Rudersberg

Bürgerbeteiligung in Rudersberg: Welche Projekte geplant sind

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Ein besseres Radwegenetz im Kernort war eines der Themen, für die sich Bürger in dem Beteiligungsprozess engagieren wollen. © Hardy Zürn

Vor gut zwei Monaten hat sich die Gemeinde Rudersberg auf den Weg einer digitalen Bürgerbeteiligung begeben. Nach einer Auftaktveranstaltung und vier Workshops sollen nun am Dienstagabend die Zwischenergebnisse präsentiert und die Frage geklärt werden, wie es bei den einzelnen Themen jetzt weitergeht.

Im Rahmen des Prozesses, der vom Bündnis Ländlicher Raum für Zukunft moderiert und fachlich unterstützt wurde, haben sich insgesamt sieben Gruppen zusammengefunden.

Hierfür wollen sich Rudersberger engagieren

  • Im Themenbereich Ehrenamt, Engagement und Vereine ging es um die Frage, wie Mitstreiter zu gewinnen sind, sich die Jugend aktivieren und integrativ denken lässt. Denn in vielen Vereinen gibt es zu wenige aktive Mitglieder, die den Großteil der Arbeit stemmen. Wichtig wäre aus Sicht der Gruppe eine zentrale Stelle bei der Gemeinde, die als Ansprechpartner für die Vereine steht. Gerade Neubürger sollen damit erreicht werden. Auch könnten die Vereine und ihre Angebote aktiv an den Schulen vorgestellt werden.
  • Mehr offene Vereinsangebote für Jugendliche sind ein Ziel, mit dem sich eine weitere Gruppe beschäftigt hat. Erreichbar wäre dies etwa durch vielfältige Schnupperangebote wie eine Vereinssafari oder Tage der offenen Tür, ein Gemeindefest oder verstärkte Kooperationen zwischen den Vereinen in Form von gemeinsamen Schulungen, Planungstagen oder einen Ausrüstungspool.
  • Wie lässt sich der Zusammenhalt in den Ortsteilen und dem Kernort verbessern? Hier ist das Thema einer Ehrenamtsbörse aufgekommen. Außerdem soll die digitale Vernetzung im Ort jenseits sozialer Netzwerke ausgebaut werden. Dazu ist aus Sicht der Gruppe noch fachliche Begleitung notwendig. Außerdem sollen Erfahrungen mit anderen Kommunen ausgetauscht werden.
  • Wie kann das Radwegenetz verbessert werden? Insbesondere im Kernort fehlt es an einer geeigneten Infrastruktur. Diese soll in einem Verkehrskonzept erarbeitet werden, das die rechtlichen Hürden und die baulichen Gegebenheiten miteinbezieht. Ziel der Gruppe ist es, durch ein besseres Radnetz auch die Aufenthaltsqualität in den Ortsteilen zu verbessern.
  • Ideen für den Aufbau von legalen Mountainbike-Trails wurden im Rahmen der Bürgerbeteiligung ebenfalls gesammelt. Entstehen soll, so der Wunsch der Beteiligten, eine Mischung aus Sport- und Naturerlebnis-Trails mit klaren Regeln und guter Beschilderung. Dazu sollen örtliche Sponsoren sowie der Deutsche Alpenverein mit ins Boot geholt werden. Denkbar wäre auch die Einbindung der Gastronomie sowie Ladestationen für E-Bikes.
  • Konkret ging es zudem um die Weiterentwicklung des kulturellen Angebots in der Gemeinde, insbesondere im ehemaligen Hilfskrankenhaus, dem sogenannten Bunker. Bis Ende 2022 soll hier ein vielfältiges Nutzungskonzept als Veranstaltungsörtlichkeit stehen. Dazu sollen unter anderem die Schule und das Jugendhaus eingebunden werden.
  • Ein Walderlebnispfad oder ein Wassertretbecken an der Ölmühle waren weitere Projektideen in der Bürgerbeteiligung. Die Gruppe wünscht sich etwa einen Pfad mit Stationen wie zum Beispiel eine Murmelbahn, ein Naturquiz oder ein Barfußpfad. Hierfür soll bis Ende des Jahres eine erste grobe Konzeption mit einem geeigneten Standort erarbeitet werden.

Eine detaillierte Vorstellung der Zwischenergebnisse erfolgt am Dienstagabend digital durch die Moderatoren des Bündnisses Ländlicher Raum für Zukunft. In diesem Bündnis sind kirchliche Träger, Kommunen sowie Wirtschafts-, Sozial- und Wohlfahrtsverbände organisiert, die ländliche Kommunen vor Ort unterstützen, um sie zukunftsfest zu machen.

Auf Initiative dieses Bündnisses hat das Landesministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz vergangenes Jahr das Projekt „Ländlicher Raum für Zukunft“ gestartet. Damit verbunden sind Fördermittel für den Bürgerbeteiligungsprozess. Sechs Modellkommunen haben bereits daran teilgenommen, im Moment haben sich sieben weitere in Baden-Württemberg auf den Weg gemacht, Rudersberg ist eine davon.

Fachlicher Input durch das Bündnis Ländlicher Raum für Zukunft

Dabei standen den Bürgern Fachleute des Bündnisses mit ihrer Expertise zur Verfügung. Zum Thema Radwege etwa war Gudrun Zühlke, Landesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs, eingeladen. Und beim Thema Zusammengehörigkeit sprach Alexander Hölsch von der Studiengesellschaft für Projekte zur Erneuerung der Strukturen in Freiburg.

Eingeladen zu der Ergebnispräsentation sind nun alle interessierten Rudersberger. „Das soll kein geschlossener Fachzirkel sein. Der Prozess ist nach wie vor offen“, betont Rudolf Scharer, der das Projekt gemeindeseits bislang begleitet hat.

Mit den bisherigen Ergebnissen zeigt sich der Schlechtbacher Ortsvorsteher und Klimamanager zufrieden. Teilweise bis zu 15 Teilnehmer haben in den Workshops mitgearbeitet. „Ich fand die Beteiligung gut und sehr engagiert. Wir haben für alle Teilbereiche, für die Interesse bekundet wurde, unterschiedliche Gruppen gefunden. Alle Projektdatenblätter wurden ausgefüllt, jetzt gilt es zu sehen: Wer macht weiter? Und wie macht man weiter?“

Gemeinde wird den weiteren Prozess unterstützen und begleiten

Die Gemeinde sei gerne bereit, die Gruppen im weiteren Prozess zu unterstützen, nachdem sie sich bislang weitgehend aus dem Prozess herausgehalten habe. „So konnten die Bürger frei und ohne Beschränkungen diskutieren, das wurde als sehr angenehm empfunden.“

Es soll jetzt im Nachgang zur Ergebnispräsentation konkrete Gesprächstermine mit der Verwaltungsspitze geben – aber auch offene Termine, bei denen sich weitere Interessenten einfinden können. Bei der Umsetzung der Projekte könne die Gemeinde jederzeit erneut auf die Expertise des Bündnisses zurückgreifen.

Was Scharer etwas überrascht hat, war das starke Interesse an dem gesamten Themenbereich Freizeit und Naherholung. „Damit hatte ich nicht gerechnet.“ Die Corona-Pandemie und der Lockdown hätten dabei wohl eine Rolle gespielt. „Die Erlebbarkeit vor Ort ist etwas, das man auch in Zukunft im Blick haben muss“, sagt Scharer deshalb.

Vor gut zwei Monaten hat sich die Gemeinde Rudersberg auf den Weg einer digitalen Bürgerbeteiligung begeben. Nach einer Auftaktveranstaltung und vier Workshops sollen nun am Dienstagabend die Zwischenergebnisse präsentiert und die Frage geklärt werden, wie es bei den einzelnen Themen jetzt weitergeht.

Im Rahmen des Prozesses, der vom Bündnis Ländlicher Raum für Zukunft moderiert und fachlich unterstützt wurde, haben sich insgesamt sieben Gruppen zusammengefunden.

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