Rudersberg

Die Nudel für die Remstal-Gartenschau

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In Blütenform: So sieht die Gartenschau-Nudel aus, wenn sie fertig ist. © Gabriel Habermann / ZVW
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Fachmann Joachim Pokorny bei der Arbeit: Hier kommen die ersten Nudeln aus der Nudelmaschine.
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Die Gartenschau-Nudel im Trockenschrank: Joachim Pokorny zeigt diesen Teil der Verarbeitung. © Gabriel Habermann
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Eine Matrize gibt den Nudeln die gewünschte Form. © Gabriel Habermann

Rudersberg-Zumhof/Plüderhausen. Es muss nicht immer die Blume sein: „Sag’s durch die Nudel“, so könnten die Plüderhäuser ihren speziellen Beitrag zur Remstal-Gartenschau umschreiben. 2019 wartet die Remstal-Gemeinde mit einem besonderen Lebensmittel auf, das an Ortstraditionen anknüpft: Für die Gartenschau wird es eine blütenförmige Nudel geben. Die fertigt die Firma Zumhofer Hausnudeln in Rudersberg an. Ein Besuch beim Experten.

Hunger haben muss hier niemand, nicht heute und nicht morgen. Das wird dem Besucher schnell klar, wenn er sich im Laden der Zumhofer Hausnudeln umsieht. Die Eierteigwaren gibt es hier in vielen verschiedenen Sorten und Ausformungen. Nudel-Fachmann Joachim Pokorny weiß die Zahlen ganz genau. 27 Ausformungen kann die Firma produzieren. Die Zahl der Sorten liegt zwischen 150 und 160, das kommt auch auf die Saison an. Nudel mit Kürbis, Marone, Rote Bete zum Beispiel gibt es im Herbst. Der Winter bringt Geschmacksrichtungen wie Zimt, Schokolade oder sogar Spekulatius mit sich. Im Frühjahr etwa wird Bärlauch gern verwendet, im Sommer beispielsweise Zitrone, Tomate oder Basilikum. Das Angebot umfasst also ein breites Spektrum.

Die Anfänge nehmen sich dagegen bescheidener aus. Auch zum Nudelexperten wird man nicht über Nacht. „Angefangen hat das Ganze in der Küche bei der Mutter“, denkt Joachim Pokorny zurück. In den 1980er Jahren gab es einen großen Eierskandal. Nudelmaschinen für die Haushalte kamen auf. Auch im elterlichen Haus zog eine ein. Irgendwann kam sie in den Keller, bis sie der Vater Jahre später wieder hervorholte, erzählt der 47-Jährige. Mit dieser kleinen Maschine begann er zu tüfteln. Nicht von ungefähr: Joachim Pokorny hatte 1989 seine Lehre zum Koch im „Stern“ in Schlechtbach beendet. Das traditionsreiche Gasthaus leitete damals der ambitionierte Gastronom Armin Wiedmann. Bei ihm blieb Joachim Pokorny auch, als Wiedmann 1997 ins „Alte Rathaus“ nach Plüderhausen wechselte. Als dieser dann 2007 nach Schwäbisch Gmünd weiterzog, machte sich Joachim Pokorny selbstständig. Hatte er das Nudelmachen zunächst noch als Nebengewerbe betrieben, so hatte sich dieser Zweig schnell vergrößert.

„Die Feinheiten entstanden durch das Ausprobieren“

Der Start konzentrierte sich auf ein kleines Spektrum, auf bunte, rote, grüne und weiße Nudeln. „Irgendwann kam das erste Kraut dazu“, erinnert sich Pokorny an die Kombination mit Petersilie, Basilikum und anderen Kräutern. „Die Feinheiten entstanden durch das Ausprobieren.“ Die Nudeln bekamen Freunde und Bekannte zum Probieren. „Am Anfang waren sie gar nicht so ganz ehrlich“, erzählt der Tüftler augenzwinkernd. Doch „haja“ und allgemeine Reaktionen halfen nicht weiter, eine richtige Rückmeldung war gefragt. „Kurkuma macht die Nudeln zu bitter“, damit ließ sich etwas anfangen, verbessern, verfeinern.

Für die normale „klassische“ Nudel ist die Konkurrenz groß

Inzwischen bietet Joachim Pokorny seine Nudelkreationen im hauseigenen Laden und zum Beispiel bei den Naturparkmärkten, bei Schlemmer- und Spezialmärkten, in Hofläden, Metzgereien und in lokalen inhabergeführten Lebensmittelgeschäften an, dort, wo die Kunden etwas Spezielles suchen. Für die normale „klassische“ Nudel ist die Konkurrenz groß, weiß er.

Durch die Jahre in Plüderhausen und durch die Naturparkmärkte kam nun auch der Kontakt ins Plüderhäuser Rathaus in Sachen „Gartenschau-Nudel“ zustande. Ursprünglich gab es Überlegungen, das Symbol der Unendlichkeit aus der Mathematik, mit dem die Remstal-Gartenschau, Stichwort „der unendliche Garten“, arbeitet, als Nudel umzusetzen. Der Matrizenhersteller hielt das zwar für machbar. Jedoch war nicht sicher, ob die Form einer liegenden Acht noch sichtbar wäre, nachdem die Nudel gekocht worden wäre, berichtet Joachim Pokorny. Die Idee wurde daher wieder verworfen.

Gartenschau-Nudel wurde bereits am Samstag verkostet

Pokorny stellte ein Mustersortiment zusammen und machte Vorschläge. Die Wahl fiel auf das Modell „Rüschele“, das die Zumhofer Hausnudeln bereits anboten. Dessen Form erinnert an eine Blüte, naheliegend für eine Gartenschau.

Die offizielle Nudel für das Gartenschauereignis in Plüderhausen wurde übrigens bereits am vergangenen Samstag beim „Baustellenfest“ für die Gartenschau und dem Start des Vorverkaufs für die „Remstal-Card“ zubereitet und verkostet. Und während der Gartenschauzeit will die kleine Firma das Modell „Rüschele“ auch aus dem Programm nehmen, so dass diese Nudel exklusiv zum Blumen-Event gehört.

Wie genau der Teig für das „Rüschele“ zubereitet wird, will Joachim Pokorny gar nicht allzu detailliert verraten, sagt er schmunzelnd. Klar ist aber, dass Hartweizengrieß, Eier und ein paar Tropfen Wasser auf jeden Fall hineingehören. Die Nudelmaschine mischt den Teig, bei den Zumhofer Hausnudeln ist’s ein Profigerät, das nahezu 15 Kilogramm fertigen Teig fasst. Eine Matrize gibt die gewünschte Form vor. „Es gibt für jede Form eine extra Matrize“, erklärt der Experte.

Fertig geformt, werden die Nudeln flach auf Sieben ausgebreitet und getrocknet. Das geschieht in einem Trockenschrank und ist kein Vorgang für Hektiker. Zwei- bis zweieinhalb Tage verweilen die Nudeln hier und werden schonend bei 33 bis 35 Grad getrocknet. Theoretisch ließe sich dieser Vorgang erheblich beschleunigen. „Von der Technik her könnten die Nudeln in acht Stunden trocken sein“, so Pokorny. Doch davon hält er gar nichts. „Das tut der Nudel überhaupt nicht gut.“ So bleibt’s beim zeitaufwendigen, schonenden Prozedere.

Rabatt mit der Remstal-Card

Wer die Remstal-Card, die Jahreskarte für die Remstal-Gartenschau 2019 kauft, bekommt ein Bonusheft dazu. Darin ist ein Gutschein für die Plüderhäuser Gartenschau-Nudeln enthalten. Den kann man ab dem 10. Mai im Plüderhäuser Rathaus einlösen.

Die speziellen Nudeln kann man außerdem ab Beginn der Gartenschau im Plüderhäuser Rathaus kaufen. Sie werden darüber hinaus an Plüderhäuser Gastronomen verteilt, die sich an der Gartenschau beteiligen, berichtet Elena Kinkel, die Gartenschau-Koordinatorin in der Gemeindeverwaltung. „Wir sind im Gespräch mit den Gastronomen“, sagt sie. Die Idee lautet nämlich, dass jeder Gastronom ein eigenes Nudelgericht zur Gartenschau anbietet. Die diesbezüglichen Vorbereitungen laufen noch.

Die Idee einer Nudel zur Gartenschau sei bei einem Gastronomietreffen entstanden, sagt Elena Kinkel. Man habe etwas gesucht, das speziell zu Plüderhausen passen könnte.

Mit der Gartenschau-Nudel knüpft Plüderhausen übrigens an seine Ortshistorie an. Hier produzierte einst die Nudelfabrik Schüle. Das Unternehmen wurde 1854 gegründet, 1954 wurde der Betrieb eingestellt. Die Firma hat die Gemeinde in vielerlei Hinsicht mit geprägt.