Rudersberg

Freibad Rudersberg in Zeiten von Corona: Baden mit Abstand und Absperrband

Freibad Rudersberg
Die meisten fänden es gut, dass das Freibad unter diesen Umständen überhaupt öffnet, sagt Schwimmmeisterin Kathrin Willsch. © Benjamin Büttner

Tim, Nilo und Julius haben sichtlich Spaß am Beckenrand. Die drei Jungs lachen, spritzen mit Wasser, springen feixend vom Rand ins Schwimmbecken. Und dennoch finden alle drei auch einiges „blöd“, was sich in ihrem Freibad verändert hat, seit es vor zwei Wochen mit reichlich Verzögerung und vielen neuen Regeln in die Saison gestartet ist.

Was die Jungs besonders stört? „Ich darf nicht so lange bleiben“, sagt der zehnjährige Nilo. Der Badebetrieb findet nämlich momentan in Schichten statt. Den ganzen Tag bleiben dürfen nur die Mitarbeiter des Freibads. Schade sei es auch, dass die Startblöcke zum Einspringen ins Becken (wegen des Virus) geschlossen sind.

"Es macht nicht mehr so viel Spaß, mit den Freunden zu spielen", findet Julius (9)

Abstand halten – das findet der zehnjährige Tim nicht so toll. Und dass sie sich im Ein- und Ausgangsbereich nicht mehr so frei bewegen können. Julius (9) sagt, „es macht nicht mehr so viel Spaß, mit den Freunden zu spielen.“ Bei all diesen Störfaktoren sind sie aber dennoch froh, dass ihr Freibad überhaupt wieder geöffnet hat.

Viel Zeit und Arbeit hat Kathrin Willsch investiert, damit diese Öffnung zum 22. Juni überhaupt möglich war. Willsch ist Schwimmmeisterin und leitet seit diesem Frühjahr den Badebetrieb in den beiden Rudersberger Freibädern – und hat in diesem Jahr, obwohl die Saison coronabedingt viel später startet, deutlich mehr zu tun.

Arbeit mit Schichtbetrieb, Online-Reservierung und viel Desinfektionsmittel

Morgens ist das Bad nur geöffnet für Besucher, die bar am Eingang zahlen. Nachmittags und abends für diejenigen, die zuvor ein Online-Ticket gekauft haben. In der Pause dazwischen müssen die Freibadmitarbeiter immer desinfizieren. Und zwar alle Handläufe, Griffe, Druckknöpfe, außerdem die Rutsche und alle Bänke auf der Wiese. Das ist der Bereich, den Willsch übernimmt. Desinfiziert werden müssten auch die Toiletten und Umkleiden. Das übernimmt die Dame an der Kasse.

Wer sich am Samstag um 13 Uhr aufmacht, das Bad für die zweite Schicht zu besuchen, dem fallen die Veränderungen sofort auf. Bereits beim Anstehen tragen viele einen Mund-Nasen-Schutz, im Bereich zwischen Kasse und Umkleide ist er Pflicht. Wer ins Freibad will, muss der Dame an der Kasse seinen QR-Code auf dem Handy vorzeigen. Mit Absperrbändern und Hinweisschildern wurde hinter der Kasse ein Einbahnsystem eingerichtet. Ein- und Ausgang sind also getrennt. Das Beachvolleyballfeld hat zwar Sand, aber kein Netz. „Abstand halten wäre nicht möglich“, erklärt Willsch. Und auch am Becken gilt die Einbahnstraßenregelung. Ein- und Ausgang sind getrennt mit Absperrband.

"An Regeln müssen wir uns eben halten in solchen Zeiten", findet Besucher Salih Nar

Von diesen ungewohnten, beim ersten Besuch auch nicht immer auf Anhieb zu verstehenden Regeln lassen sich die Besucher ihren Badespaß aber nicht verderben.

Salih Nar, der mit seinem Sohn zu Besuch ist, findet nur lobende Wort, nennt es „cool“ und „supergut“, dass das Bad wieder offen ist. Das Online-Ticket buchen? „Unproblematisch“. Die neuen Vorschriften? „Alles machbar und gut. An Regeln müssen wir uns eben halten in solchen Zeiten.“ Sie hätten sogar etwas Positives: „Es gibt keine Schlangen und es ist weniger los.“

Dass so wenig Besucher kommen, hat einen guten Grund. An guten Tagen sind esschon mal 1600 Besucher, sagt Willsch. Aktuell wurde sie auf 350 begrenzt. Dreimal wurde dieser Wert in dieser Saison bereits erreicht. Auch für die Becken selbst gibt es Begrenzungen: das große darf maximal 112 Badegäste fassen, das Kinderbecken zwölf.

„Super organisiert“ oder „komisch“? Die Meinungen gehen auseinander

„Das ist super organisiert“, meint Jutta Herrmann, die froh über die Wiedereröffnung trotz Corona ist. Und darin auch keine Gefahren sieht, so wie es in Rudersberg läuft. „Das verteilt sich gut über die Fläche. Und die Leute halten sich an den Abstand.“ Außerdem sei das Leitsystem auch „total übersichtlich“, da könne eigentlich niemand auf den falschen Weg geraten.

Nicht ganz so überzeugt von den Maßnahmen ist hingegen Michelle Herb, die zum ersten Mal in diesem Jahr zu Besuch ist und sagt: „Es ist okay, aber auch komisch.“ Nicht alles, was die Besucher jetzt machen müssen, hält sie für sinnvoll. „Ich glaube nicht, dass es viel bringt, mit Maske reinzulaufen“. Abstand halten würde aus ihrer Sicht genügen.

Unterstützung aus Korb, von Rettungsschwimmern und dem Förderverein

Die meisten Rückmeldungen, die Willsch erhält, sind aber positiv. „Ein Großteil findet es gut, dass wir das Freibad unter diesen Umständen überhaupt öffnen.“ Es gebe aber auch welche, die nur meckern. Und nicht alle würden sich an die Regeln halten. Doch Willsch will sich nicht beklagen. Für die coronabedingte Mehrarbeit bekommt sie Unterstützung vom Korber Schwimmmeister,dessen Bad renoviert wird und der bei Bedarf auf Abruf bereitsteht. „Ohne ihn wär’s nicht machbar.“ Unter der Woche stehen zudem vier Rettungsschwimmer bereit – und am Wochenende unterstützt der Förderverein bei der Aufsicht. Der Badebetrieb ist also gut aufgestellt.

Freibad in Steinenberg bleibt vorerst noch geschlossen

Und eigentlich könnte jetzt auch das Steinenberger Freibad öffnen. Ausgewintert und für die Saison fertig gerichtet ist es. Einmal die Woche kommt Willsch, um das Becken zu reinigen. Doch die Gemeinde hat noch nicht entschieden, ob und wann Steinenberg in die Saison startet.

Solange müssen die Rudersberger sich eben mit ihrem Freibad im Steinhaldenweg begnügen, das ja auch seine Reize hat. Nur Salih, in Rudersberg aufgewachsen, seit 15 Jahren aber Schorndorfer, hält ihm eisern die Treue – „weil es das schönste Freibad im Umkreis ist.“

Tim, Nilo und Julius haben sichtlich Spaß am Beckenrand. Die drei Jungs lachen, spritzen mit Wasser, springen feixend vom Rand ins Schwimmbecken. Und dennoch finden alle drei auch einiges „blöd“, was sich in ihrem Freibad verändert hat, seit es vor zwei Wochen mit reichlich Verzögerung und vielen neuen Regeln in die Saison gestartet ist.

Was die Jungs besonders stört? „Ich darf nicht so lange bleiben“, sagt der zehnjährige Nilo. Der Badebetrieb findet nämlich momentan in Schichten

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