Rudersberg

Flüchtlingsunterkunft Villa Bürglen: Freie Wähler machen Landkreis Vorwürfe

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© Ramona Adolf

Rudersberg. Seit einigen Wochen wird die geschichtsträchtige Villa Bürglen in Rudersberg umgebaut zur Flüchtlingsunterkunft. Steffen Menikheim von den Freien Wählern wirft dem Landkreis nun vor, beim Umbau völlig rücksichtlos vorzugehen. Das Landratsamt widerspricht: Der Denkmalschutz werde beachtet. Außerdem habe man den Umbau im Einvernehmen mit der Gemeindeverwaltung begonnen.

Der Ausschuss für Bauen, Verkehr und Umwelt hat das Thema Villa Bürglen am Dienstagabend auf Antrag der Freien Wähler weiterverwiesen an den Gemeinderat. Die Sache sei zu wichtig, so die Meinung der Freien Wähler, um sie auf die Schnelle im Ausschuss durchzuwinken. FW-Rat Steffen Menikheim gab an, sich „überrumpelt“ zu fühlen. Sein Vorwurf an das Landratsamt: „Hier wird in einem geschichtsträchtigen Gebäude kein Denkmalschutz mehr eingehalten.“ Er komme sich „als Gemeinderat verarscht“ vor, wurde Menikheim ziemlich nachdrücklich und laut.

Darum geht es: Das Landratsamt baut die seit Jahren verrottende Villa Bürglen neben der Rudersberger Gemeindehalle seit Dezember um. 70 Flüchtling sollen dort im April einziehen, so ist der Plan. Sie sollen in Zwei-, Vier- und Sechsbettzimmern leben.

„Es ist unglaublich, was mit der Villa passiert“

Auf Nachfrage unserer Zeitung führt Steffen Menikheim seine Kritik am Vorgehen des Landkreises aus. Dagegen, dass man Flüchtlinge in Rudersberg aufnehme, habe er nichts. Im Gegenteil, es sei erfreulich und beachtlich, was ehrenamtlich engagierte Rudersberger dabei leisten würden.

Ihm gehe es um den Denkmalschutz. Er erinnert daran: Alle Investoren, die mit der Villa in den vergangenen Jahren etwas machen wollten, seien letztendlich an den Vorgaben des Denkmalschutzes gescheitert. Der Aufwand sei groß und die Investition teuer, deswegen brauche es ein Nutzungskonzept, das diese Investition trage. Das habe keiner gefunden. Jetzt, wo es um eine Flüchtlingsunterkunft gehe, seien alle gesetzlichen Bestimmungen auf einmal ausgehebelt. „Es ist unglaublich, was mit der Villa passiert“, sagt Menikheim. Alles werde „rausgebolzt“. Er hat beobachtet wie „die tollsten handgeschnitzten Balken“ in Containern entsorgt wurden.

Der Vorwurf, der damit im Raum steht, ist der, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Steffen Menikheim, der selbst einen Stuckateur- und Malerbetrieb hat und bereits an denkmalgeschützten Häusern gearbeitet hat, meint: Einem Privatmann würde so etwas nicht erlaubt.

Was sagt das Landratsamt zu den Vorwürfen? Es ist überrascht. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagt Pressesprecherin Marie-Christine Scholze: Der Mietvertrag für Nutzung und Umbau des Gebäudes mit dem Eigentümer sei im Einvernehmen mit der Gemeindeverwaltung abgeschlossen. „Wir machen nichts ohne die Gemeinde“, sagt Scholze. „Wir wollen das zusammen tragen.“

Die Vorgaben des Denkmalschutzes, so die Pressesprecherin, würden bei der Villa Bürglen sehr wohl befolgt, der Umbau geschehe im Einklang mit dem Denkmalschutz. Zum Beispiel sei an der Fassade nichts verändert worden und sie solle auch so bleiben wie sie ist, mit der sichtbaren Fachwerkstruktur. Das war auch in der Beratungsvorlage für den BVU-Ausschuss so dargestellt. Für das Landratsamt sei es nicht anders als für die Investoren, die sich zuvor an dem Objekt versuchten: Es sei kompliziert. Doch in der aktuellen Situation müsse man auf alles zurückgreifen, was sich als Unterkunft für Flüchtlinge anbiete und auch mal schwierige Wege gehen.

Kritik äußert Steffen Menikheim von den Freien Wählern jedoch auch am Vorgehen, dass schon mit dem Umbau begonnen wurde, bevor überhaupt das Genehmigungsverfahren abgeschlossen gewesen sei. Hierauf angesprochen wiederholt Marie-Christine Scholze vom Landratsamt: Der Umbau sei im Einvernehmen mit der Gemeindeverwaltung gestartet. Es sei in Absprache mit der Gemeinde möglich – dafür gebe es einen Erlass vom Land – dass die Umbauarbeiten beginnen, bevor die Nutzungsänderung offiziell genehmigt ist.

Im BVU-Ausschuss reichten letztendlich die Stimmen der Freien Wähler, um das Thema zu vertagen. Laut Gemeindeordnung reicht für die Verweisung in den Gemeinderat ein Viertel der Stimmen. Wann das Thema nun im Gemeinderat behandelt werden kann, ist offen. Für die Sitzung in der kommenden Woche ist die Tagesordnung eigentlich schon verschickt. Die nächste Sitzung danach ist am 16. Februar.

Klar ist aber auch: Die vorläufige Verweigerung des zuständigen BVU-Ausschusses wird nichts daran ändern, dass das Landratsamt die Villa Bürglen weiter umbauen lässt. Der Beschluss sei in Ordnung, befand denn in der Sitzung auch Wolfgang Bogusch von den Freien Bürgern: „Es ist bloß so, es bringt uns nichts. Die bauen weiter.“

Die Villa Bürglen

An der Villa Bürglen haben sich in den vergangenen Jahren verschiedene Investoren versucht, aber aus diversen Gründen wurde aus ihren Plänen nie etwas. Seit 1996 steht das Gebäude leer. Davor hat die Gemeinde dort auch schon Obdachlose und Flüchtlinge darin untergebracht.

Das Jugendstil-Haus ließ der Fabrikant Hermann Bürglen zu Beginn des 20. Jahrhunderts bauen.