Rudersberg

Die Gefahr der Vereinsamung im Lockdown ist bei Senioren groß

Seniorenrat
In dieser Zahl kann der Seniorenrat in Rudersberg sich momentan nicht treffen. Archivfoto. © Gaby Schneider

Eigentlich war das Programm des Rudersberger Seniorenrats nach dem Lockdown im Frühjahr gerade wieder angelaufen. „Wir haben im Sommer angefangen, Veranstaltungen im Freien anzubieten“, sagt Heidi Hollo, die im Vorstand des Rates für die Organisation verschiedenster Veranstaltungen zuständig ist. Ob eine Führung über einen Bauernhof, ein Besuch in der Laufenmühle oder eine Stadtführung in Welzheim - die Senioren hatten durchaus Ideen für Ausflüge an der frischen Luft. Bis der Teil-Lockdown im November den zweiten jähen Stopp ihrer Aktivitäten bedeutete.

„Für uns ist das eigentlich eine Katastrophe“, sagt Heidi Hollo. „Viele unserer Leute haben weiterhin eine Wahnsinnsangst vor einer Ansteckung und sind eingeschüchtert.“ Sie stellt infrage, wie sinnvoll es ist, dass sich zehn Personen treffen dürfen, solange die Zwei-Haushalts-Regel nicht überschritten wird, vier alleinstehende Senioren, die kaum Außenkontakt haben, aber nicht. „Die Vereinsamung geht weiter“, bedauert Heidi Hollo. „Im Seniorenrat sind wir einmal angetreten, um das abzufedern.“

Im Sommer hätte über bessere Strategien nachgedacht werden sollen

Dabei will Heidi Hollo keineswegs, dass alle coronabedingten Beschränkungen abgeschafft werden. Stattdessen kritisiert sie die Handlungsweise der Politik im beschränkungsärmeren Sommer. „Da hätte man Zeit gehabt, langfristige Modelle anzulegen“, findet sie. Dass es im Herbst „wieder losgehe“, sei schon länger klar gewesen, wirklich geglaubt habe es aber keiner. Zwar seien nun mehr Betten in den Krankenhäusern verfügbar, beim Personal sehe es allerdings dürftiger aus. Auch wer eine psychiatrische Beratung brauche, habe oft Pech gehabt: „Gehen Sie mal zum Arzt, wenn Sie tatsächlich eine psychiatrische Behandlung brauchen“, gibt Heidi Hollo zu bedenken. „Den nächsten Termin kriegen sie vielleicht erst in acht Monaten.“

Als eine Gefahr sieht Heidi Hollo auch, dass ältere Menschen, wenn sie einsam sind, eher auf Trickbetrüger hereinfallen, die Gesprächspartner oder zweifelhafte Angebote anbieten. Wie beispielsweise den Service, Türeingänge von Viren zu befreien. „Das sind Sachen, auf die Menschen in ihrer Angst vor einer Ansteckung hereinfallen könnten“, so Heidi Hollo. „Wenn ich Angst um mein Leben habe, tue ich alles.“

Kontakte sind auf Sparflamme

Damit die Senioren, die normalerweise regelmäßig an den Veranstaltungen des Rats teilnehmen - monatlich sind es in anderen Zeiten in der Regel mindestens 120 -, nicht vereinsamen, greifen sie zu denselben Mitteln, die auch jüngere verwenden: Sie rufen sich gegenseitig an und benutzen teils auch die neuen Medien zur Kommunikation.

„Die Kontakte sind schon vorhanden, aber natürlich auf Sparflamme“, sagt Eberhard Layer, Sprecher des Seniorenrats. Beim Wandern, Fahrradfahren oder generell im öffentlichen Raum treffe er momentan verstärkt auch ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger. „Ganz kontaktlos ist man nicht, aber es dürfte schon etwas mehr sein“, findet Layer.

Insgesamt hält er den Lockdown aber für notwendig. „Man vertraut auf die Zahlen, die jeden Tag präsentiert werden“, so Eberhard Layer. „Insofern stehen wir insgesamt dahinter, im einen oder anderen Segment müsste aber etwas nachjustiert werden.“ Das will er aber nicht als Kritik verstanden haben. „Ich gehe davon aus, dass das auch gemacht wird“, sagt Layer. Dass ältere Menschen pauschal als Risikopatienten gelten, nimmt er als mentale Belastung für sie wahr.

Auch der Restaurantbesuch fällt weg

„Ich sehe es nicht unbedingt so, dass alle Senioren als Risikopatienten gelten“, sagt er. In der medizinischen Betrachtung sei es zwar normal, dass ältere Menschen doch etwas eingeschränkt seien, das müsse aber nicht heißen, dass man die Kontakte so sehr eingrenzt, dass „die Seele vereinsamt“, so Layer. Die Menschen, die der Seniorenrat betreut, seien oft auch alleinstehende Personen, die es sowieso schon schwer haben. „Die trifft es natürlich doppelt hart“, sagt Eberhard Layer.

Heidi Hollo sieht das ähnlich. „Wir probieren, so gut wie möglich Kontakt zu halten, aber das ist nicht das Gleiche, wie wenn ich jemandem persönlich gegenüber stehe“, sagt sie. Auch, der Restaurantbesuch am Mittag falle im November für viele Senioren weg. „Das darf man nicht unterschätzen“, sagt Heidi Hollo. „Da müssen Sie sich anziehen, pflegen und mit dem Hin- und Rückweg ins Restaurant sind drei Stunden ausgefüllt.“ Stattdessen sitzen viele Senioren nun zu Hause.

„Uns läuft doch die Zeit davon“

Heidi Hollo ist der Meinung, dass das Virus uns noch mehrere Jahre begleiten wird. „Wir Senioren müssen vorsichtig sein, da gibt es keine Frage“, sagt sie. „Aber uns läuft doch die Zeit davon.“ Auch jungen Menschen werde wertvolle Lebenszeit gestohlen, den älteren gefühlt aber gleich doppelt.

Einen kleinen Tipp gegen die Einsamkeit hat Heidi Hollo: „Die Frage ist auch, wie sich die Nachbarschaft verhält“, sagt sie. „Die Nachbarn sollten vielleicht auch einmal nach den einsamen Alten sehen. Da muss keine große Tat folgen, manchmal hilft ein Gespräch und die Frage danach, wie sie sich fühlen.“

Die Hoffnung auf weniger Beschränkungen

Eberhard Layer ist der Meinung, dass die Gesellschaft noch eine Weile braucht, um sich auf die neue Situation einzustellen. „Es heißt immer, wir werden mit Corona leben müssen, aber Anpassung geht nicht von heute auf morgen“, sagt er. Müssten wir tatsächlich noch einige Jahre mit dem Virus leben, werde sicher auch das öffentliche Leben sich dementsprechend entwickeln.

„Aber die Sache ist ja noch in der Entwicklung“, sagt Eberhard Layer. „Wir hoffen natürlich alle, dass das nicht eintritt und wir zumindest partiell wieder zum Leben zurückkehren können, so dass man sich besuchen und miteinander sprechen kann.“ Dann könne auch der Seniorenrat seine Aktivitäten fortsetzen und Veranstaltungen, die für dieses Jahr geplant waren, im nächsten Jahr nachholen. Oder zumindest mit den Aktivitäten im Freien weitermachen.

Eigentlich war das Programm des Rudersberger Seniorenrats nach dem Lockdown im Frühjahr gerade wieder angelaufen. „Wir haben im Sommer angefangen, Veranstaltungen im Freien anzubieten“, sagt Heidi Hollo, die im Vorstand des Rates für die Organisation verschiedenster Veranstaltungen zuständig ist. Ob eine Führung über einen Bauernhof, ein Besuch in der Laufenmühle oder eine Stadtführung in Welzheim - die Senioren hatten durchaus Ideen für Ausflüge an der frischen Luft. Bis der Teil-Lockdown

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