Remshalden

Wohnungsbau in Grunbach-Süd: In drei Jahren soll es losgehen

Schule Remshalden
Die ehemalige Realschule ist inzwischen vom Erdboden verschwunden. In drei Jahren könnten auf dem Gelände wieder die Bagger unterwegs sein, denn ab dann soll dort Wohnraum entstehen. © Benjamin Büttner

In den vergangenen Monaten konnten Anwohner beobachten, wie die alte Ernst-Heinkel-Realschule Schritt für Schritt dem Erdboden gleichgemacht wurde. Der Abriss ist jetzt abgeschlossen, auf dem Areal soll erst einmal grünes Gras wachsen. Erst in ein paar Jahren sollen auf der Fläche Wohnungen gebaut werden.

Bis zu 230 Wohneinheiten könnten auf einem etwa 24 000 Quadratmeter großen Plangebiet entstehen, das neben dem freigewordenen Areal auch die zwei Außensportplätze und die Halle nördlich der ehemaligen Realschule einschließt. Ein „Wohnquartier mit besonderer Wohnqualität“ soll so laut der Verwaltung in Grunbach-Süd entstehen.

Das war die Auskunft bei einer voll besetzten Bürgerinformationsveranstaltung zum Thema im IHK-Bildungshaus vergangenen Januar. Das Interesse der Bürgerschaft an dem Thema war damals groß. Nicht nur, weil auf dem Gelände wertvoller Wohnraum entstehen soll, sondern auch, weil die Anwohner unmittelbar davon betroffen sind, wie sich ihre Nachbarschaft entwickelt.

Ein Baubeginn in drei Jahren ist nach wie vor realistisch

Die Bürgerinnen und Bürger äußerten bei der Veranstaltung Sorgen – unter anderem zur künftigen Parkplatzlage und dem Wegfall von Spiel- und Sportmöglichkeiten, wenn der nördliche Bereich des Plangebiets bebaut wird. Bei der Infoveranstaltung redete Bürgermeister Reinhard Molt von einem Baubeginn im südlichen Teil des betroffenen Geländes in etwa drei Jahren.

„Corona hat das Thema um mindestens eineinhalb Monate verschleppt“, sagte Reinhard Molt kürzlich bei einer Sitzung des Technischen Ausschusses der Gemeinde, bei der die Zukunft des Areals wieder auf der Tagesordnung stand. Den Baubeginn in drei Jahren hält er aber noch für realistisch. „Wir haben gesagt, wir müssen diesen Stein jetzt mal ins Rollen bringen.“

Finanzielle Einbrüche wegen Corona

Die ersten Pläne zur Entwicklung des Gebiets, die die Verwaltung im Januar vorstellte, sahen eine Unterteilung des Areals in vier Quartiere vor, zwei nördlich und zwei südlich der Goethestraße. Bevor die zwei Quartiere nördlich der Goethestraße entwickelt werden können, muss die Verwaltung laut Reinhard Molt Ausgleichsmöglichkeiten für die Sportstätten, die dort wegfallen würden, schaffen. Wann es so weit ist, könne er im Moment nicht abschätzen, auch weil der Verwaltung durch die coronabedingten finanziellen Einbrüche voraussichtlich weniger Geld zur Verfügung stehen wird.

Zuerst sollen also die zwei Quartiere im Süden entwickelt und mit Reihen- und Mehrfamilienhäusern bebaut werden. Für die Mitte des Areals war ein Quartiershaus vorgesehen, das Senioren und eine Kindertagesstätte beherbergen könnte.

Investoren können hohe Mieten nicht auf Grundstückspreise schieben

Dieses grobe Konzept muss nun weiterentwickelt werden. Dafür beschloss der Technische Ausschuss, ein Konzeptvergabeverfahren anzustrengen, das den Fokus bei der Grundstücksvergabe im Interesse einer nachhaltigen und sozial gerechten Stadtentwicklung auf die Qualität der Wohnprojekte legt statt auf den gebotenen Höchstpreis der Interessenten. Der Vorteil laut Reinhard Molt: Den Preis, den Interessenten für die Wohnungen später einmal bezahlen müssen, legen nach wie vor die Investoren fest – dadurch dass die Gemeinde aber im Vorfeld einen festen Grundstückspreis bestimmt, können sich die Investoren später bei hohen Mieten nicht damit herausreden, dass sie schon für den Grundstückspreis viel bezahlen mussten. Der Preis, den die Gemeinde für die Grundstücke verlangt, wird öffentlich einsehbar sein.

Offener Wettbewerb ein halbes Jahr lang

Das Konzeptvergabeverfahren soll ein halbes Jahr dauern und wird als offener Wettbewerb durchgeführt. Mit der Betreuung beauftragte der Technische Ausschuss das Stadtplaner-Büro „Bäumle Architekten“ aus Darmstadt.

Ein Planungsausschuss wird festlegen, welche Prioritäten bei der Entwicklung des Gebiets gesetzt werden sollen. Er berücksichtigt dabei Aspekte wie Ökologie, Stadtbild und die soziale Bindung der Wohnungen. So entscheidet er zum Beispiel, wie viele der künftigen Wohnungen für niedrige Einkommen verfügbar sein werden.

Dass es bei dem Projekt wieder vorangeht, begrüßte ALi-Gemeinderätin Ursula Zeeb, eine Anmerkung hatte sie aber: „Wir machen nur Bürgerinformation“, sagte sie. „Keine echte Bürgerbeteiligung.“ Dabei wäre bei dem Projekt eine gute Chance dafür gegeben. „Wahrscheinlich auch die letzte, bei so einem Projekt, die Bürger wirklich zu beteiligen“, so Zeeb.

Keine Bürgerbeteiligung, aber Info-Veranstaltung im Sommer

Bürgermeister Reinhard Molt sah das anders. „Wir haben sehr viel gesammelt, was die Bürgerschaft uns ins Stammbuch geschrieben hat“, sagte er. „Unser integriertes Gemeindeentwicklungskonzept wird eines sein, das nur mit der Bürgerschaft vorangetrieben werden kann.“ Es sei auch so schon schwierig, bei der Bebauung des ehemaligen Realschul-Areals Interessenten zu finden, die so bauen wollen, wie die Gemeinde sich das vorstelle.

BWV-Gemeinderat Roland Schanbacher merkte an: „Mit einer förmlichen Bürgeranhörung wären wir auf keinen grünen Zweig gekommen.“ Außerdem seien die Bürger nicht ganz außen vor, da sie die Möglichkeit haben, im Rahmen eines laufenden Bebauungsplanverfahrens ihre Anregungen einzubringen.

Bürgerinformation vor Ende August

Auf die Nachfrage, ob es außer den schon genannten noch weitere Beteiligungsmöglichkeiten der Bürgerschaft gibt, zum Beispiel durch Vertreter von Vereinen, der Kirchengemeinden oder Anwohner, sagte Reinhard Molt: „Jetzt im ersten Teil ist eine weitere Bürgerbeteiligung nicht geplant.“ Insbesondere im südlichen Teil verfolge die Verwaltung eine reine Informationspolitik.

Vor Ende August ist - abhängig davon, wie die Corona-Lage sich entwickelt und ob eine solche Veranstaltung möglich sein wird - noch einmal eine Bürgerinformationsveranstaltung in der Wilhelm-Enßle-Halle vorgesehen.

In den vergangenen Monaten konnten Anwohner beobachten, wie die alte Ernst-Heinkel-Realschule Schritt für Schritt dem Erdboden gleichgemacht wurde. Der Abriss ist jetzt abgeschlossen, auf dem Areal soll erst einmal grünes Gras wachsen. Erst in ein paar Jahren sollen auf der Fläche Wohnungen gebaut werden.

Bis zu 230 Wohneinheiten könnten auf einem etwa 24 000 Quadratmeter großen Plangebiet entstehen, das neben dem freigewordenen Areal auch die zwei Außensportplätze und die Halle

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