Rudersberg

CO2-Bilanz und Energiemanagement: Was Rudersberg bis 2024 für den Klimaschutz tun will

Margaretenwiese
Insektenfreundliche Naturgärten sind ein Baustein für mehr Klimaschutz. © Mathias Ellwanger

Das Thema Klimaschutz genießt einen hohen Stellenwert in Rudersberg. Seit anderthalb Jahren hat die Gemeinde mit Rudolf Scharer nicht nur einen eigenen Klimamanager. Rudersberg nimmt auch am European Energy Award teil - einem europäischen Zertifikat für die Nachhaltigkeit der kommunalen Energie- und Klimaschutzpolitik - teil und wird jetzt dem Klimabündnis sowie dem Klimaschutzpaket beitreten. Bis zum Jahr 2024 wurde zudem ein umfangreiches, energiepolitisches Arbeitsprogramm beschlossen. Im Gemeinderat traf dies auf einhellige Zustimmung. Doch wo steht die Gemeinde bei diesem Prozess gerade?

Das Ziel: Klimaneutralität in der Kommune bis 2040

Der Beitritt zum Klimabündnis und dem Klimaschutzpakt steht kurz vor dem Abschluss, wie Rudolf Scharer berichtet. Bei Ersterem handelt es sich um das größte europäische Städtenetzwerk zum Thema Klimaschutz. Entstanden ist es 1990 aus einer Kooperation mit indigenen Völkern der Regenwälder. Es verfolgt, so Scharer, einen internationalen Ansatz zum Schutz der Regenwälder, eine wichtige Maßnahme zur Bekämpfung des Klimawandels.

Mit dem Beitritt ist eine Selbstverpflichtung zur Senkung der CO2-Emissionen um zehn Prozent alle fünf Jahre verbunden. Es handelt sich, so Scharer, aber auch um eine Plattform, bei der sich Kommunen vernetzen und Erfahrungen austauschen können. „Wir können Informationen und Hilfestellungen bei fachlichen Fragen bekommen.“

Beim Klimaschutzpakt wiederum handelt es sich um eine Initiative des Landes Baden-Württemberg. Erklärtes Ziel ist eine weitgehende Klimaneutralität bis 2040. „Die Kommunen wollen damit zeigen, dass sie den Klimaschutz ernst nehmen“, sagt Scharer. Dafür hat das Land noch für das laufende Jahr Fördermittel in Höhe von 27 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Mitglieder erhalten dabei einen etwas erhöhten Förderbetrag. 

Neben diesen politischen Willenserklärungen hat die Kommune zudem konkrete Maßnahmen in dem Arbeitspapier festgelegt.

Die wichtigsten Maßnahmen hier im Überblick:

  • In Zusammenarbeit mit der Energieagentur soll eine CO2-Bilanz erstellt werden. Diese soll der Kommune aufzeigen, welche Bereiche und Energieträger die höchsten Anteile am Verbrauch haben – und wo die größten Potenziale für eine Verringerung des Verbrauchs liegen.
  • Rudersberg soll ein Energiemanagement für gemeindeeigene Gebäude und Anlagen bekommen. Dafür soll künftig eine Person in der Verwaltung zuständig sein. Die Frage dahinter lautet: „Wie kann die Wärmeversorgung in einer Kommune künftig aussehen?“ Das Thema steht laut Scharer aber noch ganz am Anfang.
  • Dafür soll auch ein Energiebericht erstellt werden. Dazu werden im Rahmen des European Energy Awards bereits seit fast einem Jahr Daten gesammelt. Die Kommune arbeitet hier sehr eng mit dem Experten Uwe Schelling zusammen, dem früheren Leiter der Energieagentur.
  • „Wir werden dabei nach einem Stufenkonzept verfahren“, sagt Scharer. Sprich: „Wir werden in einem ersten Schritt nicht gleich alle Gebäude bewerten“, sagt Scharer. Das wäre zu teuer und aufwendig. Außerdem sei es fraglich, ob diese Analyse mittelfristig noch gültig sei – oder ob man in zehn Jahren dann ohnehin neu bewertet werden müsste. Deshalb untersuche man vorerst nur jene Gebäude, bei denen in fünf bis zehn Jahren ohnehin saniert werden müsste.
  • Als beratendes Gremium soll es künftig einen Klimaschutzbeirat geben. Die Besetzung wird von der Verwaltung gemeinsam mit dem Gemeinderat festgelegt. „Wir sind da gerade im Gespräch“, sagt Scharer. Wichtig sei es, die örtlichen Akteure einzubinden, die sich für den Klimaschutz engagieren wollen. Außerdem werde von jeder Gemeinderatsfraktion ein Mitglied vertreten sein. Ziel sei es, das vorhandene Wissen und Engagement für die kommunale Klimaschutzstrategie zu nutzen. Der Verwaltung schwebt eine Art „klimapolitische Denkfabrik“ vor, die bei allen energie- und klimaschutzrelevanten Themen mit ihrer Expertise vorbereitet, berät und dazu Stellung nimmt.
  • Nicht zuletzt soll die Verwaltung eine Beschaffungsrichtlinie erhalten. Anschaffungen wie Büromaterialien, Putzmittel oder Fahrzeuge sollen künftig immer auch unter sozialen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet und bewertet werden: Wird damit Kinderarbeit unterstützt? Sind die Produkte nachhaltig? Wird damit die örtliche Wirtschaft gefördert? Sind sie umweltverträglich? „Wir werden mit den einfach zu handelnden Themen anfangen und das Zug um Zug ausbauen“, sagt Scharer.

Dieser klimapolitische Enthusiasmus wird momentan allerdings etwas ausgebremst durch coronabedingte Verzögerungen bei der Landesförderung. Denn die Landesbank hat bis vor wenigen Tagen überhaupt keine Förderanträge angenommen, weil sie vollauf mit den Corona-Unterstützungsmaßnahmen ausgelastet war.

Aber auch sonst hat Rudolf Scharer als Klimamanager gut zu tun. „Die Anfragen aus der Bürgerschaft häufen sich“, sagt er. Sein Rat etwa bei Energieeinsparmaßnahmen oder erneuerbaren Energien sei inzwischen mehrfach die Woche gefragt.

Rudersberger Naturgärten gegen das Insektensterben

Erfreut ist Scharer zudem über die rege Beteiligung der Rudersberger am Projekt Naturgarten, das dazu beitragen soll, das Insektensterben zu bremsen. 20 Familien haben ihren Garten für den Wettbewerb bis zum Anmeldeschluss Ende Mai angemeldet. „Wir sind mehr als gespannt, wie das weitergeht“, sagt Scharer.

Demnächst werde ein erster Bewertungsrundgang mit der Jury stattfinden. Die Teilnehmer haben aber auch die Möglichkeit, das ganze Jahr Fotos zu schicken mit dem aktuellen Stand ihres Naturgartens, „dann können wir uns bei der Bewertung einfacher tun“.

Im Sommer sollen die Bilder mit den besten Beispielen dann auf der Gemeinde-Homepage gezeigt werden.

Das Thema Klimaschutz genießt einen hohen Stellenwert in Rudersberg. Seit anderthalb Jahren hat die Gemeinde mit Rudolf Scharer nicht nur einen eigenen Klimamanager. Rudersberg nimmt auch am European Energy Award teil - einem europäischen Zertifikat für die Nachhaltigkeit der kommunalen Energie- und Klimaschutzpolitik - teil und wird jetzt dem Klimabündnis sowie dem Klimaschutzpaket beitreten. Bis zum Jahr 2024 wurde zudem ein umfangreiches, energiepolitisches Arbeitsprogramm beschlossen. Im

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