Rudersberg

Angeklagter hielt Oldtimer-Motorräder für Schrott

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Symbolbild. © Pixabay CC0 Public Domain

Schorndorf/Rudersberg. Der Pachtvertrag für die Garage bestand nur mündlich, die Kündigung wurde ebenso erteilt. Es gab keine klaren Fristen und auch keine genauen Absprachen. Deshalb kam es zu einem Missverständnis, bei dem ein Rudersberger ein Haus in Schlechtbach erwarb und entrümpelte – mitsamt der zwei Oldtimer-Motorräder des Garagenpächters, der ihn daraufhin verklagte.

„Auf dem Land funktionieren die Sachen halt bissle anders“: So rechtfertigte sich der 49-jährige Enkel der älteren Frau, der das Haus in Schlechtbach ursprünglich gehörte, vor Gericht. Im Frühjahr dieses Jahres hatte er seiner Großmutter dabei geholfen, ihr Grundstück zu verkaufen. Neben dem Haus befand sich eine Garage, die zu diesem Zeitpunkt noch an einen 68-jährigen Rentner aus Rudersberg verpachtet war. Seit 20 Jahren. Nach Verkauf des Hauses seiner Oma rief der Enkel den Garagenpächter an, um ihm mitzuteilen, dass das Haus verkauft sei und mitsamt der Garage abgerissen werden solle. Was alles Weitere betreffe, solle sich der Pächter an den neuen Hausbesitzer wenden. „Der Vertrag bestand nur mündlich, also bin ich davon ausgegangen, dass ich ihn auch mündlich kündigen kann“, so der Enkel.

„Ich wurde beauftragt, das Haus zu entrümpeln“, sagte der Angeklagte, der Käufer des Hauses, aus. Laut notariellem Kaufvertrag haben die Verkäufer zugesichert, dass bei Übergabe des Hauses zum Stichtag Ende Mai keine Miet- oder Pachtverhältnisse mehr bestehen. Weil der Käufer selbstständig im Baugewerbe tätig ist, einigte er sich mit dem Enkel der Hausbesitzerin darauf, das Haus samt Garage mit seinem Team selbst zu entrümpeln, obwohl das eigentlich Aufgabe der Verkäufer gewesen wäre. Vorher, so konnte er nachweisen, hat er sogar noch einmal eine E-Mail geschrieben, um nachzufragen, wie weit die Verkäufer mit der Entrümpelung sind.

„Mach!“ hatte der Enkel daraufhin in einem Telefongespräch gesagt, das gab er vor Gericht bereitwillig zu. „Wir waren durch. Unsere Sachen waren draußen.“ Weil er den Pächter ja zuvor angerufen hatte, fühlte er sich für die Gegenstände in der Garage nicht verantwortlich.

Angeklagter hielt Räder für Schrott

Der Hauskäufer ging nach dem Gespräch davon aus, dass er alle Gegenstände, die im auf dem Grundstück verblieben waren, entsorgen konnte. „Es war immer nur die Rede von einem Oldtimer-PKW in der Garage, und der war weg, als wir mit dem Entrümpeln anfingen“, sagte er. Die zwei Motorräder, eines Baujahr 1951 und eines aus dem Jahre 1982, hielt der er für Schrott. Zwar habe eines von ihnen noch ein Kennzeichen gehabt, der TÜV war aber lange abgelaufen. Das sah der Garagenpächter anders.

„Ich hatte immer den Traum gehabt, die Motorräder mal zu restaurieren“, sagte der Oldtimer-Liebhaber. Den Wert der Motorräder schätzte er auf 1000 Euro pro Stück, er habe aber auch schon weit höhere Angebote bekommen. Eines der Motorräder war sogar noch zugelassen. Weil es schwierig war, einen neuen Raum für die Motorräder und den Oldtimer-PKW, der sich auch in der Garage befand, zu finden, konnte der Mann bis Ende Mai nur den PKW abholen. Er ging aber davon aus, dass er noch innerhalb der Kündigungsfrist handelte.

Bis zum 9. Juni hat es gedauert, bis er dazu kam, auch die Motorräder abzuholen – aber als er die Garage aufmachte, der Schock: Sie waren weg. Er rief den neuen Besitzer an, der ihm mitteilte, die Motorräder entsorgt zu haben „und dann hat er einfach aufgelegt“. Danach zeigte er ihn an.

„Das ist irgendwie komisch gelaufen“, sagte der neue Hausbesitzer. Die Staatsanwältin schlug vor, das Verfahren einzustellen, was der 49-Jährige nach kurzer Besprechung mit seinem Verteidiger nicht akzeptieren wollte. „Ich habe meiner Ansicht nach nichts falsch gemacht,“ meinte er. Letztendlich bekam er recht: Die Staatsanwältin beantragte Freispruch, Richterin Doris Greiner folgte dem Antrag. „Ich tue mich etwas schwer, weil eines der Motorräder noch zugelassen war,“ sagte sie. „Aber hier ist die Frage des Vorsatzes zu klären, und da bestehen zumindest Zweifel.“ Strafrechtlich war für sie deshalb keine Verurteilung möglich.