Rudersberg

Arzthelferin war im Waisenhaus in Sambia

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Jasmin Kotrba
Der Stoff erinnert sie daheim an Sambia: Jasmin Kotrba hat ihn aus dem afrikanischen Land mitgebracht. © Habermann / ZVW
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Gruppenbild mit Lollis: Nach einer Schnitzeljagd ist dieser Schnappschuss mit Jasmin Kotrba und den Kindern entstanden. © Privat
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© Privat

Rudersberg-Steinenberg. Sie möchte sich sozial engagieren, und sie reist gern. So ist Jasmin Kotrba nach Sambia geflogen, um in einem Waisenhaus zu helfen. Dort engagiert sich bereits eine Freundin aus Steinenberg. Einen Monat hat Jasmin Kotrba in dem afrikanischen Land verbracht - und bleibende Eindrücke gewonnen.

Video: Jasmin Kotrba aus Steinenberg hat als Studentin vier Wochen lang in einem Waisenhaus in Sambia mitgearbeitet und sammelt nun Spenden, um insbesondere auch den kleineren Kindern dort einen Schulranzen zu ermöglichen.

„Ich möchte gern sehen, wie die Menschen dort leben und wie man sich dort einsetzen und helfen kann“, das hatte sich die 24-Jährige vorgenommen. Dafür nahm die Studentin 15 Stunden Flug und die nicht eben günstige Anreise in Kauf. Sie hatte in den Semesterferien dafür gearbeitet.

Die Stadt Choma, etwa 300 Kilometer von der Hauptstadt Lusaka entfernt, war das Ziel. Hier unterhält die gemeinnützige Organisation „Children’s Nest“ ein Waisenhaus. Alisa Schwarz, eine Steinenbergerin, engagiert sich dort als Zweite Vorsitzende von „Children’s Nest“ vor Ort. Jasmin Kotrba ist mit ihr befreundet.

Zur Schule gehen können ist keine Selbstverständlichkeit

Choma ist etwa so groß wie Schorndorf, hat aber eine dörfliche Struktur. „Solche Häuser wie hier gibt es dort gar nicht“, weiß Jasmin Kotrba. Das Kinderheim liegt etwas außerhalb der Stadt. Dort leben 64 Kinder im Alter zwischen einem und 18 Jahren. Einige sind Aids-Waisen, andere sind durch finanzielle oder gesundheitliche Probleme in den Familien in das Heim gekommen, nennt Jasmin Kotrba einige Beispiele, weshalb die Kinder nicht mehr bei ihren Eltern leben. Im Waisenhaus werden die Kinder rund um die Uhr betreut. Für ihre ausgewogene Ernährung und medizinische Betreuung wird gesorgt, sie können eine Schule besuchen, die Kleineren bekommen Vorschulunterricht.

Zur Schule gehen können, das ist keine Selbstverständlichkeit in Sambia, weiß Jasmin Kotrba. Denn eine Ausbildung oder der Schulbesuch kosten dort Geld. „Für viele Einheimische ist das gar nicht möglich.“ Um die medizinische Versorgung ist’s schlecht bestellt, auch sie ist kostenpflichtig, ergänzt die Steinenbergerin, die derzeit Gesundheitsmanagement in Aalen studiert.

So war’s wichtig, dass Jasmin Kotrba im Kinderheim Schulungen für Wundversorgung und Verbandswechsel gegeben hat. Darin hat die gelernte Arzthelferin die Mitarbeiter und die größeren Kinder unterwiesen. „Sie sind interessiert daran, zu lernen.“

Für die Kinder gab die Helferin auch Vorschulunterricht, sie hat ihnen Farben, Zahlen und Buchstaben erklärt, hat mit ihnen gemalt und gespielt. Im Waisenhaus wird sehr individuell auf die Kinder eingegangen, berichtet Jasmin Kotrba, und die Förderung wird gut angenommen. „Die Kinder möchten lernen und möchten etwas arbeiten. Das war immer sehr schön zu sehen.“ So werden sie auch ins Alltagsleben einbezogen.

Musik lieben die Kinder besonders

Im Waisenhaus leben die Kinder wie in einer Familie. Die Älteren kümmern sich mit um die Jüngeren. Es wird viel geteilt, die Kinder freuen sich gemeinsam, etwa, wenn sie bei einer Schnitzeljagd den Schatz gefunden haben. „Es war schön zu sehen, dass sie gegenseitig aufeinander achten“, erinnert sich Jasmin Kotrba.

Wie man mit Kindern umgeht, darüber hat die Steinenberger Helferin bei einem Aufenthalt als Au Pair in den USA einiges gelernt. So machte sie mit den Kleinen im Waisenhaus auch eine Schatzsuche oder kleine Tanzpartys, Musik lieben die Kinder besonders.

Zum Kinderheim in Choma gehören zwei Häuser für die Kinder, eins für die Jungen, eins für die Mädchen. Ein großer Garten liefert Obst und Gemüse für die Einrichtung. Es gibt einen Hühnerstall, die Eier dienen dem eigenen Bedarf und werden auch verkauft. Ein Haus für freiwillige Helfer des Waisenhauses entsteht gerade. Die Wasserversorgung für das Heim wird ebenfalls selbst organisiert, erzählt Jasmin Kotrba. Das spart Geld.

Erschreckend und lehrreich

Das Waisenhaus finanziert sich durch Spenden und Patenschaften für die Kinder, es wird getragen von der deutschen Organisation „Children’s Nest“, es gibt auch eine amerikanische und eine britische Organisation, die die Arbeit unterstützen. Diesen zollt die Steinenberger Helferin hohes Lob und würdigt, was für die Kinder ermöglicht wird. „Sie sind wunschlos glücklich.“

Für sich hat Jasmin Kotrba von ihrem Einsatz viel mitgenommen. Teilweise war’s erschreckend zu sehen, wie manche vor der Armut weggeschaut haben, sagt sie. Wieder zurück in Deutschland, würdigt sie vieles, was hierzulande selbstverständlich ist. Fließendes Wasser, den ganzen Tag Strom zu haben, eine gute medizinische Versorgung, die Möglichkeit, einen guten Kuchen zu backen und die Zutaten kaufen zu können zum Beispiel, eben die kleinen Dinge im Leben wieder zu schätzen, fasst Jasmin Kotrba zusammen.

Die größeren Kinder im Waisenhaus von "Children’s Nest“ haben einen Schulrucksack. Die kleineren brauchen zwar nicht zwingend einen, sehen aber die Behältnisse bei den Großen und hätten auch so gern einen Rucksack, weiß Jasmin Kotrba. Sie sammelt nun kleinere Beträge unter Freunden und Bekannten, damit für rund 30 Kinder Rucksäcke gekauft werden können.

Wer für die Rucksäcke oder für die Arbeit der gemeinnützigen Organisation „Children’s Nest“ etwas spenden möchte, kann das mit diesen Bankdaten tun: Kreissparkasse Heilbronn, Bankleitzahl: 620 500 00, Kontonummer: 321 466, IBAN: DE39620500000000321466.

Bei der Organisation kann man Patenschaften für die im Waisenhaus betreuten Kinder übernehmen. Außerdem sind freiwillige Helfer ab Januar sehr willkommen. Die Mitarbeit im Waisenhaus kann man sich für verschiedene Studienrichtungen als Praxissemester anerkennen lassen.