäftsführer PTS Prüftechnik, links), Claus Paal (IHK Region Stuttgart, zweiter von rechts) und Holger Wüst (Regionaldirektor Firmenkunden der Volksbank Schorndorf, rechts). © Gaby Schneider

Putins die Versorgung abwürgender Gas-Krieg gegen Europa - und ein „Booster“ für eine entschiedenere und vor allem schnellere Energiewende? So jedenfalls die Einschätzung und Hoffnung von Claus Paal, dem Vizepräsidenten der IHK Region Stuttgart im Nachgespräch beim 17. Remshaldener Wirtschaftsforum im Rathaus Geradstetten. Dieses war eine erstaunliche Veranstaltung der offenen Worte angesichts des gegenwärtig globalen Krisen-Geschüttels.

"Nicht den Vor-Krisen-Zustand herbeisehnen"

Den Auftakt machte dabei Bürgermeister Reinhard Molt in seiner Begrüßung: „Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und Energieknappheit sollten uns nicht in Versuchung bringen, uns wieder den Vor-Krisen-Zustand herbeizusehnen.“ Stattdessen, so Molt: „Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben und wir müssen uns auf mögliche Folgepandemien einstellen.“

Zum russischen Überfall auf die Ukraine sagte der Bürgermeister: „Dieser unmenschliche Krieg zeigt uns, dass die Staatengemeinschaft bereits bei den ersten Aggressionen sofort und massiv hätte reagieren müssen“. Und zur daraus folgenden Energiekrise zog Molt für ein „rohstoffarmes Land“ den Schluss, dass „wir uns auf keinen Fall von labilen staatlichen Strukturen abhängig machen dürfen“.

„Sehen wir nicht nur das Negative, sondern die Chance“

Daraus die Lehre? „Das Ziel ganz klar: ein rascher Ausbau aller erneuerbaren Energien, selbstverständlich auch im Kontext der dringenden Klimaneutralität.“ Molts Fazit: „Sehen wir in den multiplen Krisen nicht nur das Negative, sondern die Chance.“ Und das war denn auch der eher optimistische Zug der weiteren Beiträge dieses Wirtschaftsforums.

Und dennoch: auch Essig im Wein, wie aus der Situationsbeschreibung des aktuellen Finanzmarkts deutlich wurde, die Holger Wüst von der Volksbank Stuttgart gab. „Der dynamische Anstieg des Zinsniveaus nach einer langen Niedrigzinsphase“ habe dazu geführt, dass es im laufenden Jahr „zu einer sehr deutlichen Dämpfung der Nachfrage nach Baufinanzierungen“ gekommen sei. Insbesondere die sehr hohe Inflationsrate lasse hier auf Sicht keine deutliche Entspannung erwarten.

Wüst erwartet eine „rezessive Entwicklung“ der Wirtschaft aufgrund unter anderem der „Lieferkettenprobleme, der Preisentwicklung und auch der Verfügbarkeit von Vorprodukten“. Aber selbst er zündete zum Schluss seines Beitrags ein lichtes Kerzlein an. „Auch wenn die Stimmungsbarometer und Konjunkturindikatoren ein düsteres Bild zeigen, so hat mich die Nachricht, dass die tatsächliche betriebswirtschaftliche Verfassung der mittelständischen Betriebe besser ist als die Stimmungsindikatoren prognostiziert haben, hoffnungsvoll gestimmt.“

Aufschwung trotz enormer Energieprobleme bei PTS

Und im expansiven Aufschwung, trotz enormer Energieprobleme, befindet sich auch die Firma PTS Prüftechnik mit ihren derzeit 40 Beschäftigten in ihrer Niederlassung Remshalden, wie Geschäftsführer Walter Schwelberger bei seiner Firmenpräsentation deutlich machte. Das Unternehmen, selbst so etwas wie ein gegenwärtiges Zukunftsprojekt, testet für seine Auftraggeber die Effizienz von Elektromotorantrieben, trägt also paradoxerweise unter riesigem Energieaufwand zur Energieeinsparung bei.

Schließlich Claus Paal, dezidiert ein Mann der Wirtschaftsinteressen, mit seinem engagierten, geradezu feurigen Impulsvortrag. Ja, mit einem für einen CDU-Politiker erfrischend klaren und veränderungswilligen Blick auf die lokalen und globalen Krisen. Und das aus, wie klar wurde, intimer Sachkenntnis. Unideologisch, nah an der Praxis und den Nöten von Wirtschaft – und Gesellschaft! Man staunte. Da bewegt sich zwischen grün und konservativ, zwischen Ökologie und Wertschöpfung, scheinbar wirklich was.

„Ich habe die Hoffnung, dass es einigermaßen gut ausgeht“, erklärte Paal und fügte hinzu: „Putin darf nicht gewinnen!“ Und trotzdem sei klar: „Wir haben alle keine schönen Monate vor uns!“ Denn, so Paal: „Wenn die Gaspreisbremse nicht kommt, sehe ich Firmenschließungen.“ Unverständnis äußerte er darüber, dass „nicht schneller entschieden wird“.

Klar seine Aussage zum Klimawandel: „Wir erleben das Ende des fossilen Zeitalters. Was in Jahrmillionen entstanden ist, haben wir in 200 Jahren verbrannt.“ Und, so Paal, „der fürchterliche Krieg beschleunigt die Notwendigkeit, hier auszusteigen“. Seine Forderung: „So viel regenerative Energiebereitstellung wie möglich!“ Dabei befürchtet er, dass wir die Entwicklung verschlafen. „Meine größte Sorge ist, dass wir zu langsam sind, unsere Probleme zu lösen.“ Er verstehe nicht, „dass hier nicht schneller entschieden wird.“

"Baden-Württemberg ist ein Technologieland"

Dabei, so Paal, glaube er an die Fähigkeiten der Region. „Baden-Württemberg ist ein Technologieland. Die Herausforderungen sind eine Riesenchance für unsere Unternehmen! Aber wir müssen unsere Produkte früher auf den Markt bringen.“

Schaute man sich im Sitzungssaal des Rathauses um, sah man ein erstaunlich junges und aufmerksames Publikum an Unternehmerinnen und Unternehmern. Durchschnittsalter geschätzt etwa 40 Jahre. Das Interesse an einer lebbaren – und warum auch nicht: einträglichen – und klimafreundlichen Zukunft, war spürbar.

Putins die Versorgung abwürgender Gas-Krieg gegen Europa - und ein „Booster“ für eine entschiedenere und vor allem schnellere Energiewende? So jedenfalls die Einschätzung und Hoffnung von Claus Paal, dem Vizepräsidenten der IHK Region Stuttgart im Nachgespräch beim 17. Remshaldener Wirtschaftsforum im Rathaus Geradstetten. Dieses war eine erstaunliche Veranstaltung der offenen Worte angesichts des gegenwärtig globalen Krisen-Geschüttels.

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