Rudersberg

Eltern und Kinderarzt Ralf Brügel protestieren in Rudersberg gegen Maskenpflicht für Schulkinder

coronademo schule
Eltern und Schüler beim Protestmarsch durch Rudersberg am Freitagmittag. © Markus Metzger

Die Maskenpflicht an Schulen sollte in Baden-Württemberg ursprünglich nur für zwei Wochen nach den Sommerferien gelten. Das Land wollte damit verhindern, dass Reiserückkehrer eine mögliche Corona-Infektion in die Schulen tragen.

Doch vergangene Woche revidierte das Kultusministerium diesen Beschluss: Die Maskenpflicht wurde auf zunächst unbestimmte Zeit verlängert. Ausnahmen gelten lediglich beim Musik- und Sportunterricht, auf dem Schulhof sowie bei Abschlussprüfungen. Das sorgte bei vielen Eltern für Empörung. Eine Petition mit mehr als 100 000 Unterschriften, die sich für die Abschaffung einsetzt, ist bei der Landesregierung dazu bereits eingegangen. Und auch in Rudersberg ist der Unmut über diese Entscheidung groß.

Am Freitag (01.10.) nach Schulschluss haben deshalb gut hundert Eltern und Kinder, die das Schulzentrum Rudersberg besuchen, gegen die Maskenpflicht demonstriert. Mit Trillerpfeifen und Transparenten marschierten sie von der Schule zum Rathaus. Initiiert hat diese Aktion Yvonne Berger, die nicht mehr nur Petitionen unterschreiben wollte - und selbst drei Kinder hat, die das Schulzentrum besuchen.

Ausschlaggebend dafür, dass sie ihren Protest nun öffentlich und von der Polizei begleitet zum Ausdruck bringt, ist der Umstand, dass ihre Kinder dreimal pro Woche getestet werden und dennoch permanent Masken tragen müssen. Sie kritisiert diese Verlängerung der Maskenpflicht über die zwei Wochen nach den Ferien hinaus: „Das wurde überhaupt nicht begründet.“

„Nicht verhältnismäßig“ finden die Demonstranten die Maskenpflicht

Auch CDU-Gemeinderat Rolf Kappler hat sich unter die Demonstranten gemischt. Als Grund dafür nennt er seine zwei schulpflichtigen Enkel. „Ich habe für alles Verständnis“, sagt er, „aber wenn die Kinder dreimal getestet sind, wieso müssen sie dann noch die ganze Zeit Masken tragen? Das kann ich nicht nachvollziehen.“ Vor dem Hintergrund, dass an diesem Wochenende im Dortmunder Fußballstadion jetzt wieder 70 000 Zuschauer eng auf eng zusammenkommen dürfen, sei das absolut nicht mehr verhältnismäßig.

Kinderarzt Brügel unterstützt den Protest der Eltern

An der Verhältnismäßigkeit der Maßnahme zweifelt auch der wohl prominenteste Fürsprecher der demonstrierenden Eltern: Dr. Ralf Brügel, Kinderarzt in Schorndorf und zugleich Sprecher der Kinderärzte im Kreis. „Der Protest muss von den Eltern kommen“, findet er. Deshalb unterstützt er die Initiative – und freut sich, dass an diesem Tag keine Querdenker zusammengekommen sind, sondern ganz normale Eltern, die sich von der Politik im Stich gelassen fühlen. Brügel selbst ist in der Pandemie immer wieder als Maßnahmenkritiker und Fürsprecher der Kinder aufgetreten. Mit der Maskenpflicht müsse jetzt zumindest in der Grundschule Schluss sein, fordert er. „Das wäre der erste Schritt.“ Denn: „Je kleiner die Kinder sind, desto wichtiger ist der Blickkontakt.“ Und der sei für die Sprachentwicklung ganz entscheidend. Im Anschluss müsse man dann schauen, wie sich die Infektionslage entwickelt.

"Die Verhältnismäßigkeit stimmt nicht", sagt der Sprecher der Kinderärzte im Kreis

Für die Verlängerung der Maskenpflicht habe es zudem keine Begründung gegeben, meint Brügel. Kinder seien keine Pandemietreiber – und wenn sie sich infizieren würden, dann meist bei Erwachsenen im familiären Umfeld – und nicht in der Schule.

Viele europäische Länder, darunter die Niederlande oder die Schweiz, hätten in der Grundschule nie das Maskentragen vorgeschrieben. Mittlerweile sei es ja in sehr vielen Bereichen möglich, ohne Maske zusammenzukommen. Wieso dann ausgerechnet die Kinder zurückstecken müssten, fragt sich Brügel. „Die Verhältnismäßigkeit stimmt nicht.“ Und während andere Bundesländer die Pflicht jetzt bereits lockern würden, sei Baden-Württemberg in diesem Bereich „träge“ und „hardcore“.

„Der Protest muss weitergehen“, sagt Kinderarzt Ralf Brügel

Nach gut einer Viertelstunde endet der Demonstrationszug vor dem Rudersberger Rathaus. „Hoffen wir, dass sich ganz bald etwas ändert“, sagt Yvonne Berger dort. „Wir haben unseren Teil dazu beigetragen.“ Ralf Brügel kann dem nur beipflichten: „Der Protest muss weitergehen – sonst ändert sich nichts.“ Die Menge applaudiert.

Thomas Smolarczyk, Rektor des Schulzentrums in Rudersberg, war von der Verlängerung auch etwas überrascht. Dass die Masken schützen, sei indes wissenschaftlich belegt. Und „unser Anliegen ist es, dass Unterricht vor Ort stattfinden kann“. Bevor es wieder zu Ausbrüchen komme und man auf Fernunterricht umschalten müsse, nehme man das in Kauf. Denn „das funktioniert alles nicht so gut wie Präsenzunterricht“.

Natürlich sei es schade, dass die Corona-Regeln noch nicht gelockert wurden. Klar seien die regelmäßigen Tests eine logistische Belastung. Und „je kleiner die Kinder, desto besser wäre es, die Masken wieder weglassen zu können. Gerade beim Spracherwerb ist sie äußerst hinderlich.“

Schulleiter: Jeder hat das Recht, zu demonstrieren

Andererseits sei das Schulleben schon längst auf Tests und Masken eingestellt, laufe das alles sehr routiniert ab. Habe es seit Schulbeginn nur einen Corona-Fall (bei einer Betreuungsperson) am Schulzentrum gegeben. Auch gebe es nur wenige Eltern, die Masken ganz und gar nicht gutheißen würden. Und von den Kindern selbst kämen kaum Klagen.

Dass Eltern jetzt gegen diese Verordnung demonstrieren, sei aber das Bürgerrecht eines jeden Einzelnen, findet Smolarczyk, der als Schulleiter letztlich keine Wahl hat. Die Maskenpflicht schreibt eine Verordnung vor, die er lediglich umzusetzen hat. 

Am frühen Freitagabend trifft die Landesregierung dann folgende Entscheidung: Die Pflicht entfällt - zumindest zum Teil. Ab dem 18. Oktober müssen Schüler am Platz keine Masken mehr tragen.

Die Maskenpflicht an Schulen sollte in Baden-Württemberg ursprünglich nur für zwei Wochen nach den Sommerferien gelten. Das Land wollte damit verhindern, dass Reiserückkehrer eine mögliche Corona-Infektion in die Schulen tragen.

Doch vergangene Woche revidierte das Kultusministerium diesen Beschluss: Die Maskenpflicht wurde auf zunächst unbestimmte Zeit verlängert. Ausnahmen gelten lediglich beim Musik- und Sportunterricht, auf dem Schulhof sowie bei Abschlussprüfungen. Das sorgte bei

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