Rudersberg

Geplanter Rewe-Markt in Michelau: Das sagen die Bürger zu dem Vorhaben

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So soll der Markt mit Wohngebiet und Kreisel aussehen. © Visualisierung Rewe

Am nördlichen Ortsrand des Rudersberger Ortsteils Michelau würde Rewe gerne einen Lebensmittelmarkt bauen. Möglich wäre das aber nur, wenn in diesem Zuge auch ein neues Wohngebiet in diesem Bereich entsteht. Bei einer Bürgerinfoveranstaltung im September sorgte dieses Vorhaben bei manchen Teilnehmern für Unmut.

Kritisiert wurde aus der Bürgerschaft vor allem der damit einhergehende Flächenverbrauch. Außerdem wurden Zweifel laut an der Notwendigkeit eines weiteren Lebensmittelmarkts auf Rudersberger Gemarkung.

Doch wie repräsentativ waren diese Äußerungen für die Bürgerschaft des Teilorts? Eine Befragung aller Haushalte der südlichen Ortsteile - neben Michelau sind dies Steinenberg, Asperglen, Krehwinkel sowie Necklinsberg - gibt darauf nun Antworten. Und die fallen recht eindeutig aus.

Was hat die Bürgerbefragung in Michelau ergeben?

  • Insgesamt 2772 Fragebögen hat die Gemeinde verschickt. 1305 hat sie ausgefüllt zurückbekommen. Damit haben sich gut 47 Prozent der Haushalte an der Umfrage beteiligt. „Das ist eine Zahl mit gewisser Aussagekraft“, sagt Bürgermeister Raimon Ahrens.
  • Die Mehrheit steht der Ansiedlung positiv gegenüber: 57 Prozent sind „auf jeden Fall dafür“ (in Michelau: 60 Prozent), zwölf Prozent „eher dafür“ (in Michelau neun), lediglich 20 Prozent (22 in Michelau) sind „auf jeden Fall dagegen“, sieben Prozent „eher dagegen“ (auch in Michelau).
  • Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang auch ein Alternativstandort beim Gewerbegebiet nahe der Firma Föhl. Von denjenigen, die das Projekt ablehnen, ist aber die Mehrheit „eher“ oder „auf jeden Fall“ dagegen, nämlich knapp 75 Prozent. Es haben sich also nur wenige dafür ausgesprochen. Für diese Fläche gibt es im Moment aber ohnehin keine Interessenten.
  • Nach den wichtigen Kriterien für die Entscheidung befragt, war das am häufigsten genannte Thema die verkehrliche Erschließung, gefolgt von Qualität und wohnortnahem Angebot sowie dem Thema Umwelt, Klimaschutz und Flächenverbrauch.

Wie bewertet die Verwaltung diese Ergebnisse?

„Das ist eine klare Empfehlung und gibt auch Rückenwind für die weiteren Schritte“, sagt Bürgermeister Ahrens, der betont, dass an dieser Stelle ohnehin eine Erweiterung eingeplant war: „Das Wohngebiet war auf Weiterentwicklung angelegt.“ Das zeige sich daran, dass der Paiderweg und die Mittelfeldstraße jeweils in Feldwegen enden. Kommt das Wohngebiet, so könne man hier einen Ringschluss machen. Geplant sind dort zwölf Einfamilienhäuser, vier Doppelwohn- und zwei Reihenhäuser in zweigeschossiger Bauweise sowie zehn öffentliche Parkplätze. Der Rewe soll dann durch einen neuen Kreisverkehr von der Hauptstraße aus erschlossen werden.

Zum bestehenden Baugebiet sollen sowohl der Rewe-Markt (reine Verkaufsfläche: 1200 Quadratmeter) als auch das neue Wohngebiet (mit einer Fläche von 13 000 Quadratmetern) ausreichend Abstand haben und durch eine Grünfläche abgegrenzt sein.

Die Anwohner müssten auch keine Angst haben, dass sie künftig auf eine große Mauer blicken, ergänzt Ortsvorsteher Rudolf Scharer. Die Bebauung sei im Entwurf abgetreppt geplant, der Rewe-Markt vom Hang her nur in der halben Höhe zu sehen.

Die konkrete Ausgestaltung des Gebiets wird aber noch Thema eines Bebauungsplanverfahrens sein.

Es gibt immer noch Kritik an dem Vorhaben. Was sind die Gründe?

Nach wie vor kritisch auf das Projekt blickt Wolfgang Bogusch, Fraktionsvorsitzender der Rudersberger Bürger, „vor allem an dieser Stelle“. Wenn, dann hätte er sich das Projekt am südlichen Standort bei der Firma Föhl vorstellen können. Ein Vorschlag, der aus seiner Sicht in dem Fragebogen nicht klar genug benannt wurde.

Bogusch kritisiert ganz grundsätzlich den mit dem Bau einhergehenden Flächenverbrauch. Die Bedeutung des Klimawandels sei in den Köpfen offenbar noch nicht angekommen. Außerdem habe Rudersberg „definitiv keinen Mangel an Einkaufsfläche“. Zumal in Althütte ja nach wie vor der Bau eines Lebensmittelmarkts geplant ist, der dann Kaufkraft aus Rudersberg abziehen würde. Auch sieht er die Kosten für den geplanten Bau eines Kreisverkehrs am nördlichen Ortseingang kritisch. Für das ganze Projekt gelte: „Wir werden dabei keinen Euro zusätzlich in die Kasse kriegen.“

Bogusch begrüßt indes, dass sich so viele an der Befragung beteiligt haben, denn „jetzt ist klar, was die Bürger wollen“.

Wie geht es jetzt weiter bei diesem Projekt?

Auf Basis der Bürgerbefragung wird der Ortschaftsrat sich am Mittwoch, 1. Dezember, mit einem Bebauungsplan-Verfahren für beide Bereiche, den Rewe und das Wohngebiet, beschäftigen. Am Dienstag, 7. Dezember, soll dann der Aufstellungsbeschluss im Gemeinderat diskutiert werden.

Die Verwaltung plant ein zweistufiges Bebauungsplanverfahren für die beiden Gebiete. Wenn alles glattläuft, könnte dieses bis Herbst 2022 abgeschlossen sein, sagt Bauamtsleiter René Schaal. Deutlich herausfordernder dürfte hingegen das Umlegungsverfahren sein. Hier sei man auf die Mitwirkung der Grundstückseigentümer angewiesen. Ist beides geschafft, könne die Baugenehmigung beantragt werden. Selbst wenn diese schließlich vorliegt, heißt das nicht, dass mit dem Bau gleich begonnen werden kann. Bürgermeister Ahrens verweist auf die hohe Auslastung der Baubranche und verbreitete Lieferschwierigkeiten.

Bevor also in Michelau die Bagger anrücken, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. Dass Michelau einen Rewe und ein neues Baugebiet bekommt, ist, Stand heute, aber sehr wahrscheinlich.

Am nördlichen Ortsrand des Rudersberger Ortsteils Michelau würde Rewe gerne einen Lebensmittelmarkt bauen. Möglich wäre das aber nur, wenn in diesem Zuge auch ein neues Wohngebiet in diesem Bereich entsteht. Bei einer Bürgerinfoveranstaltung im September sorgte dieses Vorhaben bei manchen Teilnehmern für Unmut.

Kritisiert wurde aus der Bürgerschaft vor allem der damit einhergehende Flächenverbrauch. Außerdem wurden Zweifel laut an der Notwendigkeit eines weiteren Lebensmittelmarkts

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