Rudersberg

Ausbau der Kinderbetreuung nötig

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Symbolbild. © Sarah Utz

Rudersberg. Die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung hat in den vergangenen zwei Jahren die Situation bei der Kinderbetreuung in Rudersberg untersucht. Ergebnis: Derzeit ist die Gemeinde noch ganz gut aufgestellt. Aber schon jetzt gibt es keine Luft nach oben bei den freien Plätzen. Das heißt: Die Gemeinde muss schnell handeln und weitere Kapazitäten aufbauen.

Die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung hat im Auftrag der Gemeinde eine Fülle von Daten zu den Rudersberger Kindergärten erhoben. Erfreulich für die Gemeinde ist das Ergebnis, das die GMA aus der Elternbefragung zieht: „Die Eltern scheinen insgesamt sehr zufrieden mit dem Betreuungsangebot in Rudersberg zu sein.“ Zumindest haben die befragten Eltern kaum konkrete Kritik geäußert. Auch mit den angebotenen Betreuungszeiten sind die Eltern insgesamt sehr zufrieden. Deswegen ist für Bürgermeister Martin Kaufmann, wie er im Gemeinderat bei der Vorstellung der GMA-Studie sagte, einer der Schlüsse aus den Ergebnissen: dass die Gemeinde den Erzieherinnen und Kindergartenleitungen „einen großen Dank aussprechen“ könne für ihre gute Arbeit.

Gemeinde habe ihre "Hausaufgaben gemacht"

Die Gemeinde Rudersberg, so stellt Kaufmann weiterhin fest, habe in den vergangenen Jahren „ihre Hausaufgaben gemacht“ und die Betreuung intensiv ausgebaut. Allerdings hat die Gemeinde, um im Bild zu bleiben, nun auch für die kommenden Jahre einige nicht einfach zu lösende Hausaufgaben bekommen. Die zwei wichtigsten Handlungsempfehlungen, die die GMA aus dem erhobenen Betreuungsbedarf bis zum Kindergartenjahr 2020/21 zieht, sind:

Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätze für drei- bis sechsjährige Kinder: Bereits heute sind vor allem in den südlichen Ortsteilen Schlechtbach, Steinenberg und Asperglen zu wenig Plätze da, um alle Kinder wohnortnah unterzubringen. Werden die in fast allen Ortsteilen geplanten Neubaugebiete realisiert, so prognostiziert die GMA bis zum Kindergartenjahr 2020/21 einen Bedarf an 65 zusätzlichen Plätzen.

Schaffung weiterer Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren: Hier muss die Gemeinde kurzfristig handeln. Schon für das Kindergartenjahr 2017/18 fehlen laut Prognose 13 Plätze. Auch in den Jahren danach liegt der Bedarf über dem derzeitigen Angebot.

Als Datengrundlage dient der GMA die Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes. Derzeit hat Rudersberg demnach knapp über 11 000 Einwohner. Bis 2025 wird die Zahl auf rund 10 800 Einwohner sinken. Dabei sind allerdings die Neubaugebiete, die geplant sind, also mögliche Zuzüge nicht mit eingerechnet. Zwischen 2017 und 2020 könnten laut Plan durch diese fast 180 neue Wohneinheiten entstehen. Da in erster Linie Einfamilienhäuser vorgesehen sind, geht die GMA davon aus, dass vor allem junge Familien in die Neubaugebiete ziehen werden, wodurch die Zahl der Kinder in der Gemeinde steigt. Dieser Faktor ist in der Studie auf die Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes aufgerechnet, dadurch kommt die GMA auf den Bedarf an Betreuungsplätzen, der in der Zukunft da sein könnte.

Wohnortnähe

Für die Untersuchung zur Kinderbetreuung hat die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung auch die Rudersberger Eltern befragt. 160 Fragebögen konnten ausgewertet werden, laut GMA eine „repräsentative Basis“.

Ein Ergebnis: Für 81 Prozent der befragten Eltern ist die Nähe zum Wohnort das entscheidende Kriterium bei der Auswahl des Kindergartens. Die Wohnortnähe ist den Eltern demnach viel wichtiger als Faktoren wie das pädagogische Konzept einer Einrichtung, die Räumlichkeiten oder die Kompetenz der Mitarbeiter.

Deswegen, so die Empfehlung der GMA, sollte bei einem weiteren Ausbau der Betreuung auf die Wohnortnähe Wert gelegt werden.

Kaufmann: Einrichtungen schaffen, die multifunktional nutzbar sind

CDU-Gemeinderat Edgar Layer sieht die Gemeinde durch die prognostizierten Zahlen in einem „Spannungsfeld“: In den nächsten Jahren sei ein Mehrbedarf an Plätzen vorhanden. Aber in Zukunft seien die Kinderzahlen wieder rückläufig. Layer forderte deswegen eine „flexible Lösung“. „Wir können heute keine Kapazitäten schaffen, die nach 2020 keine Auslastung mehr finden.“ Brigitte Klotz (SPD) ist es vor allem wichtig, dass überhaupt schnell gehandelt wird. „Es geht darum, dass wir so schnell wie möglich einen Puffer einrichten“, sagte sie. „Ich möchte nicht in die Situation kommen, dass der Bedarf uns überholt.“ Bürgermeister Martin Kaufmann meinte daraufhin: Man könne die Kapazitäten für die Betreuung auch so gestalten, dass man Einrichtungen schaffe, die „multifunktional nutzbar“ seien. Sprich: so gebaut, dass sie, wenn der Betreuungsbedarf sinkt, anders genutzt werden könnten.

Wie genau die Gemeinde die dringend nötigen Kapazitäten schaffen wird, steht noch nicht fest, darüber muss sich die Verwaltung laut Hauptamtsleiterin Bettina Bischoff erst noch intern Gedanken machen. Der evangelische Pfarrer Stefan Nemesch, der wie sein Kollege Arno Konrad im Gemeinderat dabei war, wünschte Verwaltung und Gemeinderäten „gutes Gelingen“ und meinte: „Es wird nicht ohne mutige Entscheidungen gehen.“ Eine solche hätten die Räte beim Ausbau des Kinderhauses Steinenberg getroffen. Dort sehe man an den heutigen Belegungszahlen, dass die Entscheidung richtig gewesen sei.

Personalsituation

Pfarrer Arno Konrad sagte im Gemeinderat: Die Schwierigkeit, die er sehe, seien „nicht nur die zu schaffenden Plätze, sondern auch das einzustellende Personal“. „Wir möchten nicht irgendjemand in unseren Kindergärten haben, wir wollen hochqualifiziertes Personal.“

Pfarrer Stefan Nemesch meinte dazu: Er verstehe zwar, dass „flexible Lösungen“ gefordert würden. Aber es sei schwierig, Mitarbeiter zu gewinnen, wenn man nur befristete Arbeitsverträge biete. „Bei manchen Ausschreibungen habe ich null Bewerbungen“, so Nemesch.